Milder Winter 2020 gibt es erstmals keinen deutschen Eiswein

Winzer haben vergeblich auf den Frost gewartet: Erstmals wird es keinen Eiswein aus Deutschland geben. Das milde Wetter wird ihn in Zukunft wahrscheinlich zur Rarität machen.
Foto: Jan Woitas/ dpa

Eisweine gelten als Aushängeschild, doch für den Jahrgang 2019 sind Winzer in Deutschland leer ausgegangen. In keinem Weinanbaugebiet konnte in diesem Winter ein Eiswein in den Keller gebracht werden.

"Der Weinjahrgang 2019 wird hierzulande als der erste Jahrgang in die Geschichte eingehen, in dem die Eisweinlese bundesweit ausgefallen ist", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. In keinem der 13 deutschen Weinbaugebiete sei die für eine Eisweinlese erforderliche Mindesttemperatur von minus sieben Grad Celsius erreicht worden.

Die meisten Betriebe hatten es wohl schon so kommen sehen: Bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz meldeten nur 50 Betriebe für ihren Jahrgang 2019 Rebflächen von insgesamt 42 Hektar für eine mögliche Eisweinlese an. Für sie bedeutet der ausgebliebene Frost einen Totalverlust. Beim Jahrgang 2018 waren es noch rund 683 Winzer mit einer Fläche von 584 Hektar gewesen.

Vor einem Jahr konnten noch in acht Weinbaugebieten Trauben für Eiswein gelesen werden. Los ging es schon am 28. November 2018 bei minus sieben Grad im Anbaugebiet Saale-Unstrut. Am 21. Januar 2019 folgten Winzer in weiteren Anbaugebieten, darunter bei minus 9,5 Grad das Weingut Günther Steinmetz in Brauneberg an der Mosel.

Die Bedingungen für die Eisweinproduktion seien in den vergangenen Jahren schon häufiger nicht optimal gewesen, teilte das Deutsche Weininstitut (DWI) als zentrale Marketing-Einrichtung der Branche mit. Im Jahrgang 2017 konnten nach DWI-Informationen bundesweit nur sieben Erzeuger Eiswein ernten - drei in Württemberg, drei in Saale-Unstrut und einer in Baden. Auch Eiswein des Jahrgangs 2014 ist eine absolute Rarität. Zu den guten Eisweinjahren zählen die Jahrgänge 2012 und 2015.

Hoher natürlicher Restzucker, aber geringer Alkoholgehalt

Nach einer Eisweinlese werden die natürlich gefrorenen Trauben sofort gekeltert, was einen stark konzentrierten, süßen Most ergibt. Je kälter es bei der Beerenlese ist, desto höher die Konzentration von Zucker, Säure und Fruchtstoffen in den Traubenbeeren. Das in den Beeren enthaltene Wasser bleibt als Eis in der Kelter zurück, während der Most, dessen Gefrierpunkt tiefer liegt als der von Wasser, zur Vergärung ins Fass kommt. Die Hefe kann einen Most mit so hohem Zuckergehalt schwerer vergären. Daher haben deutsche Eisweine meist sehr hohe natürliche Restzuckergehalte von über hundert Gramm pro Liter, aber nur relativ geringe Alkoholgehalte von etwa sieben Volumenprozent.

Eisweinlese im Jahr 2017 in Baden-Württemberg

Eisweinlese im Jahr 2017 in Baden-Württemberg

Foto: Patrick Seeger/ dpa

Ein Problem für Eisweinwinzer liegt inzwischen auch darin, dass die Trauben bei höheren Sommertemperaturen früher reif werden. "Dadurch wird der Zeitraum, den die Trauben in einem gesunden Zustand bis zu einer möglichen Eisweinlese überstehen müssen, immer länger", teilte das Weininstitut mit. In Jahren mit geringen Erträgen wie 2019 gehen viele Erzeuger auch nicht das Risiko ein, Trauben durch eine eventuell ausbleibende Eisweinlese zu verlieren.

"Wenn sich die warmen Winter in den nächsten Jahren häufen, dürften Eisweine aus den deutschen Weinregionen bald eine noch kostbarere Rarität werden, als sie es sowieso schon sind", sagt Büscher.

Eisweine gelten als besonderes Aushängeschild eines Winzers und sind auch lukrative Exportweine, insbesondere nach Japan, China, in die skandinavischen Länder und in die USA.

cop/dpa
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