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01. Dezember 2014, 13:45 Uhr

Geplante Fusion mit Gagfah

Mieterbund sieht bei Annington noch "schwerwiegende Mängel"

Deutsche Annington übernimmt Gagfah: Mit 350.000 Wohnungen soll der größte Immobilienkonzern Deutschlands entstehen. Während die Unternehmen die Vorteile für die Mieter betonen, warnt der Mieterbund vor altbekannten Problemen.

Berlin - Glaubt man den beteiligten Unternehmen, dann haben die Mieter im größten deutschen Wohnungskonzern nichts zu befürchten. Deutsche Annington und Gagfah wollen sich zusammentun - daraus entsteht ein Gigant mit insgesamt rund 350.000 Wohnungen im Wert von 21 Milliarden Euro. "Wir wollen einen nationalen Champion von europäischer Dimension schaffen", sagte Annington-Chef Rolf Buch.

Beim Deutschen Mieterbund ist man ob des geplanten Mega-Deals nicht ganz so enthusiastisch. "Aus dieser Größe wächst auch die Verantwortung für die eigenen Immobilienbestände und den Wohnungsmarkt insgesamt", ließ sich Bundesdirektor Lukas Siebenkotten zitieren. "Wir hoffen, dass die Deutsche Annington aus Fehlern lernt, verstärkt in die Instandsetzung und Instandhaltung ihrer Wohnungen investiert und die Ankündigungen von Herrn Buch nicht bloß Leerformeln bleiben."

In der Tat hat die Deutsche Annington bei vielen Mietern einen zweifelhaften Ruf. Immer wieder gab es Beschwerden, der börsennotierte Konzern investiere nicht in seine Wohnung und nehme die Verrottung ganzer Siedlungen in Kauf, um eine maximale Rendite herauszuholen. Vorstandschef Buch hatte bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren allerdings Besserung gelobt und versprochen, mehr auf die Mieterinteressen zu achten.

Beim Mieterbund herrscht dennoch weiter Skepsis. Bei vielen Wohnungsbeständen der Deutschen Annington herrsche noch immer Investitionsstau, sagte ein Sprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Mieter hätten dort mit "schwerwiegenden Mängeln" zu kämpfen. Buchs verbale Wende sei in den Verwaltungen vor Ort "nur bedingt angekommen", sagte der Sprecher. "Das braucht offenbar noch Zeit."

Gagfah-Aktie steigt um fast 14 Prozent

Annington-Chef Buch verspricht auch für das geplante neue Unternehmen Verbesserungen für die Mieter. "Ich persönlich stehe dafür ein, dass die Neuausrichtung auch im zusammengeschlossenen Unternehmen konsequent weitergeführt wird", hieß es in einer Mitteilung. Buch soll auch im neuen Unternehmen Vorstandsvorsitzender werden.

Der Vorstandschef der Gagfah, Thomas Zinnöcker, soll sein Stellvertreter werden. Zinnöcker sagte: "Unseren Mietern kann ich versprechen, dass die Gagfah alle abgeschlossen Vereinbarungen einhält und dass die gemeinsame Gesellschaft sich an ihrem Anspruch als sozial verantwortlicher Vermieter messen lässt."

Annington und Gagfah sind auf ähnliche Weise entstanden. Finanzinvestoren hatten staatliche und Werkswohnungen gekauft, mit Schulden finanziert und letztlich an die Börse gebracht. Die Gagfah hatte unter der Ägide des Investors Fortress mit den Wohnungen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) angefangen und dann die kommunalen Wohnungsgesellschaften Nileg in Hannover und Woba in Dresden hinzuerworben. Die Deutsche Annington besteht aus ehemaligen Eisenbahnerwohnungen und den ehemaligen Werkswohnungen von E.on und RWE . Der Investor Terra Firma hatte sie 2013 an die Börse gebracht.

Die Gagfah ist schon seit 2006 an der Börse notiert. Am Montag konnten sich die Anleger über einen gewaltigen Kurssprung freuen. Angesichts der geplanten Übernahme durch den Konkurrenten sprang die Gagfah-Aktie zeitweise um fast 14 Prozent nach oben. Für die Aktie der Deutschen Annington ging es dagegen um 3,5 Prozent nach unten. Kein Wunder: Das Unternehmen muss für die Übernahme der Gagfah fast 3,9 Milliarden Euro zahlen.

stk/mik/dpa/Reuters

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