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Hermann-Josef Tenhagen

Wärmepumpen und ihre Alternativen So planen Sie Ihre neue Heizung

Hermann-Josef Tenhagen
Eine Kolumne von Hermann-Josef Tenhagen
Noch streitet die Politik über das neue Gebäudeenergiegesetz. Doch davon sollten Sie sich nicht stören lassen. Kümmern Sie sich einfach schon mal selbst darum, wie Sie in Zukunft heizen wollen.
Luft-Wasser-Wärmepumpe vor einem Einfamilienhaus

Luft-Wasser-Wärmepumpe vor einem Einfamilienhaus

Foto: Karl-Heinz Hick / JOKER / IMAGO

Die Ampelkoalition ist sich noch nicht einig, die Opposition genießt den Streit übers Heizungsgesetz sichtlich – und Sie? Behalten Sie einen kühlen Kopf und machen Sie ihre eigenen Pläne. Dafür müssen Sie nicht auf den Gesetzgeber warten.

Gute Informationen zur Finanzierung Ihrer neuen Heizung bekommen Sie online . Bundesweit stehen zudem 13.000 Energie-Effizienz-Beraterinnen bereit, um weiterzuhelfen: Bei ihnen gibt’s die kleine persönliche Beratung in Sachen Heizung. Am günstigsten ist eine solche Beratung bei den aktuell ziemlich überlaufenen Verbraucherzentralen. Oder Sie holen sich gleich ein Rundum-Paket für Ihr Haus vom Energieberater, am besten mit Schritt-für-Schritt-Sanierungsfahrplan. Das ist zwar deutlich teurer, wird aber vom Staat mit bis zu 80 Prozent gefördert.

In jedem Fall: Machen Sie einen Plan. Sie werden dadurch viel Geld sparen und merken: Hektik, Angst und Panik rund um den Heizungswechsel braucht es nicht.

Warum nicht auf den Gesetzgeber warten?

Im März 2022 hatte sich die Ampelkoalition geeinigt, dass Deutschland möglichst schnell aus dem fossilen Heizungsbetrieb aussteigen soll. Der Ausstieg ist zwingend notwendig, um die Vorgaben des Klimagesetzes zu erfüllen. Alle Beteiligten wollten damals den raschen Umstieg – auch um die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl zu verringern. Die eigene Energie aus Boden und Luft nannte der Finanzminister »Freiheitsenergie« .

Wichtigstes Mittel beim Umstieg ist ein neues Gebäudeenergiegesetz, das den neuen Einbau klassischer Öl- und Gasheizungen ab dem Jahr 2024 verbieten soll. Das klare Verbot auch deshalb, weil das reine Locken nicht ausreichte: Selbst mit Förderungen von 30 bis 45 Prozent ging der entsprechende Umbau in Deutschland in den vergangenen Jahren viel zu langsam voran. »Wir werden jetzt gesetzlich festschreiben, dass ab dem 1. Januar 2024 möglichst jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll«, heißt es im Maßnahmenpaket des Bundes zum Umgang mit den hohen Energiekosten, das die Koalition im Frühjahr 2022 beschlossen hat .

Ein Jahr später – der erste Energiewinter ohne russisches Gas liegt hinter der Republik – ist sich die Ampelkoalition in die Haare geraten, wie der Plan aus dem Vorjahr denn nun zu realisieren sei. Die Drohung aus Russland scheint nicht mehr so nah, die Lobbyisten für das Alte haben sich eingegraben. Nun zeigt sich: Die eine Partei will offenbar nicht in erster Linie das Klima, sondern vielmehr das Gasnetz retten. Das sei 270 Milliarden Euro wert, erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende Christian Dürr in der Fernsehsendung »Hart aber fair«. Vielleicht könne man es weit in der Zukunft für grünen Wasserstoff nutzen. Die andere Partei, die Grünen, haben sich (aus durchaus guten Gründen) mit einem Staatssekretär so deutlich auf die Wärmepumpe als Lösung versteift, dass diese jetzt als Drohung für den Eigenheimbesitzer daherkommt.

Egal zu welchem Ergebnis die Streithähne in den kommenden Wochen kommen, für Sie sollte die Botschaft klar sein: Sie brauchen Ihren eigenen Plan.

