Energiesparen Wie sich Immobilien günstig sanieren lassen

Eigentlich wollte die Regierung mehr als eine Milliarde Euro für die energetische Sanierung von Häusern spendieren. Doch das Vorhaben ist erst einmal gestoppt. Weil Ende des Jahres wichtige Fristen ablaufen, müssen viele Eigentümer nun eigenes Geld investieren. Aber wie ist es am besten angelegt?

Schornsteinfeger: Viele Hausbesitzer müssen ihre Dächer bis Ende 2011 sanieren
dapd

Schornsteinfeger: Viele Hausbesitzer müssen ihre Dächer bis Ende 2011 sanieren

Von Claudia Lindenberg


Hamburg - Wer schon länger eine Immobilie besitzt, konnte sie einst mithilfe des sogenannten Bauherrenparagrafen zum Steuersparen nutzen. Mit Einführung der Eigenheimzulage 1996 war es damit vorbei. Seit diese 2006 ebenfalls abgeschafft wurde, gibt es für Hausbauer fast nichts mehr vom Staat.

Dann kamen die Atomkatastrophe von Fukushima und die Energiewende. Und bis Anfang Juli sah es so aus, als würde die Regierung zumindest für eine energetische Vollsanierung wieder Geld spendieren. Doch der Bundesrat stellte sich quer, weil die Länder Steuerausfälle in Höhe von rund 900 Millionen Euro jährlich befürchten. Stattdessen sind nun Zuschüsse oder verbilligte Kredite über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie den Energie- und Klimafonds im Gespräch.

Wie auch immer die Koalition das zur Energiewende gehörende Konzept letztlich durchsetzt: Viele Hausbesitzer müssen bis zum Jahresende mit eigenem Geld sanieren. Das liegt an der Energieeinsparverordnung (EnEV), die Anfang 2009 in Kraft trat. Sie sieht unter bestimmten Voraussetzungen Energiesparmaßnahmen vor, die bis Silvester 2011 umgesetzt werden müssen.

Bislang investieren Deutschlands Immobilienbesitzer aber nur äußerst zögerlich. Seit 2005 wurden jährlich gerade einmal 0,8 Prozent der 18 Millionen Wohngebäude an der Gebäudehülle saniert, so das Ergebnis einer Studie.

Wer sanieren muss und wer nicht, hängt bei Ein- und Zweifamilienhäusern davon ab, ob es seit dem 1. Februar 2002 einen Eigentümerwechsel gab. Bei Mehrfamilienhäusern besteht grundsätzlich Nachrüstpflicht. Das viel beschworene "Oma ihr klein Häuschen" ist also nicht betroffen. Einzige Ausnahme: Wer größere Umbauten oder Renovierungen plant, muss die Vorgaben der EnEV umsetzen.

Unterschiedliche Kosten

Das Vorziehen dieser Maßnahmen könnte sinnvoll sein, denn Fachleute erwarten für den Herbst einen Entwurf für die EnEV 2012. "Deren Anforderungen für den Neubau werden wahrscheinlich strenger ausfallen als bisher", sagt Christiane Coressel, Expertin bei der Deutschen Energie Agentur.

Wer nach dem genannten Stichtag eingezogen ist, sollte möglichst schnell prüfen, welche Maßnahmen notwendig sind. Schludrigkeit kann teuer werden: Wer nichts unternimmt, muss schlimmstenfalls mit einem Ordnungsgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen.

Die EnEV sieht neben der Isolierung von Warmwasserrohren und dem Austausch von bis 1978 eingebauten Heizungen vor, dass das ausgebaute Dach oder die oberste Geschossdecke gedämmt werden müssen - sofern dies bislang nicht der Fall war. "Wer aufgrund der Frist mit dem Gedanken spielt, seinen mehr als 50 Quadratmeter großen und bisher unbewohnbaren Dachboden auszubauen, muss beachten, dass für alle Bauteile und nicht nur für die Dachdämmung der Neubaustandard eingehalten werden muss", sagt Coressel.

Die Kosten für die Maßnahmen fallen unterschiedlich aus. Ist die Dämmung der obersten Geschossdecke mit rund 80 Euro je Quadratmeter noch relativ günstig, kostet eine Dämmung des Dachgeschosses schnell Zehntausende Euro.

Kleinere Maßnahmen lassen sich in vielen Fällen mit bereits bestehenden Bausparverträgen oder sogar ohne Darlehen durchführen. "Berater sollten dann mit ihren Kunden prüfen, ob diese laut KfW als förderfähig gelten", sagt Dirk Günther, Geschäftsführer des Baufinanzierungsvermittlers Prohyp.

Denn die KfW vergibt nicht nur zinsgünstige Sanierungsdarlehen, sondern auch Zuschüsse. Diese liegen laut Günther bei Einzelmaßnahmen bei bis zu 2500 Euro, bei einer Komplettsanierung je nach Effizienzstandard bei bis zu 13.125 Euro. Je nach Umfang der Maßnahmen kämen ansonsten die zinsverbilligten Förderprogramme der KfW mit Darlehenssummen von bis zu 75.000 Euro infrage, so der Experte.

