Haus und Wohnung Was der Schutz vor Einbrechern bringt

Jahr für Jahr steigt die Zahl der Einbrüche in Deutschland. Viele Bewohner rüsten jetzt auf und investieren in Sicherheitstechnik. Die Branche freut sich - doch was nützen die Schutzmaßnahmen?
Von Ann-Kathrin Terfurth
Schon ein Schraubenzieher reicht

Schon ein Schraubenzieher reicht

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Akten liegen verstreut im Wohnzimmer, die geliebte Stereoanlage steht nicht mehr an ihrem Platz. Der Kleiderschrank wurde durchwühlt. Die Schmuckkiste: leer. Es wurde eingebrochen.

So eine Situation erleben immer mehr Menschen in Deutschland, denn die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt Jahr für Jahr. Die noch nicht veröffentlichte Kriminalstatistik für das Jahr 2015 weist einen Anstieg von 9,9 Prozent zum Vorjahr aus - auf nun gut 167.000 Fälle.

Nicht nur der "Umsatz" der Einbrecherbanden steigt, sondern auch der der Sicherheitsbranche. Man erlebe eine erhöhte Nachfrage im Privatsektor, heißt es beim BHE Bundesverband Sicherheitstechnik. So seien 2015 laut Schätzung erstmals mehr als 700 Millionen Euro mit Einbruchmeldetechniken umgesetzt worden. Mehr als die Hälfte der Verbandsmitglieder habe sogar Bedarf an neuen Mitarbeitern. "Ein Grund für die guten Umsätze in unserer Branche ist sicherlich die steigende Zahl der Wohnungseinbrüche", sagt Anke Sepp vom BHE.

Einbrüche in Einfamilienhäuser erfolgten meist über Fenstertüren und Fenster, sagt Harald Schmidt von der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. In Mehrfamilienhäusern diene die Wohnungseingangstür oft als Einstieg. Hinzu kommt unvorsichtiges Verhalten der Bewohner: "Gekippte Fenster, nicht abgeschlossene Wohnungstüren, Einstiegshilfen wie Mülltonnen oder Leitern machen es den Dieben leicht, einzudringen."

Der durchschnittliche Schaden liegt bei 3250 Euro

Wie einfach es Einbrecher oft haben, ergab eine repräsentative Umfrage der AachenMünchener Versicherung. Jeder Zweite lässt demnach gelegentlich Türen und Fenster offen stehen, wenn er das Haus verlässt. Fünf Prozent passiert das sogar häufig. Zwölf Prozent ziehen die Tür in der Regel nur zu, ohne sie abzuschließen.

Haben Einbrecher zugeschlagen, liegt der durchschnittliche Schaden bei 3250 Euro. Das ergab der Einbruch-Report 2015 des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft. Wenn die Bewohner eine Hausratversicherung abgeschlossen haben, kommt der Versicherungsdienstleister für den Ersatz des Diebesgutes und mögliche Reparaturkosten auf. Laut Studie zahlten die Versicherer insgesamt 490 Millionen Euro. Um die Schäden schnell erstattet zu bekommen, ist es sinnvoll, Kaufbelege wertvoller Gegenstände aufzubewahren sowie Beweisfotos von Erbstücken zu machen.

Doch es sind nicht nur die materiellen Folgen eines Einbruchs, die schmerzen können. Fast die Hälfte der Opfer leidet noch ein Jahr später an den psychischen Folgen des Einbruchs: Angst, ein Gefühl der Machtlosigkeit und Schlafstörungen. Zu diesem Ergebnis kam das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen, das 1.300 Betroffene befragt hat. Fast jeder Vierte ist nach der Tat umgezogen oder wäre es zumindest gerne.

Die Studie ergab auch, dass zwei Drittel der Betroffenen nach dem Einbruch Sicherheitstechniken installierten, denn diese machen es den Dieben deutlich schwerer. So scheitert laut Kriminalstatistik mehr als ein Drittel aller Einbrecher daran, dass Häuser oder Wohnungen gut gesichert sind.

Zuschüsse von der KfW

Um sein Heim erfolgreich gegen Diebe zu schützen, helfen die polizeilichen Beratungsstellen. Beamte zeigen kostenlos Sicherheitslücken auf und geben Tipps, wie man diese schließt. Die Nachfrage nach Beratungen sei in den vergangenen Jahren bundesweit angestiegen, sagt Kriminaloberrat Schmidt.

Türen und Fenster können mit verschiedenen Produkten gesichert werden. Wird neu oder umgebaut, sollten direkt einbruchhemmende Fabrikate eingesetzt werden, aber auch Nachrüsten ist möglich. Die Polizei empfiehlt Modelle ab der Widerstandsklasse RC 2. Ein Herstellerverzeichnis  von geprüften und zertifizierten einbruchhemmenden Produkten hat die Polizei Bayern zusammengestellt. Auch Alarmanlagen und Bewegungsmelder erhöhen die Sicherheit des Eigenheims. Um vollkommenen Schutz zu gewährleisten, sollte auf Experten gesetzt werden. "Sicherungen können ihren Zweck nur dann erfüllen, wenn sie fachgerecht eingebaut werden", sagt Kriminaloberrat Schmidt.

Wer sein Heim sichern möchte, erhält von der bundeseigenen Förderbank KfW finanzielle Unterstützung. Plant man die Anschaffung von Sicherheitstechnik oder will zum Beispiel seine Fenster austauschen, kann ein Antrag auf einen Zuschuss gestellt werden. Die KfW gibt dann einen zehnprozentigen Zuschuss auf die Investitionskosten. So können Eigentümer und Mieter bis zu 1500 Euro extra erhalten.

"Bisher ist das Programm gut angelaufen", sagt eine Sprecherin der KfW. "Viele Bürger haben interessiert nachgefragt." Im November und Dezember vergangenen Jahres seien bereits knapp 4000 Anträge gestellt worden. Seit 1. April können zudem bis zu 50.000 Euro Kredit über die KfW in Anspruch genommen werden. Das Geld dafür stammt vom Bundesbauministerium.

Weitere Verhaltenstipps gegen Einbrecher:

  • Türen und Fenster abschließen. Gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Schlüssel nicht draußen verstecken.
  • Bei einem verlorenen Haustürschlüssel das Schloss auswechseln .
  • Lampen mit Bewegungsmeldern im Außenbereich installieren.
  • Keine Einstiegshilfen wie Leitern oder Gartenstühle liegen lassen.
  • Zur Urlaubszeit: Briefkasten von Nachbarn leeren lassen, Tageszeitungen abbestellen und das Licht im Haus über eine Zeitschaltuhr steuern. Keine Abwesenheitsnotizen auf dem Anrufbeantworter hinterlassen oder in Sozialen Medien veröffentlichen.