Handel Alle lieben Fair Trade - aber kaum jemand kauft die Produkte

Eine überwältigende Mehrheit der Bürger findet fairen Handel wichtig - doch die Zahlen sind ernüchternd. Der Umsatz der Produkte steigt zwar, aber ihr Anteil bleibt verschwindend gering.
Foto: Wolfram Kastl/DPA

Wenn man Umfragen glaubt, dann müssten Verbraucher in Deutschland zu den großen Anhängern von Fair Trade gehören. Laut einer Befragung des Umweltbundesamtes geben 91 Prozent der Bundesbürger an, dass sie fairen Handel zwischen reichen Staaten und Entwicklungsländern für "sehr wichtig" oder "eher wichtig" halten.

Nur in den Umsatzstatistiken spiegelt sich das nicht recht wider. Zwar ist der Umsatz mit fair gehandelten Produkten 2018 erneut deutlich gestiegen. Das Plus lag bei rund 15 Prozent zum Vorjahr, damit sind die Ausgaben für Fair Trade deutlich stärker gestiegen als die Ausgaben der Verbraucher insgesamt.

Ihr Anteil aber verharrt unter dem Strich weiter auf niedrigem Niveau. Gerade einmal rund 1,7 Milliarden Euro gaben die Verbraucher in Deutschland im vergangenen Jahr für Waren aus fairem Handel aus, wie das Forum Fairer Handel mitteilte.

Zum Vergleich: Die Ausgaben für Lebensmittel lagen in Deutschland insgesamt zuletzt bei knapp 350 Milliarden Euro. Und allein Zahnpasta und Zahnpflegeprodukte ließen sich die Deutschen 1,9 Milliarden Euro kosten.

Entsprechend zurückhaltend fällt auch die Einschätzung des Forums Fairer Handel aus. Das Wachstum dürfe "nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin geschätzte 99 Prozent des Handels nicht fair sind", sagte Geschäftsführer Manuel Blendin.

Rund 1,36 Milliarden Euro und damit ein Großteil des Umsatzes entfielen auf Produkte, die mit dem Fair-Trade-Siegel gekennzeichnet waren. Den zweitgrößten Anteil hatten mit rund 209 Millionen Euro anerkannte Fair-Handels-Unternehmen, die international definierten Grundsätzen des fairen Handels folgen. Der übrige Umsatz entfiel auf die sogenannten Weltläden, die Fachgeschäfte des Fairen Handels.

Neben prekären Anbaubedingungen für Kleinbauern im Süden rücken inzwischen auch benachteiligte Kleinproduzenten im Norden in den Fokus des Forums. "Mit dem Höfesterben zerfallen zunehmend auch ländliche Regionen und Kulturlandschaften", heißt es in der Untersuchung. Auch der Biobereich biete nicht mehr ausreichende Absicherung. "Die steigende Nachfrage führt zu einem ähnlichen Preisdruck durch den Handel wie auf dem konventionellen Markt."

beb/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.