Steigende Energiekosten OECD warnt vor pauschalen Entlastungen wie Tankrabatt
Stoppschild vor einer Tankstelle in München: Es drohen »kontraproduktive Verzerrungen«
Foto: Sven Hoppe / dpaAngesichts der drastisch gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise fordert die Industrieländerorganisation OECD »befristete Geldleistungen für bedürftige Bevölkerungsgruppen«. Andere Maßnahmen seien entweder weniger gut auf die betroffenen Bevölkerungsgruppen abgestimmt oder könnten zu »kontraproduktiven Verzerrungen« auf den Märkten führen, teilte die OECD mit.
Damit widerspricht die Organisation indirekt auch dem Konzept eines sogenannten Tankrabatts, den Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) fordert. Lindner will durch staatliche Zuschüsse alle Autofahrer von den deutlich gestiegenen Kraftstoffpreisen entlasten. Ökonomen kritisieren jedoch, dass davon besonders Gutverdiener profitieren würden. Ifo-Chef Clemens Fuest spricht etwa von einer »Umverteilung von unten nach oben«.
Der Ukrainekrieg wird die Weltwirtschaft nach Einschätzung der OECD stark belasten. Das Weltwirtschaftswachstum werde in diesem Jahr »um mehr als einen Prozentpunkt niedriger ausfallen«. Auch die bereits zu Jahresbeginn hohe Inflation könne sich durch den Krieg um »mindestens zwei weitere Prozentpunkte« erhöhen.
Auch andere Institutionen korrigieren angesichts des Kriegs ihre Prognosen nach unten. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft traut der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr nur noch ein Wachstum von 2,1 Prozent zu. Bereits im Dezember hatte das Institut seine Erwartungen angesichts der anhaltenden Coronapandemie und der hartnäckigen Lieferengpässe von 5,1 auf 4 Prozent gestutzt. Wegen der seit Kriegsausbruch noch stärker steigenden Energiepreise erwarten die Ökonomen 2022 eine Inflationsrate von 5,8 Prozent. Das wäre der höchste Wert seit Anfang der Neunzigerjahre, als der Boom nach der deutschen Einheit die Teuerung angeheizt hatte.
Auch das Essener Institut RWI und das IWH in Halle senkten ihre Prognosen. Das RWI geht nun von 2,5 Prozent aus, nach bislang 3,9 Prozent. Das IWH hat die Erwartungen vergleichsweise moderat von 3,5 auf 3,1 Prozent gedrückt. Die Forscher in Halle setzen darauf, dass die Aufhebung vieler Pandemie-Restriktionen der Wirtschaft einen kräftigen Schub verleihen könnte.
Auch das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin wies in seinem jüngsten Monatsbericht auf »substanzielle Risiken für die deutsche Konjunktur« hin. Allerdings ließen sich die Auswirkungen »zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös beziffern. Sie hängen stark von der Dauer und der Intensität des Konflikts ab.«