Energiewende Umlage für Ökostrom sinkt auf 3,7 Cent

Deutschlands Verbraucher können auf Entlastung hoffen: Die Umlage, mit der sie über ihre Stromrechnung den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren, fällt nach SPIEGEL-Informationen um 2,8 Cent pro Kilowattstunde.
Windräder in Niedersachsen

Windräder in Niedersachsen

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Ingo Wagner / DPA

Bundesbürgerinnen und -bürgern steht mitten in der Energiekrise eine kleine Entlastung ins Haus. Die sogenannte Erneuerbaren-Energien-Umlage wird im kommenden Jahr auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde sinken. Das wurde dem SPIEGEL aus dem Umfeld der Übertragungsnetzbetreiber bestätigt. Für einen durchschnittlichen Dreipersonenhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 3500 Kilowattstunden Elektrizität entspricht das einer Entlastung von 98 Euro pro Jahr.

Zuvor hatten die Nachrichtenagentur Reuters und die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« die Zahl gemeldet. Die Übertragungsnetzbetreiber wollen die Zahl am Freitag bekannt geben.

Die Erneuerbare-Energien-Umlage, kurz EEG-Umlage, dient seit dem Jahr 2000 dazu, den Ausbau der Ökostromanlagen in Deutschland zu unterstützen. Betreiber von Solar-, Wind- oder Biogasanlagen erhielten bis 2017 pro verkaufter Kilowattstunde Ökostrom einen festen staatlichen Fördersatz. Seitdem wird die Höhe der Vergütung über Auktionen ermittelt. Die Umlage wird Verbraucherinnen und Verbrauchern auf ihre Stromrechnung draufgeschlagen. Momentan liegt sie bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde.

Möglich wird die Absenkung unter anderem durch eine neu eingeführte nationale Abgabe auf den CO2-Ausstoß im Verkehrs- und Gebäudesektor. Ein Teil der dadurch generierten Einnahmen soll künftig auf das EEG-Konto überwiesen werden. Ursprünglich wollte die Bundesregierung schon im laufenden Jahr so verfahren, hatte diese Maßnahme aber aufgrund der Coronapandemie noch einmal verschoben. Laut einem internen Koalitionspapier werden allein im kommenden Jahr rund 6,9 Milliarden Euro an Einnahmen aus der CO2-Abgabe erwartet.

Dazu haben die hohen Gas-, Kohle- und CO2-Preise zu einem stark gestiegenen Börsenstrompreis geführt. Damit wird weitaus weniger Geld vom EEG-Konto gebraucht, um die Differenzkosten zwischen dem garantierten Abnahmepreis für ältere Ökostromanlagen und dem tatsächlichen Börsenstrompreis auszugleichen. Gleichzeitig fallen sehr alte EEG-Anlagen, die noch vergleichsweise hohe Vergütungen erhalten, allmählich aus der Förderung.

Die Entlastung ist für Verbraucherinnen und Verbraucher zwar erfreulich – doch sie dürfte das aktuelle Preishoch im Energiesektor nur zu einem kleinen Teil abfedern. So ist Strom an der Börse in Deutschland seit Jahresbeginn rund 140 Prozent teurer geworden. Erste Versorger haben die hohen Großhandelspreise bereits an ihre Kundinnen und Kunden weitergereicht. Laut dem Vergleichsportal Verivox sind die Stromkosten für deutsche Endverbraucher im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 9,3 Prozent gestiegen.

Hauptgrund für die hohen Strompreise ist eine Schieflage zwischen Angebot und Nachfrage am internationalen Energiemarkt. Durch die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie ist die Produktion weltweit wieder angesprungen – und mit ihr die Nachfrage nach Energie gestiegen. Das Angebot konnte damit teils nicht Schritt halten. In der Folge sind zunächst die Großhandelspreise für Gas und Kohle in die Höhe geklettert. Da diese in Deutschland noch als Brennstoff für viele konventionelle Kraftwerke dienen, sind inzwischen auch die Strompreise angezogen.

Zusätzlich treiben die höheren Kosten für EU-Emissionsrechte die Preise. Solche Papiere müssen Energieversorger und Fabriken kaufen, wenn sie Kohlendioxid in die Atmosphäre emittieren. Das belastet die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken zusätzlich.

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