Doch wie sieht der aus? Eine neue Öl- oder Gasheizung ist schon finanziell nicht die Lösung, wenn Ihre jetzige Heizung endgültig den Geist aufgibt. Die letzte Füllung vom Heizöltank hat im Frühjahr 2022 tatsächlich 2,10 Euro pro Liter gekostet, über 6000 Euro für 3000 Liter. Der Gasanbieter des Nachbarn hat den Preis in der Grundversorgung im vergangenen Herbst auf 30 Cent pro kWh geschraubt – 6000 Euro für 20.000 kWh, so geht das nicht weiter. Zumal nicht, wenn die Gaspreisbremse 2024 endet und in Zukunft noch CO₂-Abgaben obendrauf kommen. Mit Ihrem Heizungsbauer haben Sie schon gesprochen – der hat Ihnen aber gesagt, für eine richtig gute Lösung mit Wärmepumpe und neuen Heizkörpern müssten sie 70.000 Euro ausgeben. Das hört sich unbezahlbar an.

So teuer muss es aber meistens nicht sein. Sie finden einen Weg.

Ihre Vorbereitung

Ihr erster Schritt: Stellen Sie fest, wie schlimm es um den Energieverbrauch Ihres Hauses tatsächlich steht. Nehmen Sie Ihre letzten Öl- und Gasrechnungen und schauen Sie, wie viele Kilowattstunden Sie pro Jahr verheizt haben. Berechnen Sie dann, wie viel Heizfläche Ihr Haus hat: Quadratmeterzahl aller Räume, die in Ihrem Haus beheizt werden inklusive beheiztem Keller oder Dachboden. Teilen Sie die verbrauchten Kilowattstunden durch die Quadratmeter. Die Zahl, die dabei rauskommt, ist Ihr spezifischer Verbrauch. Wenn er höher als 250 ist, ist Ihr Haus ein extremer Energiefresser. Ein gut saniertes Einfamilienhaus sollte einen Wert zwischen 75 und 125 erreichen .

Kleiner Start

Sie wissen jetzt, wie groß die Aufgabe ist, die vor Ihnen liegt. Wollen Sie nur wissen, welche Art Heizung Sie haben wollen, gibt es eine preiswerte Erstberatung der Verbraucherzentralen . Die Beratung zu Hause kostet maximal 30 Euro, es gibt auch eine rein telefonische Beratung. Alternativ können Sie Onlinewerkzeuge von CO2Online nutzen .

Großer Start

Die Aufgabe ist größer? Holen Sie sich als Nächstes eine Energieeffizienzberaterin ins Haus. Für die große Beratung, in der Ihnen für die kommenden Jahre ein Schritt-für-Schritt-Sanierungsfahrplan aufgestellt wird, bekommen Sie 80 Prozent Förderung vom Bund, jedenfalls für die ersten 1300 Euro. Aber nur, wenn Ihr Energieeffizienzberater bei der Dena registriert ist, der deutschen Energieagentur. Immerhin 13.000 der Energieberater in Deutschland sind das. Manchmal ist sogar Ihr Schornsteinfeger oder Ihre Schornsteinfegerin dabei.

Um Sie bei der Suche nach einer qualifizierten Beratung zu unterstützen, haben meine »Finanztip«-Kolleginnen und Kollegen eine einfache Checkliste zusammengestellt .

Der ideale Ablauf

Der Energieberater kommt wahrscheinlich erst in zwei Monaten bei Ihnen vorbei, die Frauen und Männer haben derzeit gut zu tun. Nutzen Sie die Wartezeit zur Vorbereitung. Sie brauchen die Daten zu Ihrem Heizbedarf, am besten der vergangenen drei Jahre; Sie brauchen die technischen Unterlagen für Ihre Heizung – hilfsweise nehmen Sie die Daten vom letzten hydraulischen Abgleich, den Ihre Heizungsfirma gemacht hat .

Die Expertin oder der Experte kommt zu Ihnen nach Hause, schaut sich Anlagentechnik und Gebäude an und schreibt Ihnen einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP). Mit dem können Sie im besten Fall aus Ihrem Haus ein mit erneuerbaren Energien beheiztes Effizienzhaus machen. Dafür gibt es schon heute jede Menge Förderung .

Sie können. Aber Sie müssen nicht. Denn wenn Sie den Plan haben, haben Sie immer noch die Wahl: Sie müssen keinen einzigen Punkt davon umsetzen. Doch wenn Sie einzelne oder alle empfohlenen Maßnahmen ausführen, gibt es dafür heute einen Bonus von fünf Prozent auf die jeweilige Förderung. Zeitrahmen: 15 Jahre.

