Günstige Modelle Hohe Kontokosten - ohne mich!

Kosten für die Kontoführung, Daueraufträge, Dispozinsen und Kreditkarte addieren sich rasch zu mehreren Hundert Euro im Jahr. Wie Sie das verhindern können, erfahren Sie hier.

Dispositionskredit: Oft sehr teuer und unnötig
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Dispositionskredit: Oft sehr teuer und unnötig


Die Skatbank aus Altenburg in Thüringen ist immer für eine Überraschung gut. Seit Jahren verlangt die kleine Online-Genossenschaftsbank einen der niedrigsten Dispozinssätze in der Republik, derzeit 4,8 Prozent.

Aufmerksamkeit verschaffte sie sich auch, als sie als erste deutsche Bank im November Negativzinsen auf hohe Tagesgeld-Einlagen einführte. Für Einlagen von mehr als zwei Millionen Euro verlangt die Bank einen Negativzins. Und jetzt prescht sie voran mit einem Girokontomodell, bei dem der Dispozins komplett entfällt.

Sie haben richtig gelesen: "entfällt". Null Zinsen auf den Dispo. Das zu fordern, haben sich nicht mal Verbraucherschützer getraut. Sie argumentieren immer nur mit dem Ausland: Der Dispozins bei Banken und Sparkassen in Deutschland sei zu hoch, zum Teil doppelt so hoch wie in Österreich und jedenfalls deutlich höher als in den Niederlanden. Deswegen wünschen sie sich, dass der Gesetzgeber einen von der Zinssituation abhängigen Höchstsatz für den Dispo festlegt.

Wie immer, wenn ein Angebot unglaublich klingt, schaut man besser genauer hin. Die Genossenschaftsbanker aus Thüringen wollen natürlich nichts verschenken. Ihr Girokonto ohne Dispo deckelt den möglichen Dispositionskredit auf 2500 Euro (ehrlich gesagt, mit mehr Geld sollten sie vernünftigerweise sowieso nicht im Dispo sein und auch nur für ein paar Tage). Außerdem verlangt die Bank für das Konto 7,50 Euro Gebühren im Monat. Macht 90 Euro im Jahr. Und damit ist das Konto für Kunden, die den Dispo nicht nutzen, schon wieder teuer. Nur Kunden, die ihr Konto durchgehend mit fast 1900 Euro überziehen, hätten die Kontogebühren zum aktuellen Zinssatz wieder drin.

Das alles kann man gut nachvollziehen und ausrechnen. Im Gegensatz zu vielen anderen Volks- und Raiffeisenbanken stellt sich die Thüringer Bank mit ihrem Angebot nämlich der Konkurrenz im Netz. Ihre Konditionen und Gebühren kann man komplett auf der Homepage nachlesen.

Das Angebot der Skatbank ist ein sehr vernünftiger Anlass, sich mit den Kosten des eigenen Girokontos zu beschäftigen. Die bestehen aus zwei Blöcken. Zum einen vielfältige Gebühren für die Kontoführung an sich, Abbuchungen und Daueraufträge, Kosten für die Girocard (auch EC-Karte genannt) und die Kreditkarte. Und zum anderen die Kosten für die tatsächliche Nutzung des Dispos.

Auf preiswertere Ratenkredite ausweichen

Beides zusammen addiert sich für manchen Nutzer auf 200 Euro und mehr im Jahr. 200 Euro, die man wirklich nicht dafür ausgeben muss.

Als kostensparende Kontostrategie empfehle ich, die Nutzung des Dispokredits komplett zu vermeiden und bei längerem Minus auf preiswertere Rahmen- oder Ratenkredite auszuweichen.

Preiswerte Rahmenkredite kosten jedenfalls deutlich unter sieben Prozent Zinsen und können sehr flexibel genutzt werden. Ratenkredite gibt es schon unter vier Prozent, sie müssen dafür konsequent Monat für Monat zurückgezahlt werden.

Auf der Gebührenseite gibt es zahlreiche Angebote von Online-Konten, die praktisch ohne Gebühren auskommen.

Wenn Sie noch kein kostenloses Konto haben, ist die Frage, wie bequem Sie sind. Am einfachsten ist sicher der Weg zur eigenen Bank. Viele Banken bieten inzwischen ein günstigeres Kontomodell an.

Aber auch der Wechsel der Bank ist heute so schlimm nicht mehr. Die Bank, zu der Sie wechseln, hilft Ihnen. Und im Zeitalter elektronischer Kontoauszüge haben Sie schnell einen Überblick über ihre Ein- und Ausgänge. Die meisten Firmen akzeptieren eine kurze E-Mail und schon geht die Lastschrift vom neuen Konto ab.

