Lebensmittelkennzeichnung Danone führt Ampel ein

Seit Jahren kämpfen Lebensmittelkonzerne gegen eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung mit Ampelfarben. Danone gibt den Widerstand nun überraschend auf - und führt die Ampel 2019 in Deutschland ein.

Die Front der großen Nahrungsmittelkonzerne gegen die sogenannte Nährwertampel bröckelt weiter: Danone, einer der größten Lebensmittelhersteller weltweit, hat bei einer Veranstaltung im Deutschen Bundestag überraschend angekündigt, seine Produkte in Deutschland schon im kommenden Jahr mit einer Farbkennzeichnung zu verkaufen.

Die Entscheidung ist deshalb überraschend, weil sich die großen Lebensmittelkonzerne seit Jahren entsprechenden EU-Plänen verweigern. Verbraucher sollen demnach auf der Packung anhand der Ampelfarben Rot, Gelb und Grün auf den ersten Blick erkennen, wie viel Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren oder Salz das jeweilige Lebensmittel enthält. Die Industrie versuchte, stattdessen ein eigenes Modell durchzusetzen, die Großkonzerne Nestlé, Mondelez, Unilever, Coca-Cola, Pepsi und Mars hatten dafür eigens eine Allianz geschlossen.

Nachdem sich aber Mars, der viertgrößte Lebensmittelhersteller der Welt, Anfang des Jahres aus dem gemeinsamen Projekt verabschiedet hatte und für eine gesetzliche Regelung plädierte, unterläuft nun auch der französische Konzern Danone   den Industriekonsens. Das Unternehmen wird die Nährwertangaben künftig auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampelkennzeichnung darstellen und plädiert zudem für eine verbindliche Regelung.

Kommt jetzt die europaweite Kennzeichnung?

Die Entscheidung der Franzosen könnte auch eine europaweite Kennzeichnung beschleunigen, über die seit Langem debattiert wird. Schon vor zehn Jahren wurde eine einheitliche Kennzeichnungspflicht in Brüssel diskutiert, die Nährwertampel der britischen Lebensmittelbehörde FSA sollte das Vorbild sein. Dabei richtet sich die Ampelfarbe nach den Nährwertgehalten auf der Basis von 100 Gramm. So wird das Zuckerfeld rot, wenn ein Produkt mehr als 15 Prozent Zucker enthält, ähnlich ist es bei Fett oder Salz.

Im Gesundheitsausschuss des Europaparlaments scheiterte die Vorlage allerdings, was bis heute als einer der größten Lobbyerfolge der Lebensmittelindustrie gilt. Zumal Verbraucherschützer, Krankenkassen oder Ärzteverbände immer wieder eine leicht verständliche, europaweit einheitliche Nährwertkennzeichnung fordern.

Zwar wird Danone auch jetzt nicht der britischen Ampel folgen, sondern dem französischen Nutri-Score-System. Das System wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produkts vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A bis E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt erhält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

Foodwatch lobt Danone

Warum Danone Nutri-Score bevorzugt, ist klar: Weil das System in Frankreich auch ohne gesetzliche Vorgabe schon weit verbreitet und bekannt ist, druckt Danone die Ampel dort ohnehin bereits auf seine Verpackungen. Nun soll Deutschland folgen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßt den Schritt: "Danone hat erkannt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwertampel wünschen", sagte Luise Molling, Campaignerin bei Foodwatch. Nun müssten andere Hersteller dem Beispiel folgen: "Die Idee der Lebensmittelampel ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können - das geht nicht, wenn nur ein Hersteller die Ampel einführt."

Zwar sei das britische System noch deutlicher, aber beide Systeme hätten in einem Vergleichstest der französischen Regierung  dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. Zudem gehe auch Nutri-Score weit über das von der Industrie entwickelte System hinaus. Die "Big Six" genannten Lebensmittelkonzerne Nestlé  , Mondelez  , Unilever  , Coca-Cola  , Pepsi   und Mars hatten ihr Projekt Evolved Nutrition Labelling (ENL) getaut, also "weiterentwickelte Kennzeichnung für Lebensmittel".

Das Prinzip ist ähnlich wie die britische Ampel, legt aber nicht einheitlich 100 Gramm zugrunde, sondern "Portionsgrößen" - mit ganz anderer Wirkung, wie Foodwatch in einem Vergleichstest gezeigt hatte. Demnach würde der Brotaufstrich Nutella keine rote Ampel bekommen, ebenso wenig die Tuc-Cracker von Mondelez oder die Cini-Mini-Frühstückscerealien von Nestlé. Mit der britischen Ampelkennzeichnung bekäme Nutella drei rote Ampeln, die Tuc-Cracker zwei und die Cini-Minis eine.

Vielleicht beschleunigt der Schritt von Danone auch die Entscheidungsfindung in der Bundesregierung. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag nämlich vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird".

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