Sie sehen, für Hektik ist kein Anlass. Das gilt auch ganz praktisch, denn nur 0,7 Prozent aller Heizungen gehen jedes Jahr endgültig kaputt, sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz kürzlich im Bundestag. Das sind rund 140.000 Heizungen in ganz Deutschland. Vielleicht sind es auch 200.000. Deutschlands Installateure haben schon in den vergangenen Jahren jedes Jahr 800.000 und mehr Heizungen eingebaut, allein im ersten Quartal 2023 fast 100.000 Wärmepumpen übrigens .

Effizienzhaus ist Ihnen zu ambitioniert?

Ihre 20 Jahre alte Heizung wird normalerweise noch etliche Jahre durchhalten. Eine gute Energieberaterin wird in dem Sanierungsfahrplan auch eine Liste der Sofortmaßnahmen aufnehmen. Die sind direkt machbar, nicht teuer aber dennoch richtig wirksam für Einsparungen.

Denn egal, wie die Zukunft ihrer Heizung aussieht: Wenn Sie weniger heizen müssen, ist die neue Anlage kleiner und preiswerter. Und Ihr künftiger Verbrauch an Strom, an Holzpellets, Biogas oder Fernwärme wird viel niedriger. Vielleicht hat Ihre Kommune sogar einen besonderen Plan, auf den es sich zu warten lohnt. Oder es gibt einen Anbieter, der Ihnen die Heizung insgesamt als Dienstleistung anbietet. Zum Festpreis bekommen Sie dann eine neue Heizung eingebaut, die dem Dienstleister gehört. Sie zahlen monatlich immer das Gleiche für den Verbrauch. Wenn Einsparungen gelingen, profitiert davon der Dienstleister. Contracting heißt das im Fachchinesisch.

Im Weiteren wird die Beraterin mit Ihnen Handlungsmöglichkeiten durchsprechen, die möglichen nächsten Schritte beschreiben und an all das auch ein ungefähres Preisschild drankleben. So überblicken Sie die Kosten und können in der richtigen Reihenfolge planen. Grundsätzlich gilt: Die Dämmung sollte möglichst vor neuen Fenstern kommen. Erst dann die Heizung, bei der reicht dann ein kleineres Modell .

Wenn Sie Einkommensteuer zahlen, gibt es schon heute eine ordentliche Förderung für ein solches Schritt-für-Schritt-Vorgehen. Sie können bei Bestandsimmobilien nach und nach die Maßnahmen umsetzen, für die gerade das Geld da ist. 20 Prozent der Gesamtkosten können Sie anschließend von ihrer Steuerschuld abziehen, insgesamt bis zu 40.000 Euro .

Plan umsetzen

Jetzt haben Sie Ihren Plan. Nun heißt es: Geld zur Seite legen und Angebote für die ersten Schritte einholen. Wenn die Angebote preislich weit entfernt sind von den Hausnummern, die Ihre Energieberaterin aufgerufen hat, halten Sie Rücksprache. Was sagt sie zu den Angeboten? Sollten Sie einfach abwarten, bis der Irrsinn bei den Handwerkern aufhört? Hat die Regierung sich mittlerweile auf neue Förderprogramme geeinigt, können Sie Förderungen abgreifen?

Bis Ihre Heizung in einigen Jahren kaputtgeht, können Sie locker die ersten Schritte in Ihrem Plan abarbeiten. Lassen Sie bis dahin den Hype abflauen, die Handwerker zu normalen Rechnungen zurückkehren. Die staatlichen Stellen werden die neue Förderung etablieren und die auszahlenden Ämter so in die Lage versetzen, Förderungen zeitnah auszuzahlen – nicht erst ein halbes Jahr später. 

Und wenn es, wahrscheinlich häufig, die Wärmepumpe werden soll, wird die bis dahin viel preiswerter und wahrscheinlich auch noch besser sein. Die deutschen Hersteller von Viessmann über Bosch bis zu Vaillant und Stiebel Eltron investieren gerade Milliarden, um demnächst Millionen neue Pumpen auf den Markt zu bringen. Und die internationale Konkurrenz schläft auch nicht .

Sie hingegen kann das ganze Hin und Her kaltlassen – denn Sie haben jetzt Ihren eigenen Plan.