Deutsche Bahn Fast jeder vierte Fernzug hat Verspätung

Seit Jahresbeginn kamen durchschnittlich 23,5 Prozent der Fernzüge zu spät ans Ziel. Ihre selbst gesetzten Pünktlichkeitsziele erreicht die Bahn trotzdem.

Ein ICE fährt auf der Hochgeschwindigkeitstrasse neben der Autobahn A3 bei Neustadt (Wied)
R. Schmiegelt/ Future Image/ imago images

Ein ICE fährt auf der Hochgeschwindigkeitstrasse neben der Autobahn A3 bei Neustadt (Wied)


Die Deutsche Bahn kämpft bei ihrer Fernzugflotte weiterhin mit Verspätungen. Im Durchschnitt seien seit Jahresbeginn 76,5 Prozent aller Fernzüge pünktlich gewesen, sagte Vorstandsmitglied Ronald Pofalla. Damit erreicht die Bahn immerhin ihre selbst gesetzten Pünktlichkeitsziele. Nach Definition der Bahn ist ein Zug erst verspätet, wenn er mehr als sechs Minuten nach Fahrplan im Bahnhof eintrifft.

Im Vergleich zum Vorjahr schneide die Bahn 1,6 Prozentpunkte besser ab, sagte Pofalla, man sei genau auf Zielkorridor. "Fürs nächste Jahr haben wir uns die 78 Prozent vorgenommen." 2018 war der Konzern noch deutlich ehrgeiziger gewesen - und verfehlte sein Ziel deutlich. Wegen Staus im Schienennetz und Mängeln an Fahrzeugen kamen statt der angestrebten 82 Prozent nur 74,9 Prozent der ICEs und Intercitys pünktlich.

Milliardenschwere Investitionen sollen in den nächsten Jahren mehr Pünktlichkeit und mehr Kapazität bringen - vorausgesetzt, es findet sich das nötige Personal. Allein um das zusätzliche Geld für Erhalt und Instandsetzung der Schienenwege abzurufen, seien 900 neue Techniker und Ingenieure notwendig, sagte Pofalla, "sonst kriege ich die Masse gar nicht bewegt".

Bund und Bahn hatten vereinbart, bis 2030 rund 86 Milliarden Euro in Erhalt und Instandsetzung der Schienenwege zu stecken. Weitere elf Milliarden sagte die Bundesregierung im Rahmen des Klimapakets zu.

rai/dpa



insgesamt 93 Beiträge
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SchlandGottes 27.09.2019
1. Mehr als 6 Minuten Verspätung
Das waren mal 5 Minuten. Die Bahn betrügt sich selbst. Die Bahn wird immer peinlicher, allen voran der Pofalla. Der erklärt die permanente Unpünktlichkeit der Bahn einfach für beendet. Lächerlich, dass ein Zug erst nach 6 Minuten als verspätet gilt. Das kann man auch nur mit uns deutschen machen.
deSelby 27.09.2019
2. Ich halte die Fixierung...
...auf den Fernverkehr für irreführend. Jeden Morgen fahren hunderttausende Pendler mit der DB vornehmlich im Regionalverkehr zur Arbeit. In diesem Bereich macht die Bahn zwar deutlich mehr Umsatz und Gewinn als im Fernverkehr, dennoch behandelt sie ihn mehr als Stiefmütterlich: hier sind extreme Verspätungen (oft weil auf Fernzüge gewartet werden muß), Zugausfälle und andere Einschränkungen täglich die Regel. Es ist mit ein Rätsel warum die Bahn gerade ihre treuesten Kunden derart im Regen stehen lässt und sie grundsätzlich hintenanstellt wenn es um Pünktlichkeit, Komfort oder Verlässlichkeit geht. Ein derartig kundenfeindliches Verhalten ist ausschließlich aufgrund der Monopolstellung der Bahn auf vielen Strecken durchführbar.
coloneltw 27.09.2019
3. Geld allein macht nicht glücklich
denn wie bei der öffentlichen Hand auch, fehlen die Leute um es auszugeben. 86 Mrd und weitere 11 sind 97 Mrd € in 10 jahren also knapp 10 Mrd € pro Jahr. Das müssen sie erstmal ausgeben. Rechnungen bezahlt man erst nach Abschluss der Arbeiten, Handwerker gibt es kaum, Firmen sind über Jahre ausgebucht....Ich glaube Deutschland sollte dieses Sanierungschaos als Chance begreifen auch in einer Rezession als Jobmotor zu fungieren. Handwerker werden die kommenden Jahrzehnte keine Probleme haben Aufträge zu erhalten. Des Weiteren unterstütze ich die Bahn mit der Aussage bis 5 Minuten keine Verspätung. Man redet die Bahn gern schlecht. Aber ich bekomme bei jeder verspäteten S-Bahn (>20Min) Geld von meinem Jahresfahrschein wieder. Bei ICE Fahrten ebenso. Also ich gestern mit dem Auto 25 Min Verspätung hatte, weil die Polizei der Meinung war mitten in der baustelle in der Rushhour ein Fahrzeug kontrollieren zu müssen, kam weder die Polizei noch Aral mit einem 20 % Tankgutschein. Ebenso nicht bei meinen letzten Staus auf der A24 oder A7. Gegenüber dem Auto strotzt die Bahn gerade so vor Pünktlichkeit.
felisconcolor 27.09.2019
4. Die
Manager der Shinkansen Betreiber hätten sich schon längst ins Schwert gestürzt. Ist ja schön das die Bahn ihre laxen Pünktlichkeitsziele erfüllt haben. Sind trotzdem noch 23,5 Prozent zuviel. Wenn davon in der Hälfte der Fälle Mitreisende ihre Anschlusszüge oder Flüge verpasst haben. Ist es doppelt bitter. Aber anscheinend meinen ja alle das Bahn fahren ein reines Spass- und Freizeitvergnügen ist. Wie Auto fahren ja auch. Ist ja egal wer da Arbeits- und Produktivzeiten verliert, man braucht sie ja nicht ersetzen.
kpschulz 27.09.2019
5. unbeherrschbare Komplexität
Das ist doch kein Wunder. Die Bahn Fernstrecken bestehen aus Altbau, Hochgeschwindigkeit und Bahnhofsein- und Ausfädeleien. Darauf tummeln sich Regio-, Güter-, IC- und ICE-Züge. Diese Komplexität ist mit der derzeitigen technischen Ausstattung nicht beherrschbar. Dies funktioniert nur mit Entflechtung und Vereinfachung durch Trasseninvestitionen: Umfahrungsmöglichkeiten von Bahnknoten, exklusive Schnellfahrtrassen für den Fernverkehr (teilweise auch Güterverkehr) sowie intelligente Streckensteuerung. Frankreich und Japan zeigen wie es besser geht. Der TGV ist auch manchmal zu spät aber in der Regel deutlich pünktlicher, bei wesentlich höherer Reisegeschwindigkeit, da auf einer Trasse alle Züge mit ähnlicher Geschwindigkeit unterwegs sind. Durch eine derartige Entflechtung könnte man auch die kalkulierten Pufferzeiten erheblich reduzieren. Kosmetik am bestehende Netz hilft nur bedingt, es fehlt ein visionärer Masterplan für das Schienennetz an sich.
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