Pannen bei Regionalverkehrsaufträgen Bahn muss fast 1,2 Milliarden Euro Strafe zahlen

Nicht nur Reisende, auch Auftraggeber im Regionalverkehr sind Verspätungen und Zugausfälle bei der Bahn leid: Der Konzern muss Geschäftspartnern laut einem Bericht fast 1,2 Milliarden Euro Strafe zahlen.

Gleiserneuerung in Hamburg
DPA

Gleiserneuerung in Hamburg


Ihre mangelnde Zuverlässigkeit beschert der Deutschen Bahn große finanzielle Einbußen. Der Konzern muss einem Bericht des "Tagesspiegels" zufolge wegen Verspätungen und Zugausfällen hohe Vertragsstrafen an ihre Auftraggeber im Regionalverkehr zahlen.

Diese Gelder summierten sich allein seit 2017 auf fast 500 Millionen Euro, berichtete die Zeitung und beruft sich auf interne Unterlagen des Unternehmens. Bis 2023 erwarte Bahnchef Richard Lutz insgesamt weitere Strafen in Höhe von etwa 650 Millionen Euro. Die Strafzahlungen würden damit fast 1,2 Milliarden Euro betragen. Eine Bahn-Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.

Der Zeitung zufolge sind die Strafen in den Verträgen mit den Auftraggebern der Länder und Kommunen geregelt, die den Regionalverkehr ausschreiben, bestellen und bezahlen. Bei schlechter Leistung würden staatliche Zuschüsse gekürzt.

Die Bahn steht wegen der im vergangenen Jahr wiederholt mangelnden Zuverlässigkeit der Züge in der Kritik. Zuletzt hatte der Konzern seine selbst gesteckten Ziele bei der Pünktlichkeit verfehlt. Nur etwa 70 Prozent der Züge fuhren im November nach Plan.

Zuletzt hatte die Bundesregierung von der Bahn bis März ein umfassendes Konzept zum Konzernumbau verlangt. Auch wirtschaftlich ist der Konzern angeschlagen. Bis zum Jahr 2022 benötigt die Bahn fast fünf Milliarden Euro zusätzlich. Allein 2019 fehlen dabei laut Aufsichtsrat 2,2 Milliarden Euro für dringende Investitionen. Die Bahn ist seit 1994 eine Aktiengesellschaft, die Aktien gehören komplett dem Bund.

mal/mmq/AFP



insgesamt 23 Beiträge
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vantast64 02.01.2019
1. Ich wäre der Bahn sehr dankbar, wenn sie noch einige Sitzplätze
im Kölner Hauptbahnhof einrichten könnte, denn mit 74 Jahren und schwerer Tasche ist der Aufenthalt auf niedrigen Schutzrohren sehr unbequem und unwürdig. Was werden wohl Ausländer denken?
K. Behnert 02.01.2019
2. Ein bewährtes Mittel....
um solche Pannen zu beheben wäre doch, bekannte Politiker - aus welchen Ressort auch immer - dorthin zu versetzen. Zum Beispiel wären da Namen, die sich als Kenner des des Fachs schon Verdienste erworben haben, wie z. B. Dobrint oder sein Vogänger oder Nachfolger. Das sind doch alles hoch kompetente Leute. Und darüber hinaus hätte man diesen um das Wohl des Volkes verdienten Herrschaften eine sichere finanzielle Absicherung verschafft. Man lässt doch schliesslich seine Freunde nicht draussen im Regen stehen. Das wäre doch wohl gelacht, wenn solche gebündelte Kompetenz nicht in der Lage sein sollte, die anstehenden Probleme zu beheben.
Anandamid 02.01.2019
3. Mehdorn war zwar ein Unsympathling wie er im Buch steht
...mit napoleonischen Zügen, aber die Pünklichkeit verbesserte sich langsam. Sehr langsam. Aber seit er weg ist, verschlechterte sich die Pünklichkeit schnell und Chaos ist jetzt praktisch immer. Für Berufstätige unannehmbar. Dazu kommen noch korrupte Kriminelle, die nicht dazu in der Lage sind, Züge passend zum Bahnhof zu bestellen. Letzteres ist ein anderes, aber dennoch ernstes Thema, weil der Steuerzahler dafür doppelt bezahlen muss.
derhey 02.01.2019
4. Leider
noch viel zu wenig wobei es schon eine crux ist: Zwar hat die Bahn Einnahmen aber die Strafen werden wohl aus Steuermittel bezahlt werden müssen. Bei der Bahn wünschte ich mir amerikanische Verhältnisse - einfach die an der Spitze und in der Mitte feuern, hochkant.
chillervonnatur 02.01.2019
5. achso
Die Länder und Kommunen bekommen Geld für Verspätungen, kein Wunder das man als Jahreskarteninhaber unter 24h Verspätung nichts bekommt, wenn da eh schon doppelt kassiert ist. Sauerei sowas (tut mir Leid, aber das ist es), da sollte lieber geregelt sein wie zahlende (!!!) Kunden entschädigt werden, statt der "Auftraggeber", die das Geld dann natürlich wieder ganz ohne jede Zweckbindung raushauen dürfen.
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