Bargeldlose Zahlungen im Ausland Für Maestro fällt der letzte Vorhang

Mit Bankkarten mit dem Maestro-Logo können Kunden im Ausland einfach bezahlen und Geld abheben, doch der Anbieter Mastercard will den Service in Zukunft einstellen. Das bringt die Banken in Zugzwang.
Bankkarte mit Maestro-Logo (Archivbild)

Bankkarte mit Maestro-Logo (Archivbild)

Foto: Fabian Sommer / dpa

Das rot-blaue Maestro-Logo prangt auf vielen deutschen Bankkarten, doch nun fällt für Maestro der letzte Vorhang: Ab 1. Juli 2023 dürfen nach einer Entscheidung des US-Kartenriesen Mastercard keine Maestro-fähigen Girokarten mehr ausgegeben werden. Das stellt die deutschen Banken vor ein Problem – auch wenn die Branche beteuert, die Lage im Griff zu haben.

Das Maestro-Logo prangt seit Jahren auf einem großen Teil der rund hundert Millionen deutschen Girocards, die früher »EC-Karten« genannt wurden. Bankkunden können mit dem System des Anbieters Mastercard im Ausland bezahlen oder Geld am Automaten abheben. Doch Mastercard schafft das Angebot ab. Branchenkenner erwarten, dass auch Mastercard-Rivale Visa mit seinem Angebot VPay nachziehen könnte. Der Hintergrund: Beide Kreditkartenkonzerne bieten ihre eigenen Debitkarten-Systeme an, die sie den Banken schmackhaft machen wollen.

Kunden können den Zoff zwischen Banken und Kreditkartenfirmen zunächst gelassen sehen: Wer eine Girokarte mit dem Maestro-Symbol besitzt, kann sie bis zum Ende der Laufzeit nutzen – das kann bei manchen Kunden sogar bis zum 31. Dezember 2027 der Fall sein.

Die Finanzbranche braucht aber eine neue Lösung, damit ihre Kunden auch künftig im Ausland einfach Geld abheben oder bezahlen können – und das schon recht bald. Der Dachverband der Branche betont, man könne auch nach dem Wegfall des Maestro-Systems gewährleisten, dass Kunden die Girocard im Ausland weiter nutzen können.

Aber wie? Banken und Sparkassen stehen vor zwei Wegen, die sie jeweils viel Geld kosten dürften: Die Institute könnten dazu übergehen, die Debitkarten-Systeme von Mastercard oder Visa zu benutzen, was sich die Anbieter allerdings bezahlen lassen – oder sie greifen auf ein eigenes Zahlungssystem zurück. Die europäischen Banken planen eine eigene Lösung namens European Payments Initiative (EPI), die in direkte Konkurrenz zu den Kreditkartenfirmen treten würde. Doch um das EPI-System rechtzeitig in ganz Europa einzuführen, wären wohl milliardenschwere Investitionen notwendig.

Die Branche zeigt sich optimistisch, eine Lösung zu finden: So heißt es beim Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), dass man seit mehreren Monaten das sogenannte Co-Badging prüfe, bei dem mehrere Bezahlverfahren auf einer Bankkarte kombiniert werden. Und der Sparkassen- und Giroverband verweist darauf, dass man mit einer Kombinationslösung bereits eine neue Generation der Sparkassen-Card geschaffen habe, die Instituten der Finanzgruppe zur Verfügung stehe. Wenn der Streit zwischen Banken und Kreditkartenfirmen glimpflich ausgeht, dürfte sich für Kunden künftig also lediglich das Logo auf ihrer Bankkarte ändern.

mic/dpa
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