In unserem Finanztip-Test haben wir zahlreiche Banken identifiziert, die komplett kostenfrei sind und sogar wie bei unserer Empfehlung Consors auch Zahlungen mit der Kreditkarte im Ausland komplett gebührenfrei ermöglichen.

Einer der großen Vorbehalte gegen Onlinebanken ohne Filialnetz ist ja die Sorge, nirgendwo Geld abheben zu können. Bei vielen dieser Konten ist das aber inzwischen dadurch behoben, dass man mit der Kreditkarte an den meisten Geldautomaten kostenlos abheben kann. Zum Beispiel bei der DAB-Bank, bei Consors oder bei der DKB.

Kostenloses Abheben mit der Kreditkarte ist bei diesen Konten sogar der Königsweg. Noch besser als mein eigenes preiswertes Kontomodell bei einer Volksbank. Als ich in der vergangenen Woche beim Italiener ganz schnell Bargeld brauchte und ausnahmsweise einen der nahe gelegenen Automaten der Berliner Sparkasse nutzte, musste ich nämlich ordentlich draufzahlen. Weil ich Volksbank- und nicht Sparkassen-Kunde bin, wollte das Geldhaus 4,95 Euro für eine Abhebung von 200 Euro. Passiert nicht wieder!

Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

insgesamt 51 Beiträge
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Susi Sorglos 28.03.2015
1. Etwas fehlt hier
In meinen Augen sollte man bei den Instituten auch mal den Finger auf die Wunde legen, mit denen sie Ihre Menschenverachtung ausleben: Fast alle Institute, die "kostenlose" Kontoführung anbieten, verweigern eben diese den Ärmsten und Hartz-IV-Opfern.
nowt 28.03.2015
2. Gebühren allein sind nicht alles
Sicherlich sollte eine Bank seriöse kundenfreundliche Tarife bieten. Wichtiger jedoch in konfliktvollen Zeiten des globalen Wandels sind IMHO jedoch andere Parameter: Finanziert die Bank (direkt oder indirekt) waffengeschäfte, (moderne) Sklaverei, Raubbau an der Natur oder sogar Patente an der Natur? Lege ich mein Geld (wenns auch wenig ist) in eine nachhaltige Zukunft an oder unterstütze ich weiterhin die vollkommen verkrusteten Strukturen des sich immer wahnsinniger und kopfloser drehenden Wirtschaftskarussel? Ich weiß wovon ich Rede, da ich nun für längere Zeit im Ausland bin - und die kostenlose und günstige Kreditkarte der DKB schon ziemlich verlockend ist - bin entgegen der "vordergründigen" lockaspekte dieses Kontos bei meiner teureren aber dafür nachhaltigeren und möglichst ethisch handelnden Genossenschaftsbank in Bochum geblieben. OK, es gibt vielleicht schlimmeres als die DKB - aber es ist nicht immer nur der Geldwerte "Vorteil" ausschlaggebend. Die Bank die man sich auswählt sollte auch sauber sein.
skippy01 28.03.2015
3. Alles ist kostenlos
Ganz genau so funktioniert unser Wirtschaftssystem. Doch nicht? Na dann tragen wenigstens aber nicht die Kunden die Kosten, sondern allein die Banken. Doch nicht?
muctr 28.03.2015
4. Und die DiBa?
Komisch, im ganzen Artikel hier wie auch im "Test" auf finanztip.de wird die DiBa - sicher eine der größten Direktbanken in D - nicht einmal erwähnt, obwohl es auch da ein komplett kostenloses Girokonto mit EC- und Visa-Karte und kostenlosen Abhebungen im ganzen Euro-Land gibt. Wäre interessant zu wissen, warum dieses Angebot es nicht in die Auswahl geschafft hat. Allerdings sagt der "Test" auf finanztip.de ohnehin nichts über die Bewertungskriterien und die Auswahl der Testkandidaten aus. Zusammen mit den (sicherlich provisionsträchtigen) Direkt-Links zum Vertragsabschluss bei den drei "Empfehlungen" wirkt das doch alles sehr wie eine bezahlte Werbeveranstaltung für Consors, DKB und DAB und nicht wie ein objektiv-neutraler Bankentest...
Crom 28.03.2015
5.
Ich bin DKB-Kunde und wüsste nicht, wo die Bank unsaubere Geschäfte macht. Es handelt sich sogar um eine staatliche Bank.
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