Probleme bei Auslieferung Deutsche Post erwägt Aufschlag für schnelle Zustellung

Verspätete Sendungen, massenhaft Beschwerden: Die Post kämpft mit einer Reihe von Problemen. Eine Managerin des Konzerns bringt nun einen Aufpreis für die schnellere Zulieferung von Briefen ins Gespräch.
Postbote im Schneegestöber (im Februar 2018): Den Kunden die Laufzeiten überlassen

Postbote im Schneegestöber (im Februar 2018): Den Kunden die Laufzeiten überlassen

Foto: Thomas Warnack/ dpa

Die Weihnachtszeit ist für die Post eine besondere Herausforderung. In diesem Jahr steht das Unternehmen angesichts der Beschwerden vieler Kunden und Kritik der Aufsichtsbehörde besonders unter Beobachtung.

Zuletzt hatte es besonders bei der Briefzustellung Probleme gegeben – obwohl tendenziell immer weniger Briefe verschickt werden. Der Konzern hat das unter anderem mit einem hohen Krankenstand und dem leer gefegten Arbeitsmarkt begründet.

Nun hat eine Managerin einen Vorschlag, wie es dennoch mit der Zuverlässigkeit klappen könnte: Indem die Deutsche Post für die schnellere Zustellung von Briefen einen Zuschlag verlangt.

Anspruch »nicht mehr zeitgemäß«

Dass die Post 80 Prozent aller Briefe am nächsten Tag zustellen muss, sei angesichts der elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten »nicht mehr zeitgemäß«, sagte Nikola Hagleitner, im Konzernvorstand für Briefe und Pakete verantwortlich, der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Zumal dafür umweltbelastende Nachtflüge notwendig seien.

»Wir sollten überlegen, ob wir den Kunden die Wahl der Laufzeiten überlassen«, sagte Hagleitner. »Sie könnten dann entscheiden, ob ihnen eine besonders schnelle Zustellung einen Aufpreis wert ist oder ob die Briefe auch etwas länger unterwegs sein dürfen. Das würde uns erlauben, viel flexibler zu arbeiten.«

In Deutschland hat sich die Post verpflichtet, die gesetzlich geforderte Grundversorgung sicherzustellen – und wenigstens 80 Prozent der Briefe am folgenden Tag zuzustellen.

Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller sprach angesichts der Probleme bei der Post von »qualitativen Defiziten« und hat sich für Sanktionsmöglichkeiten seiner Behörde ausgesprochen. Die Situation insbesondere bei der Briefzustellung sei »ein Ärgernis für den normalen Bürger« und auch »nicht hinnehmbar für den Verkehr von Dokumenten«, wo es rechtlich relevant sei, dass sie in einem bestimmten Zeitraum ankämen.

Gewerkschafter werfen Konzern Fehlplanung vor

Gewerkschafter kritisieren, die derzeitigen Probleme im Bereich der Zustellung seien vor allem hausgemacht. Die Personaldecke der Post sei viel zu dünn, bundesweit würden Tausende Zusteller fehlen.

Neben den Problemen bei der Zustellung sehen sich die Post-Manager auch mit Forderungen der Beschäftigten konfrontiert: Die Gewerkschaft Ver.di will in den anstehenden Tarifverhandlungen erreichen, dass die rund 160.000 Beschäftigten künftig 15 Prozent mehr Lohn bekommen.

mmq/dpa
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