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Corona »Die Euphorie hielt nicht lang«

Friseurunternehmer Marc Breckwoldt über den Frühling der Hoffnung und Einbußen in der Krise
Ein Interview von Hannah Krolle
aus DER SPIEGEL 32/2021
Kundin, Friseurin in Haarsalon

Kundin, Friseurin in Haarsalon

Foto: Sven Simon / ullstein bild

SPIEGEL: Herr Breckwoldt, die Wirtschaft erholt sich gerade von der Coronakrise. Wie hat sich das Geschäft in Ihren Salons entwickelt?

Breckwoldt: Es war eine lange Durststrecke für die gesamte Branche. Der zweite Lockdown im Januar und Februar war eine Katastrophe. Als wir im März endlich wieder öffnen durften, kam der Run auf die Friseure. Die Euphorie war groß, aber sie hielt nicht lang. Im April kam die dritte Welle, im Mai die Bundesnotbremse. Unsere 60 Geschäfte in Deutschland blieben zwar offen, aber der Umsatz ist massiv eingebrochen.

SPIEGEL: Um wie viel?

Breckwoldt: Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2019 um etwa 20 Prozent. Damit fallen wir knapp aus dem Hilfsprogramm der Bundesregierung.

SPIEGEL: Warum scheuen so viele Menschen weiterhin den Termin beim Friseur?

Breckwoldt: Auch wenn Deutschland massive Fortschritte macht, gibt es noch immer zahlreiche Nichtgeimpfte. Viele dieser Menschen haben Angst vor einer Infektion und wollen warten, bis sie geimpft sind. Hinzu kommt der finanzielle Aspekt: Wer wirtschaftlich direkt betroffen ist, mag sich die Ausgaben für den Friseurbesuch sparen. Vielleicht hat sich der eine oder andere auch beigebracht, die Haare selbst zu schneiden. Denn der Wellnessfaktor, in unserer Branche ein wesentliches Verkaufsargument, geht durch die Maskenpflicht verloren. Aber ich möchte nicht nur klagen: Hauptsache, unsere Salons sind geöffnet. Das verhindert kriminelles Verhalten.

SPIEGEL: Was meinen Sie damit?

Breckwoldt: Wenn Friseure geschlossen sind, verlagert sich das Geschäft in den Untergrund. Menschen haben sich vom befreundeten Friseur die Haare schneiden lassen, der das Geld möglicherweise nicht versteuert. Staatlich verordnete Ladenschließungen sind auch deshalb kontraproduktiv.

SPIEGEL: Was bedeutet es für Ihr Geschäft, sollten Tests für Nichtgeimpfte im Herbst kostenpflichtig werden?

Breckwoldt: Solange Selbsttests, die wir unseren Gästen anbieten oder die sie für wenig Geld beim Discounter kaufen können, zulässig sind, bin ich weniger besorgt. Wenn allerdings nur kostenpflichtige Tests aus offiziellen Testzentren anerkannt werden, hätte das verheerende Auswirkungen. Kommen zu unserem Preis noch 15 bis 20 Euro und der Gang in ein Testzentrum dazu, würde die Nachfrage einbrechen.

hkr
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