"Stimmt's oder hab ich Recht?" Defekte Ware gekauft? Diese Rechte haben Sie

Sie haben ein defektes Gerät gekauft? Dann lassen Sie sich nicht vom Verkäufer abwimmeln. Sie haben mehr Rechte, als Sie denken.
Flachbildfernseher: Augen auf beim Warenkauf

Flachbildfernseher: Augen auf beim Warenkauf

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / dpa

Im Elektromarkt haben Sie sich einen neuen Flachbildfernseher gekauft. Mit Ihrer Frau sitzen Sie nun gemütlich auf dem Sofa und freuen sich darauf, mal so richtig flach fernzusehen. Es läuft: Fußball.

"So hab ich mir unseren ersten gemeinsamen Abend in HD-Qualität nicht vorgestellt", beschwert sich Ihre Frau. "Schalt doch mal um."

Sie probieren einige Tasten auf der Fernbedienung, aber es läuft immer noch: Fußball. Was auch immer Sie versuchen: Der Kanal lässt sich einfach nicht umschalten. Das Gerät hat ganz offensichtlich einen Defekt.

  • Was können Sie tun?

Beim Kauf haben Sie Gewährleistungsrechte, wenn die gekaufte Sache einen Mangel hat. Dafür ist zunächst entscheidend, was Sie mit dem Händler vereinbart haben. Haben Sie ausdrücklich besprochen, dass Ihr neues Sofa katzenabweisend sein soll, hat es einen Mangel, wenn Ihre Katze es doch schreddert.

Wahrscheinlich haben Sie zu dem Fernseher nichts Spezielles vereinbart. Dann muss die Sache sich zur gewöhnlichen Verwendung eignen und die üblichen Merkmale haben. Dabei dürfen Sie den Händler auch auf öffentliche Werbeversprechen des Herstellers festnageln. Ansonsten muss das Sofa aber (nur) zum Sitzen taugen, der Fernseher (nur) zum Fernsehen - und zwar wie üblich auf unterschiedlichen Kanälen, zwischen denen man umschalten kann. Ihr Fernseher ist also mangelhaft.

  • Welche Rechte haben Sie?

Sie können den Fernseher nicht einfach zurückgeben und Ihr Geld zurückverlangen, es sei denn, Sie haben im Versandhandel bestellt und ohnehin noch ein Widerrufsrecht. Das gibt es aber nicht, wenn Sie ganz gewöhnlich im Elektromarkt einkaufen.

Stattdessen sollten Sie zunächst versuchen, doch noch einen funktionierenden Fernseher zu bekommen. Dazu können Sie die sogenannte Nacherfüllung verlangen, also dass der Händler den Fernseher umtauscht oder repariert. Sie können sich aussuchen, was Sie lieber möchten - der Händler darf das nur verweigern, wenn es für ihn einen ganz unangemessenen Aufwand bedeuten würde.

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Wenn der Händler die Nacherfüllung komplett verweigert, die Reparatur zweimal nichts gebracht hat oder wenn Sie Ihrem Händler eine Frist gesetzt haben und er Ihnen innerhalb dieser Frist den Fernseher nicht flottmacht - dann haben Sie weitere Rechte. Sie können dann vom Vertrag zurücktreten, das Erworbene zurückgeben und Ihr Geld zurückverlangen. Mit einem Gutschein brauchen Sie sich nicht zufriedenzugeben!

Womöglich können Sie sogar Schadensersatz verlangen, wenn Sie den entsprechenden Gegenstand woanders teurer kaufen müssen - es sei denn, der Händler kann nachweisen, dass ihn keine Schuld trifft, er also den Defekt weder verursacht hat noch erkennen konnte.

Sie können aber auch die Sache behalten und den Kaufpreis kürzen, also so viel zurückverlangen, wie die Sache wegen des Mangels weniger wert ist. Ein Fernseher mit nur einem Programm würde zum Beispiel einen sehr großen Teil seines Marktwertes verlieren.

  • Was Sie sich nicht bieten lassen müssen

Alle diese Rechte haben Sie gegenüber dem Verkäufer. Sie brauchen sich nicht sagen zu lassen "Da müssen Sie sich direkt an den Hersteller wenden" oder "Der Hersteller hat die Reparatur abgelehnt". Das sind Abspeiseversuche, auf die Sie nicht hereinfallen sollten.

Möglich auch, dass der Verkäufer einen Beweis verlangt, dass mit der Ware schon etwas nicht in Ordnung war, als Sie sie gekauft haben. Doch als Verbraucher, also bei einem privaten Kauf, können Sie sich in den ersten sechs Monaten nach Erwerb der Ware auf eine "Beweislastumkehr" berufen. Dann muss der Verkäufer Ihnen nachweisen, dass die Sache beim Kauf in Ordnung war.

Das gilt aber nur, wenn Sie den Defekt nicht selbst verursacht haben: Kommen Sie nach drei Monaten mit einem Fernseher, der in der Mitte durchgebrochen ist, dann ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass Sie das erst jetzt bemerkt haben.

Nur wer die richtigen Paragrafen nennt, wird ernst genommen! Darauf berufen Sie sich: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 434 (Sachmangel) , § 437 (Rechte des Käufers bei Mängeln) , § 439 (Nacherfüllung) , § 476 (Beweislastumkehr) .


Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "Stimmt's oder hab ich Recht?" Der Text wurde redaktionell leicht bearbeitet.

Zum Autor
Foto: FinePic Helmut Henkensiefken

Volker Kitz hat Jura und Psychologie studiert und unter anderem als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut gearbeitet. Er lebt als freier Autor und Redner in Berlin. Die Texte dieser Serie basieren auf seinem aktuellen Buch "Ich bin, was ich darf. Wie die Gerechtigkeit ins Recht kommt und was Sie damit zu tun haben".Zur Website von Volker Kitz Zur Facebookseite von Volker Kitz 

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