Schillernder Fankult Der Merchandise-Hype um Elizabeth Holmes

Poster, Kaffeetassen, T-Shirts: Onlineshops bieten Fanartikel rund um die einstige Start-up-Milliardärin Elizabeth Holmes an. Die »Holmies« stört nicht, dass der Erfolg der Silicon-Valley-Ikone wohl erschwindelt war.
Elizabeth Holmes vor Gericht

Elizabeth Holmes vor Gericht

Foto: NICK OTTO / AFP

Sie war einst der neue Star im Silicon Valley. Vor ein paar Jahren behauptete die Unternehmerin Elizabeth Holmes, sie könne mit ihrem Biotech-Start-up Theranos die Blutanalyse revolutionieren. Ein kleiner Kasten namens Edison sollte mit wenigen Tropfen rund 240 unterschiedliche Tests machen können. Der inzwischen verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs feierte Holmes, US-Milliardär Rupert Murdoch steckte 100 Millionen Dollar in ihr Start-up.

2015 dann berichtete  das »Wall Street Journal«, dass Edison das alles gar nicht könne. Theranos habe für die Auswertungen heimlich Analysegeräte von Siemens benutzt. Holmes dementierte. Doch mehrere ihrer Mitarbeiter bestätigten den Bericht. Kurz darauf beklagten Apotheken, die schon Edison-Geräte gekauft hatten, reihenweise falsche Ergebnisse.

Holmes, die inzwischen vor Gericht steht und der bis zu 120 Jahre Gefängnis drohen, war in der Geschäftswelt in Ungnade gefallen. Ihr Start-up ging pleite, rauschte an der Börse ab und bescherte Anlegerinnen und Anlegern heftige Verluste. Im Internet aber wird Elizabeth Holmes teils noch immer gefeiert.

Wie der »Guardian« berichtet , ist rund um den Gerichtsprozess ein regelrechter Merchandise-Hype entstanden. Eine Fangemeinschaft, die sich selbst als »Holmies« bezeichnet, bietet unter anderem T-Shirts mit dem Konterfei der Unternehmerin an, aber auch Tassen, Kissen, Masken oder Poster. »WeAreElizabethHolmes« nennt sich einer der Shops  auf der Verkaufsplattform Etsy.

Der seltsame Fankult erfordert etwas Ambiguitätstoleranz. Er oszilliert irgendwo zwischen Ironie, hemdsärmeligem Neoliberalismus, feministischem Empowerment, »Stick it to the man«-Mythos und ehrlich gemeinter Verehrung.

Eine Shopbesitzerin gab gegenüber dem »Guardian« an, sie heiße zwar kriminelle Taten nicht gut, gleichzeitig müsse man Holmes aber zugutehalten, wie weit sie es mit ihrem Start-up einst gebracht habe – und das in einer stark von Männern dominierten Branche. »Meiner Ansicht nach ist Elizabeth weder eine Heldin noch ein Bösewicht, sondern eine komplexe, einzigartige Frau«, sagte sie.

Der Fankult um Holmes hatte sich zuvor schon andere Bahnen gebrochen. Zum Auftakt des Theranos-Prozesses im kalifornischen San Jose hatten drei Frauen als Elizabeth Holmes verkleidet vor dem Gerichtsgebäude posiert .

Die Strafverfolgung hat in dem Prozess ein großes Problem: Es gibt keine harten Beweise für einen Betrug. Kurz vor der Theranos-Pleite hatten Angestellte einen Server mit Millionen Bluttestergebnissen vernichtet. Die Verteidigung wirft zudem Holmes' ehemaligem Vize und Liebhaber Sunny Balwani vor, der eigentliche Drahtzieher hinter den fragwürdigen Bluttestversprechen zu sein. Balwani habe Holmes jahrelang psychisch und sexuell missbraucht, so der Vorwurf.

Balwani streitet das vehement ab. Holmes' Anwälte haben sich bislang nicht zu den Merchandise-Artikeln im Internet geäußert.

ssu
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die zeitgleiche Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten