Coronakrise Bahn-App soll vor vollen Zügen warnen

Immer mehr Menschen reisen wieder mit der Bahn. Deshalb sollen nach SPIEGEL-Informationen ab dieser Woche mehr Züge fahren als in den vergangenen Monaten - Verbindungen mit hoher Auslastung soll die App anzeigen.
Bahn-Schaffnerin am Kölner Hauptbahnhof mit Schutzmaske

Bahn-Schaffnerin am Kölner Hauptbahnhof mit Schutzmaske

Foto: Christoph Hardt/ Future Image/ imago images

In der Coronakrise hatte die Deutsche Bahn bislang einen beispiellosen Einbruch der Passagierzahlen erlebt. Bis zu 90 Prozent weniger Passagiere nutzten ihre Angebote, vor allem ICEs wirkten an manchen Tagen wie Geisterzüge. Doch seit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen fahren auch wieder mehr Menschen Bahn. So viele, dass der Konzern jetzt handeln muss. Nach Informationen des SPIEGEL will das Unternehmen mithilfe seiner App, des Bahn-Navigators, und der Buchungsseite den Passagierfluss besser aussteuern, damit in den kommenden Wochen keine gefährlich engen Situationen in den Zügen entstehen.

Die Bahn-App und der Internetauftritt wurden deshalb in den vergangenen Wochen so umprogrammiert, dass Nutzer bald Züge mit einer Auslastung von 50 Prozent und mehr angezeigt bekommen. Sie sollen damit die Möglichkeit erhalten, auf weniger frequentierte Verbindungen zuzugreifen. So soll verhindert werden, dass die Menschen zu dicht gedrängt in den Zügen reisen.

Nehmen die Reservierungen trotz dieses Warnhinweises auf einer bestimmten Verbindung weiter zu, verhindert es die App und das Buchungssystem auf bahn.de künftig, dass dieser Zug noch gebucht und reserviert werden kann. Diese Funktion soll in den kommenden Tagen freigeschaltet werden. Das erfuhr der SPIEGEL aus Konzernkreisen.

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Desinfektionsspray an Bahnhöfen

Das Bahn-Management hat sich damit zunächst gegen eine generelle Reservierungspflicht entschieden, diese hatten einige Verkehrspolitiker in den vergangenen Wochen gefordert. Wer zum Bahnhof geht, kann auch weiterhin in einen vollen Zug einsteigen, für den die App keine Fahrkarte mehr verkauft oder eine Reservierung vornimmt.

Auch wird es möglich sein, Sitzplätze nebeneinander zu reservieren. Die Verantwortlichen haben sich dagegen entschieden, immer einen Sitzplatz pro Reisenden freizuhalten. Dies hätte es etwa Familien unmöglich gemacht, nebeneinander reservieren zu können. Die Bahn setzt stattdessen auf eine verstärkte Desinfizierung der Wagen. Sie stellt sogar selbst die entsprechenden Mittel her. Auch wird Desinfektionsspray an den Bahnhöfen angeboten. Entsprechende Regelungen hatte die Bahn vergangene Woche verkündet.

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Das Management hat eine dringende Empfehlung ausgesprochen, in den Zügen und im Bahnhof Schutzmasken zu tragen. In manchen Bundesländern ist das Maskentragen sogar Pflicht. Doch nicht überall halten sich Kunden an diese Regel.

Die Bahn versucht zudem, sich mit aller Macht gegen die Konkurrenz des Autos zu stemmen, das für viele Bürger als ansteckungsfreie Reiseoption gilt. Mit Maßnahmen wie der App sollen verängstigte Kunden wieder in die Züge gelockt werden. Dazu soll auch das Angebot an Zügen hochgefahren werden. Selbst auf dem Höhepunkt der Coronakrise hatte die Bahn ihren Fahrplan nur in geringem Umfang ausgedünnt. Insbesondere wurden Züge an Freitagen und Sonntagen gestrichen, an denen zu normalen Zeiten die höchste Auslastung geherrscht hatte. Dies dürfte ab kommender Woche wieder zurückgenommen werden.

Die Bahn hat in den vergangenen Monaten mit den leeren Zügen sehr hohe Verluste eingefahren. Bis zum Jahre 2024 könnte ein Fehlbetrag von über zehn Milliarden Euro entstehen. Dies hatte die Bahn Anfang des Monats Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eröffnet. 

Die Bundesregierung will deshalb das Eigenkapital der Bahn erhöhen und die Verschuldungsgrenze von derzeit rund 25 Milliarden Euro aufheben, damit die Bahn sich frisches Geld an den Finanzmärkten besorgen kann. Geplant sind allerdings auch Einsparungen an Sach- und Personalausgaben. Die Gewerkschaften befürchten die Entlassung von 10.000 Mitarbeitern und haben Widerstand angekündigt.

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