Neuwagenkauf So bekommen Sie doppelt Rabatt fürs E-Auto

Sie wollen ein Elektroauto kaufen? Nur zu. Aber stellen Sie sicher, dass der Autohändler Ihnen zusätzlich zu den üblichen Rabatten auch die neue Kaufprämie gibt. Wir zeigen, wie das geht.

Tesla, nicht ganz unauffällig
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Tesla, nicht ganz unauffällig

Eine Kolumne von


Mein Bekannter Frank fährt einen Tesla, seit Jahren. Er ist sehr zufrieden mit dem Auto. Frank brauchte keine Förderung für sein erstes Elektroauto. Er ist Überzeugungstäter und gleichzeitig Privatier und Stifter, er hat das Geld.

Vielen anderen Menschen fehlt entweder das Geld oder die Überzeugung. Jedenfalls sind in Deutschland in den vergangenen Jahren noch nicht einmal 30.000 Elektroautos an die Buchse angeschlossen worden.

Jetzt hat die Bundesregierung beschlossen, den Kauf von Elektroautos ordentlich zu fördern. Das Modell der Abwrackprämie stand für den Fördergedanken Pate: 2000 Euro vom Staat wird es pro Elektroauto wie zum Beispiel den auffälligen BMW i3 geben und 1500 Euro für den Kauf eines Plug-In-Hybrids, wie den Toyota Prius, spritsparende Lieblingsdroschke vieler Berliner Taxifahrer.

Eine Idee aus Schäubles Baukasten: Würden die Autos tatsächlich zusätzlich gekauft, wären die Kosten für den Steuerzahler nicht der Rede wert. Schließlich bringt jedes zusätzliche Auto im Schnitt wohl so viel Mehrwertsteuereinnahmen, wie es an Förderung kostet.

Zum Förderprogramm gehört ganz offiziell auch, dass mitmachende Autokonzerne noch einmal genauso viel Geld dazutun. 2000 Euro pro neu zugelassenes Elektroauto, 1500 Euro für den Hybrid. In Deutschland haben Daimler, BMW und Volkswagen die Teilnahme angekündigt, außerdem Nissan, Renault, PSA (also Citroen und Peugeot), Hyundai, Kia, Mitsubishi, Toyota und Volvo. Nissan und Renault wollen sogar 3000 Euro Prämie drauflegen.

Außerdem sollen Elektroautos zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit sein. Und man soll sie ohne Reue am Stecker des Chefs aufladen dürfen. Die Stromentnahmen sollen nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen.

Das sind eine Menge Vorteile.

Doch wie genau kommen Sie zu Ihrer Subvention?

Beim Staat ist das noch relativ leicht. Irgendwann im Juni soll dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) eine Liste der förderfähigen Automodelle vorliegen. Darüber gibt es aktuell noch Streit mit der EU-Kommission, die die deutsche Obergrenze von 60.000 Euro Kosten für das Basismodell eines Elektroautos für Diskriminierung hält.

Wenn die Liste vorliegt, soll, wer ein neues E-Auto seit dem 18. Mai zugelassen hat, beim Bafa online die Förderung beantragen können und das Geld bekommen. Jedenfalls solange die bereitgestellten 1,2 Milliarden Euro reichen. Fertig ist der Lack.

Bei den Konzernen ist die Situation schwieriger. Die Kunden kaufen ihre Autos schließlich normalerweise nicht beim Konzern, sondern beim Autohändler. Schlimmer noch, dieser Autohändler verhandelt schon seit Jahren mit seinen Kunden über Rabatte. Kein kluger, wirtschaftlich denkender Autokäufer bezahlt für einen neuen Wagen den Listenpreis.

Die meisten Privatleute wissen inzwischen, wie man billiger zum Neuwagen kommt. Die beste Methode: Sie nutzen die Bestpreise aus den Autoportalen und setzen mit den Ergebnissen Ihren Lieblingsautohändler unter Druck.

Wie genau soll nun die Auszahlung der Konzernförderung passieren? Befragte Autohändler oder Handelsplattformen geben sich erst einmal ratlos.

