Schreiben des Wirtschaftsministeriums Kompletter Verzicht auf Gas in Stromerzeugung offenbar nicht möglich

Christian Lindner drängt auf ein Ende der Stromproduktion aus Gas. Doch laut Robert Habecks Ministerium könnten Blackouts die Folge sein. Vor allem in einem Bundesland seien »systemrelevante Gaskraftwerke« nötig.
Wirtschaftsminister Habeck zu Besuch in den Stadtwerken Bayreuth: 14,5 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland gehen aktuell auf den Einsatz von Gas zurück

Wirtschaftsminister Habeck zu Besuch in den Stadtwerken Bayreuth: 14,5 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland gehen aktuell auf den Einsatz von Gas zurück

Foto: IMAGO/Boris Schumacher / IMAGO/HMB-Media

Ein kompletter Verzicht auf Gas ist nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums in der Stromerzeugung derzeit nicht möglich, um die Versorgung von Verbrauchern nicht zu gefährden. Gas sei vor allem in Spitzenzeiten nötig, um die Stromnachfrage zu jeder Zeit decken zu können, erklärte das Ministerium von Robert Habeck (Grüne) in einem Papier.

Es reagierte damit auf eine Forderung von FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner. Dieser hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck am Wochenende aufgefordert, mit Gas dürfe nicht länger Strom produziert werden. Habeck hätte die Möglichkeit, dies zu unterbinden.

Das Wirtschaftsministerium betonte, es seien bereits Maßnahmen ergriffen worden, um den Einsatz von Gas in der Stromerzeugung zu reduzieren. Weitere Maßnahmen würden folgen. Ein völliger Verzicht auf Gas könnte einem Sprecher zufolge im Stromsektor zur Stromkrise und Blackouts führen, wie dpa berichtet.

»Systemrelevante Gaskraftwerke können nicht einfach abgeschaltet werden.« Diese seien vor allem in Bayern nötig. »Zudem gibt es Gaskraftwerke, die neben Strom auch Wärme produzieren, um diese Wärme an geschützte Kunden, nämlich Verbraucherinnen und Verbraucher zu liefern, auch diese sind zum Teil systemrelevant.«

14,5 Prozent Strom in Deutschland werden aktuell mit Gas erzeugt

Russland, gegen das westliche Länder wegen des Angriffs auf die Ukraine Sanktionen verhängt haben, lieferte zuletzt deutlich weniger Gas nach Europa. Deutschland will deswegen stärker wieder auf umweltschädliche Steinkohle- und später im Jahr auch auf Braunkohlekraftwerke zurückgreifen.

14,5 Prozent der Stromerzeugung in Deutschland gehen aktuell auf den Einsatz von Gas zurück. 2021 waren es noch rund 16 Prozent. Der Großteil der Gasverstromung erfolge in KWK-Anlagen, die auch für die Wärmeerzeugung wichtig seien, so das Wirtschaftsministerium. In der Stromerzeugung werde Gas nur eingesetzt, wenn es wirklich benötigt werde. Dafür sorge das sogenannte Merit-Order-Prinzip, wonach zuerst günstigere Anlagen zum Einsatz kommen müssten. Im Vergleich zu erneuerbaren Energien, Atomkraftwerken und Kohlemeilern weise Gas die höchsten Kosten aus.

ani/dpa/Reuters
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