"Einkauf aktuell" Post drohen Klagen wegen eingeschweißtem Werbeblatt

Eine Bürgerinitiative will die Post wegen ihres Werbeblatts "Einkauf aktuell" verklagen. Sie kritisiert zudem die großen Mengen an Plastikmüll, die die stets eingeschweißte Wurfsendung verursacht.
"Einkauf aktuell"

"Einkauf aktuell"

Foto: Oliver Berg/ dpa

Für die Post ist es ein lukrativer Nebenverdienst, für manche Verbraucher unerwünschte Werbung, für wieder andere einfach nur eine Umweltsünde: Das eingeschweißte Werbeblatt "Einkauf aktuell", das wöchentlich bis zu 20 Millionen Haushalte erreicht, dürfte bald im Zentrum eines neuen juristischen Streits stehen.

Laut der Bürgerinitiative Letzte Werbung bekommen Haushalte die Broschüre selbst dann, wenn sie dem Erhalt zuvor schriftlich widersprochen hätten. Klagen dagegen werde man voraussichtlich Mitte August einreichen.

Die "Einkauf aktuell" würde obendrein große Mengen Plastikmüll und Altpapier verursachen, moniert die Initiative gegenüber der "Welt am Sonntag" . Pro Jahr kämen rund eine Milliarde Plastikverpackungen zusammen.

Der Post-Konzern teilte mit, er ermögliche Kunden bisher nicht die schriftliche Kündigung, weil es in einem Massengeschäft nicht machbar sei, "einzelne Empfänger über Namenslisten auszunehmen". Ein Aufkleber wie "Keine Werbung" auf dem Briefkasten reiche jedoch aus, damit "Einkauf aktuell" nicht mehr zugestellt werde.

Die Plastikfolie sei notwendig, damit die Hefte "vollständig und nicht verdreckt oder nass" ankämen, ergänzte die Post. Die Umweltfreundlichkeit der Werbewurfsendung sei konsequent verbessert worden. Das verwendete Papier sei über die Zeit immer leichter geworden und werde emissionsarm gedruckt. Auch die Folie sei immer dünner geworden.

Schon 2014 gab es Protest

Die "Einkauf aktuell" erhitzt nicht zum ersten mal die Gemüter. Vor knapp fünf Jahren etwa hatte ein 19-Jähriger der Post eine Petition mit knapp 140.000 Unterschriften gegen die Plastikverpackung übergeben. Rückendeckung erhielt er von der damaligen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Die Post kündigte an, die Verpackung zu überdenken - nannte einen kompletten Verzicht auf die Verpackung aber schon damals unwahrscheinlich.

Der nun aktiven Bürgerinitiative Letzte Werbung geht es laut "Welt am Sonntag" um ein Grundsatzurteil - das letztlich das Geschäftsmodell der Post bedrohen soll. Der Konzern gibt für diesen Geschäftsbereich zwar keine Finanzzahlen bekannt. Dem Zeitungsbericht zufolge soll sich der Erlös aber auf 300 Millionen Euro im Jahr belaufen.

Die "Einkauf aktuell" ist nicht die einzige folienverpackte Zeitschrift, deren Recycling Papierfabriken und die Entsorgungsbranche vor Probleme stellt. Ökologisch ähnlich fraglich sind Computerzeitschriften mit folienverpackten DVDs, Kindermagazine mit eingeschweißtem Spielzeug oder diskret verhüllte Erotikhefte. Es sind vor allem die nicht ausgepackten Rückläufer, die in der Papierfabrik Probleme bereiten.

ssu/dpa
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