In einer idealen Welt sähe das Verfahren so aus: Der Kunde handelt zunächst ganz normal seinen Rabatt aus - im guten Fall 20 Prozent. Dann sagt er: Jetzt, lieber Autohändler, besorgst du mir noch die 2000 Euro Elektroauto-Förderung von deinem Konzern. Und der antwortet, na klar, ziehe ich direkt ab. Und hier hast du noch das Online-Formular für die Förderung durch die Bundesregierung.

Nebenbei bemerkt: Falls Sie einen Kredit brauchen, dann vergleichen Sie unbedingt auf einem Kreditportal.

Aber zurück zur Förderprämie: Für Fans von Elektroautos ist die Welt leider nicht so ideal.

Beim erwähnten BMW i3 ist die Situation noch relativ übersichtlich: Laut BMW-Vertragshändler ist der Verkauf des E-Flitzers ein reines Agenturgeschäft im Auftrag des Konzerns. Bisher gebe es beim Händler auf den Grundpreis von 34.900 Euro überhaupt keinen Rabatt. Prozente gab es demnach nur auf Ausstattungspakete. Bei BMW soll die Kaufprämie der Bundesregierung und die vom Hersteller von je 2000 Euro plus Mehrwertsteuer 1:1 weitergereicht werden.

Aber das ist eben nur so einfach, weil es keinen normalen Rabatt gibt.

Andere Autohersteller sind da flexibler: Bei Nissan und Renault gibt es heute schon ordentlich Nachlass auf den Listenpreis. Auf den Nissan Leaf gibt es laut Neuwagenportal "Meinauto" bis zu 21 Prozent Nachlass. Der Einstiegslistenpreis liegt bei 23.365 Euro. Auf den Renault Zoe bieten Händler bis zu 20 Prozent Rabatt auf den Listenpreis von 21.500 Euro.

Die Autoportale Meinauto.de und APL erwarten, dass diese Prozente möglicherweise mit der Kaufprämie verrechnet werden. Denn die Hersteller wolle ja auch noch etwas verdienen.

Und die Gelegenheit ist jetzt günstiger geworden. Denn seit der Ankündigung der Prämie ist die Nachfrage nach E- und Hybridautos gestiegen, wie Meinauto.de festgestellt hat.

Lassen Sie sich nicht veralbern

Für den potentiellen Kunden resultiert aus dieser verwirrenden Vielfalt an Fördervariationen immerhin eine klare Verhandlungsstrategie: Tun Sie einfach so, als wäre die Welt ideal und verhandeln Sie immer zuerst allein über den Preis - und reden Sie dann erst vom Herstellerrabatt.

Rechnen Sie aber immer damit, dass der Verkäufer das Gegenteil versuchen wird. Lassen Sie sich also nicht veralbern, die Herstellerförderung können Sie zusätzlich wahrnehmen, nachdem Sie schon den schönen Rabatt ausgehandelt haben.

Und zögern Sie nicht, gegenteilige Erfahrungen an das Bundesfinanzministerium und an Ihren örtlichen Bundestagsabgeordneten weiterzuleiten - mit der Bitte um eine geneigte Stellungnahme. Unsere Volksvertreter und unser Kassenwart sollten schließlich wissen, wie Autokonzerne ihre Zusage einer Förderung der E-Automobilität umsetzen. Ich würde mich auch über eine Nachricht freuen (redaktion@finanztip.de).

Verbraucherschützer Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes VZBV, hatte schon vor Verabschiedung des Gesetzes im April geargwöhnt, "dass Hersteller sonst übliche Rabatte streichen und als ihren Anteil an der Kaufprämie anmelden".

Ganz ehrlich, Frank hat den Tesla aus Überzeugung gekauft. Auch Sie sollten nach ihren Überzeugungen gehen. Und gleichzeitig etwas über die ehrbaren Kaufleute unter den Autokonzernen auf dem deutschen Markt lernen.


Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.
insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
FrankDr 11.06.2016
1. niemals nie ehrlich
An den ehrbaren Kaufmann glaube ich sowieso nicht mehr. Hab ein Haus gebaut und KEIN EINZIGER Handwerker (Rohbauer, Fliesenleger, Elektriker, Gipser, Glaser, Schreiner etc. pp) hat mir nicht angeboten zumindest Teile schwarz zu arbeiten. Und genauso wenig glaube ich, dass auch nur ein einziger Autohändler den Rabatt nicht mit der Prämie zu verrechnen versucht. Es wird wohl in keinem Fall auf 20% plus Prämie hinauslaufen.
Bobby Shaftoe 11.06.2016
2. Renault will offenbar keine Autos verkaufen
Bei Renault gestaltet sich die Frage nach dem Preis schon auf der Homepage ziemlich schwierig. Eine verbindliche Antwort, wieviel ein E-Renault inkl. Batteriemiete bei einer bestimmten Laufleistung kostet, habe ich nicht gefunden (zumindest nicht Ende letzten Jahres). Ebenso wenig wurde meine Formular-Anfrage nach einer Probefahrt beantwortet. Renault hatte (oder hat, das habe ich nicht geprüft) das Angebot, einen Zoe einen Tag lang zu testen. Aber was nutzt das, wenn man nie einen Rückruf bekommt...
Spiegelleserin57 11.06.2016
3. interessant!
wer hat schon so viel Geld sich einen NEUwagen zu kaufen? Man sollte schon die Kreditzinsen auf den Kauf rechnen und entscheiden was man wirklich für so ein Auto bezahlen will. Oft viel zu viel denn man darf die unterhaltskosten nicht vergessen und welche Werkstatt kennt sich mit diesen Autos aus uns WO kann man sie aufladen. Bis jetzt habe ich in der Großstadt nur wenige Mööglichkeiten gesehen , auf dem Land schon gar keine.
Belle 11.06.2016
4. Hallo, Herr Tenhagen....
Zitat: ..."verhandeln Sie immer zuerst allein über den Preis - und reden Sie dann erst vom Herstellerrabatt. Rechnen Sie aber immer damit, dass der Verkäufer das Gegenteil versuchen wird. Lassen Sie sich also nicht veralbern, die Herstellerförderung können Sie zusätzlich wahrnehmen, nachdem Sie schon den schönen Rabatt ausgehandelt haben" Hallo, Herr Tenhagen ? Was ist das für ein Tipp ? Bitte probieren Sie Ihre Tipps einfach mal in der Praxis bzw. in der realen Welt ausserhalb Ihres Büros aus ! Und dann erklären Sie einem Renault-Händler, wie mir, Ihre Logik ! Nach dem schönen Rabatt kommt die Herstellerförderung...Aus was bitte speist sich denn der Rabatt ? Im Übrigen ist Ihr Artikel, neben den inhaltlichen Fehlern, sehr tendenziös. Sollten Sie sich bei einem Markenhändler veralbert fühlen, dann sollten Sie als Kunde doch bitte diesen Händler komplett meiden. Ich kenne keinen einzigen Kollegen, unter den Markenhändlern, der seine Kunden "veralbern" möchte. Die nachhaltige Geschäftsbeziehung zum Kunden steht stets im Vordergrund. Wie sonst könnte ein Händler über Jahrzehnte am Markt bestehen ?
rudigrom 11.06.2016
5. Zweitwagensubvention für Wohlhabende
die saturierte Grünen-Klientel wird somit in ihrem Öko-Gutmenschen Denken bestätigt. Otto Normalverdiener wohnt mit seiner Familie auf dem Land denn Stadtwohnungen sind oft unerschwinglich. Ein E-Auto mit begrenzter Reichweite ist wenig familientauglich und daher nicht geeignet. Die einstigen Personen, welche sich solche Fahrzeuge leisten können und wollen sind letztlich die Gutverdiener welche stadtnah wohnen und ihr Ökoimage aufpolieren wollen - die Prämie als solche gar nicht bräuchten. Dafür gibt es 4000 € vom Staat - für Kinder gibt es in diesem Jahr 2€ Kindergeld mehr im Monat. Kinder oder Auto - was ist uns wichtiger? Die Ansage scheint klar...
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