Schlechtes Image der GDL Deutsche misstrauen der Lokführergewerkschaft

Die Lokführergewerkschaft GDL hat einen miserablen Ruf: Drei von vier Deutschen misstrauen der Arbeitnehmervertretung, die jüngst mehrmals den Bahnverkehr lahmgelegt hat. Viel beliebter ist die Bahn allerdings auch nicht.

Streikende Lokführer (Archivbild): Bahn beliebter als GDL
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Streikende Lokführer (Archivbild): Bahn beliebter als GDL


Hamburg - Der vorerst letzte Lokführerstreik liegt bereits einige Wochen zurück, am heutigen Montag gehen die Gespräche der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Bahn über einen neuen Tarifvertrag in die nächste Runde. Dass Gewerkschaftschef Claus Weselsky aktuell nicht den offenen Konflikt sucht, hängt wohl auch mit der öffentlichen Meinung zusammen. Die Deutschen haben die Bahn-Streiks gehörig satt.

Laut einer repräsentativen Umfrage, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, hat eine deutliche Mehrheit eine negative Meinung von der Lokführer-Gewerkschaft. 73 Prozent misstrauen der GDL, nur 17 Prozent vertrauen ihr. Die Spartengewerkschaft schneidet deutlich schlechter ab als Gewerkschaften im Allgemeinen. Von ihnen haben nur 51 Prozent der Deutschen eine negative Meinung, immerhin 43 Prozent eine positive, heißt es im Vertrauensindex des PR-Verbandes GPRA (Gesellschaft Public Relations Agenturen).

Die Bahn kommt etwas besser weg als ihr Kontrahent auf der Arbeitnehmerseite: Von dem Staatskonzern haben immerhin 38 Prozent der Deutschen eine gute, 58 Prozent eine schlechte Meinung - was gering erscheint in einem Land, in dem Klagen über Verspätungen und unfreundliche Schaffner Volkssport sind.

Selbst im Image-Wettbewerb mit ihrer neuen Buskonkurrenz kommt die Bahn überraschend gut weg. Den Fernbusbetreibern, die der Bahn in den vergangenen Monaten Tausende Kunden abgejagt haben, vertrauen 41 Prozent der Deutschen. Etwas mehr, nämlich 44 Prozent, vertrauen ihnen nicht. Etwa jeder sechste Deutsche hat sich also noch keine Meinung zu den neuen Anbietern gebildet.

Auf das mit Abstand beste Ergebnis kommen die regionalen Verkehrsverbünde, die teilweise von der Bahn betrieben werden, teilweise mit ihr konkurrieren. 55 Prozent haben eine positive Einstellung zu den Betreibern ihrer örtlichen Bus- und Bahnbetreiber, nur 37 Prozent eine negative.

Für den GPRA-Vertrauensindex für März 2015 befragte das Umfrageinstitut Mentefactum telefonisch 1014 zufällig ausgewählte Deutsche.

ade



insgesamt 62 Beiträge
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bierzelt 23.03.2015
1. Eigene Erfahrung
Ich bin vor genau einem Jahr zu den Bahnpendlern gewechsel. Allerdings nur bis November. Bis dahin war das Theater mit der Bahn so abwechslungsreich, dass ich mittlerweile wieder mit dem Auto fahre.... Weselsky hat mit seinen Aktionen genau das Gegenteil erreicht, dass man der GDL mittlerweile alles zutraut und die Bahn schlichtweg nicht mehr als zuverlässig wahrnimmt.
wermoe 23.03.2015
2. Gewerkschaften sollte man am besten Verbieten !
Streiks schaden der Profit Maximierung !
prince62 23.03.2015
3. GdL und VC sind die einzig wirklichen Gewerkschaften.
Ist schon klar, mit Solidarität des kleinen Mannes hatte es der deutsche Michel noch nie, der gönnte ja seinem Kollegen/Nachbarn nicht mal die Butter aufs Brot. Im übrigen noch zu erwähnen, daß die GdL neben VC derzeit bzw. seit Jahren die einzigen Arbeitnehmervertretungen sind, die wirklich noch die Interessen des kleinen Mannes vertreten, alle anderen DGB-"Gewerkschaften" haben mit ihren Vorständen die Seite gewechselt, jetzt frißt man den gleichen Kaviar, säuft den gleichen Schampus/Krimsekt und läßt sich von den gleichen Luxushuren bedienen, wie die Herren Arbeitgeber:-) Einfach nur noch ekelhaft!
!!!Fovea!!! 23.03.2015
4. Wundert das jemanden?
Ich denke nicht. Diese Hebeldrücker, wie die mit der Angst der Fahrgäste spielen, erst vor Weihnachten, nun vor Ostern.... Nein, nein, so gewinnt man keine Bonuspunkte bei den Fahrgästen.
limauniform 23.03.2015
5. Nicht verwunderlich
Zum miserablen Image haben nicht nur die Streiks beigetragen sondern zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auch die meinungsbildende Berichterstattung der linksgrün-affinen Medien. Letztere machen sich damit zu Steigbügelhaltern für die geplante Einschränkung der Koalitionfreiheit, natürlich unter dem Beifall der im DGB organisierten Gewerkschaften.
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