Versteckte Preiserhöhungen bis zu 88 Prozent Das sind die »Mogelpackungen des Jahres«

Weniger drin fürs gleiche Geld – oder sogar für mehr: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die fünf Kandidaten für die raffinierteste Preiserhöhung des Jahres nominiert. Jetzt dürfen die Verbraucher abstimmen.
Nominierte Produkte für die »Mogelpackung des Jahres«

Nominierte Produkte für die »Mogelpackung des Jahres«

Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Nahezu gleich viele Waffeln – aber in viel größerer Verpackung und teurer. Oder weniger Soße zu einem höheren Preis: Die Verbraucherzentrale Hamburg sucht auch in diesem Jahr die »Mogelpackung des Jahres«. Auf ihrer Website können Verbraucherinnen und Verbraucher seit diesem Donnerstag unter fünf Produkten auswählen, welches sie als besondere Täuschung empfinden. Die Abstimmung läuft noch bis zum 24. Januar.

Die fünf nominierten Produkte haben die Verbraucherschützer aus insgesamt rund 2000 Beschwerden ausgewählt, die ihnen im Jahr 2021 zugegangen sind. Nominiert wurden drei Süßwaren und zwei Soßenprodukte.

In der Auswahl befinden sich gleich zwei verschiedene Schokowaffel-Produkte, bei denen die Verbraucherschützer versteckte Preiserhöhungen monieren – allerdings mit verschiedenem Vorgehen: Bei den »Perpetum«-Waffeln von Bahlsen ist die Verpackung quasi gleich groß geblieben, der Inhalt aber weniger geworden, zum gleichen Preis. Hier errechneten die Verbraucherschützer eine Preiserhöhung von bis zu 34 Prozent. Bahlsen verwies darauf, dass sich die Waffeln andernfalls nicht mehr wirtschaftlich produzieren ließen.

Sauce mit 88 Prozent mehr – beim Preis

Bei den »Wurzener Waffelblättchen« von Griesson – de Beukelaer hingegen ist die Verpackung sehr viel größer geworden, auch der Preis ist in den meisten Märkten gestiegen, aber es gibt nur minimal mehr Inhalt. Laut Verbraucherzentrale ergebe das eine Preiserhöhung von bis zu 27 Prozent. Der Hersteller begründet das Verbrauchern gegenüber mit besserer Auffindbarkeit im Supermarkt und längerer Haltbarkeit der Waffeln.

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Verbraucherschutz: Das sind die Mogelpackungen des Jahres

Foto: Verbraucherzentrale Hamburg

Nestlé landete wegen seiner »KitKat«-Schokoriegel im Sammelpack auf der Auswahlliste. In denen stecken jetzt nämlich nur noch vier statt zuvor fünf Riegel, bei gleichem Preis und quasi unveränderter Anmutung der Verpackung. Das entspricht einer Preiserhöhung um 25 Prozent; der Hersteller verweist auf höhere Produktionskosten.

Eine besonders hohe versteckte Preiserhöhung gibt es nach Ansicht der Verbraucherschützer bei der »Paprika Sauce« von Homann. In einem Glas seien nun nur noch 400 statt 500 Milliliter, bei einem Supermarkt in Hamburg zahlte man nun 1,49 Euro statt zuvor 99 Cent – das entspreche einer Verteuerung um 88 Prozent. Eine Stellungnahme verweigerte der Hersteller der Verbraucherzentrale Hamburg.

So nimmt auch der Verpackungsmüll zu

Eine Preiserhöhung um bis zu 50 Prozent bescheinigen die Verbraucherschützer dem Unilever-Konzern bei der »Rahm Soße« von Knorr. Statt zuvor drei stecken nun nur noch zwei Einzelpackungen in der Verpackung. Der Konzern begründete die reduzierte Anzahl mit veränderten Konsumentenwünschen.

Grundsätzlich geben die Hersteller eine unverbindliche Preisempfehlung für ihre Produkte ab. Die endgültigen Verkaufspreise legen die Händler fest. Die Verbraucherzentrale Hamburg beklagt allerdings, dass der Handel bei den »gut getarnten Füllmengenänderungen« der Hersteller mitmache und die Politik die Unternehmen gewähren lasse. Es gehe auch nicht allein um die höheren Preise, sondern auch um den zusätzlichen Verpackungsmüll, der pro Inhaltseinheit entstehe.

fdi
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