Neue EU-Regel tritt in Kraft Diese Plastikartikel sind ab jetzt verboten

Ab diesem Samstag verschwinden diverse Kunststoffprodukte aus dem Handel. Was gibt es für Alternativen? Und was bleibt erlaubt?
Strohhalme, Besteck und Teller aus Einmalplastik sind ab sofort verboten

Strohhalme, Besteck und Teller aus Einmalplastik sind ab sofort verboten

Foto: Kerstin Dölitzsch / PicturePoint / imago images

Plastikstrohhalme, Plastikteller, Plastikbesteck – all das soll bald der Vergangenheit angehören. Bereits 2019 hat die EU ein Verbot von Einmalplastikprodukten beschlossen, an diesem Samstag tritt es in Deutschland und anderen EU-Staaten in Kraft. Die Regelung sieht vor, dass viele Einwegplastikprodukte aus dem Handel verschwinden, allerdings wird es auch viele Ausnahmen  geben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Produkte werden verboten, wo gibt es Ausnahmen?

Unter die Regelung fallen Produkte aus verschiedenen Materialien. Konkret verboten werden:

  • Besteck und Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballonstäbe aus Plastik;

  • Wegwerfteller, -becher oder -besteck aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen;

  • Einwegteller und -schalen aus Pappe, sobald sie zu einem geringen Teil aus Kunststoff bestehen oder mit Kunststoff überzogen sind;

  • To-go-Behälter sowie To-go-Getränkebecher aus Styropor.

Dem Naturschutzbund Nabu geht das Verbot nicht weit genug . Beim Plastikgeschirr beschränke es sich auf Teller und Besteck, kritisiert die Organisation. Plastikgetränkebecher, etwa Bierbecher im Fußballstadion, dürften weiterhin verkauft werden. Auch mit Plastik beschichtete Coffee-to-go-Becher aus Papier blieben weiterhin erlaubt, genauso wie bunte Eisbecher aus Plastik.

Warum werden die verbotenen Produkte nicht sofort aus Restaurants und Läden verschwinden?

Um Verschwendung zu vermeiden, dürfen Waren aus aktuellen Lagerbeständen weiterhin verkauft werden. Das erklärt, warum trotz des Verbots noch einige Zeit lang Plastikteller und Strohhalme in Restaurants und Geschäften zu finden sein werden.

Welche plastikfreien Alternativen gibt es und wie sind diese zu bewerten?

Zum Teil existieren Alternativen aus Papier oder Pappe, deren Produktion allerdings die Umwelt ebenfalls stark belastet, vor allem durch den Verbrauch von Wasser und Energie sowie den Einsatz von Chemikalien bei der Produktion. Die Umweltbilanz von Holzbesteck sei im Vergleich etwas besser, da die Aufbereitung weniger aufwendig sei, schreibt die Verbraucherzentrale . Entscheidend sei jedoch, wo das Holz herkomme. Bei Zweifeln kann reines Bambus eine Alternative sein. Bei Produkten aus einem Bambus-Kunststoff-Gemisch ist hingegen Vorsicht geboten, da bei ihnen Schadstoffe auf die Lebensmittel übergehen können, warnt die Verbraucherzentrale .

Teller, Becher oder Essensboxen werden zum Teil auch aus Bagasse hergestellt, einem faserhaltigen Material, das bei der Produktion von Rohrzucker übrig bleibt. Die dabei entstehenden Produkte erinnern eher an Plastik als an Pappe. Die Aufbereitung sei weniger aufwendig als bei Papier oder Holz, schreibt die Verbraucherzentrale. Außerdem ist Bagasse kompostierbar.

Produkte aus Bagasse und Bambus: Umweltfreundlichere Alternative zu Plastik.

Produkte aus Bagasse und Bambus: Umweltfreundlichere Alternative zu Plastik.

Foto: Ilnaz Bagautdinov / iStockphoto / Getty Images

Behälter aus Aluminium sind zwar weiterhin erlaubt, sollten aber aus Umweltgründen grundsätzlich vermieden werden.

Am besten ist, wo immer möglich, auf wiederverwendbare Alternativen etwa aus Glas oder Metall zurückzugreifen. Selbst bei Wattestäbchen existieren mittlerweile wiederverwendbare Produkte aus Silikon.

Weiterhin erlaubte Plastikprodukte sollen in Zukunft gekennzeichnet werden. Was hat es damit auf sich?

Alle Wegwerfprodukte mit Plastik, die weiterhin erlaubt sind, müssen in Zukunft gekennzeichnet werden. Unter die Regelung fallen neben To-go-Bechern aus und mit Plastik unter anderem Hygieneprodukte (etwa Feuchttücher oder Tampons) sowie Zigaretten mit kunststoffhaltigen Filtern. Die Markierung soll Verbraucherinnen und Verbraucher vor Umweltschäden durch Plastik warnen und über die richtige Entsorgung informieren.

Was soll mit dem Einwegplastik-Verbot erreicht werden?

Anlass des Verbots war der Verbraucherzentrale zufolge , dass an europäischen Stränden immer mehr Plastikteile zu finden sind. Laut Umweltbundesamt  zählen Trinkhalme, Einwegbecher und Wattestäbchen zu den zehn am häufigsten an europäischen Stränden gefundenen Einwegplastikprodukten.

»Immer mehr Menschen konsumieren Essen außer Haus oder lassen es sich liefern«, schreibt die Bundesregierung . Einen Kaffee aus einem To-go-Becher zu trinken oder Nudeln aus einer Styropor-Box zu essen, sei bequem, verursache aber immer mehr Müll, der häufig auch in der Natur oder in Parks lande. Durch Einweggeschirr und To-go-Verpackungen entstanden 2017 mehr als 340.000 Tonnen Müll.

Was für weitere Maßnahmen sind geplant, um Plastikmüll zu reduzieren?

Ab 2022 dürfen Händler ihren Kunden keine dünnen Plastiktragetaschen mehr aushändigen. Außerdem soll 2022 eine generelle Pfandpflicht für Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff eingeführt werden, die ab 2024 auch für Plastikflaschen mit Getränken aus Milch gelten soll.

Abgesehen davon müssen PET-Einweg-Getränkeflaschen ab 2024 zu mindestens 25 Prozent aus recyceltem Plastik bestehen.

Anmerkung der Redaktion: In dem Artikel wurde nachträglich ein Hinweis zu Produkten aus einem Bambus-Kunststoff-Gemisch ergänzt.

irb/dpa
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