Für die Umwelt in Vorkasse gehen

Wer Energie sparen will oder muss, geht zunächst einmal mit hohen Kosten in Vorleistung. Dafür winken in den Folgejahren niedrigere Verbrauchskosten. Wie schnell sich die Energiesparmaßnahmen rechnen, ist schwer vorauszuberechnen, da die Entwicklung der Energiepreise und der künftige Verbrauch entscheidend sind. Beides lässt sich nur schätzen.

Für die Umwelt lohnt sich die Anstrengung allemal: So rechnet die Deutsche Energie Agentur vor, dass allein eine gute Isolierung des Dachs den Energieverbrauch im Schnitt um rund 75 Prozent senkt. "Bei einem Einfamilienhaus ohne Dachdämmung würde das bei einem Wärmeverlust von 12.000 Kilowattstunden bedeuten, dass dieser auf rund 3000 Kilowattstunden gesenkt werden kann. Das entspräche bei einem Preis von sieben Cent pro Kilowattstunde einer jährlichen Ersparnis von rund 630 Euro", rechnet Coressel vor.

Damit dürfte es schwierig sein, um die Nachrüstpflicht herumzukommen. Denn diese ist an ein Wirtschaftlichkeitsgebot geknüpft. "Die Maßnahmen sind nur dann verpflichtend, wenn sie wirtschaftlich sind und die Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen innerhalb angemessener Fristen wieder erwirtschaftet werden", so der Experte.

Ob Nachrüstpflicht oder nicht: Falsch machen kann man mit energetischen Sanierungsmaßnahmen bei fachgerechter Umsetzung nichts. "Laut unserer Umfrage Marktmonitor 2010 fragen 55 Prozent der Kaufinteressenten und 39 Prozent der Mietinteressenten bei der Objektbesichtigung nach der Energieeffizienz", sagt etwa Stephan Kippes von der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Die Umfrage habe auch ergeben, dass vor allem Wärmedämmung und Fensteraustausch verkaufsfördernd seien.



insgesamt 112 Beiträge
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Berta, 10.09.2011
1. Viele Hausbesitzer müssen bis zum Jahresende mit eigenem Geld sanieren
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme per Gesetz und Zwang. D
alaxa 10.09.2011
2. Der Fluch der Grünen
Der Fluch der Grünen: Wer sich ein Eigenheim gekauft oder gebaut hat, wird bei zunehmender Macht der Grünen immer mehr zur Ader gelassen. Die Grünen, die sich aufgrund eines angenehmen Salärs um keine Energiekostenerhöhung kümmern müssen, sind fein raus. Denen ist es egal, wie Otto N. sein altes Haus auf gesetzlich verordneten Vordermann bringt, Hauptsache die Welt wird gerettet! Selbst wenn alle Kamine, Verbrennungsmotoren und Kraftwerke in Deutschland stillgelegt würden, wäre es lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein in Anbetracht der weltweiten Verbrennung von fossilen Rohstoffen und Haltung von Methan-pupsenden Rindviechern. Obwohl sich die Grünen eher nicht als Deutsch-Nationale sehen, handeln sie doch nach dem uralten deutschen Motto "am deutschen Wesen wird die Welt genesen"!
weltbetrachter 10.09.2011
3. Staat hat kein Geld ??? - lachhaft !!!
Kein Geld für Gebäudesanierung weil der Staat kein Geld hat? Das ist ein großer Witz !!! . Statt in Zocker-Banken und Pleite-Staaten die Milliarden zu verbrennen, sollten lieber Zuschüsse für Gebäudesanierungen gewährt werden. . DAS ist gut für unsere Umwelt, für unsere Arbeitsplätze und unser Land. Das nennt man dreifaches profitieren !!!
Tom1869 10.09.2011
4. wenn....
... es um die Umwelt gehen würde, wäre das ja ok, aber die Umwelt interesiert doch niemanden! Hauptsache unser Staat kann uns Melken!! Wir müssen ... sonst .... wenn ich überlege was ich im Jahr Sinnlos an Energie verbraten muss! Und dafür selbst bezahlen muss!! Anweisungen von Hoch Gebildeten!! Aktiv (Passiv) Gewählt vom Deutschen Bürger!
u.loose 10.09.2011
5. Der Kerl lügt ganz einfach!
Für die Umwelt lohnt sich die Anstrengung allemal: So rechnet die Deutsche Energie Agentur vor, dass allein eine gute Isolierung des Dachs den Energieverbrauch im Schnitt um rund 75 Prozent senkt. "Bei einem Einfamilienhaus ohne Dachdämmung würde das bei einem Wärmeverlust von 12.000 Kilowattstunden bedeuten, dass dieser auf rund 3000 Kilowattstunden gesenkt werden kann. Das entspräche bei einem Preis von sieben Cent pro Kilowattstunde einer jährlichen Ersparnis von rund 630 Euro", rechnet Coressel vor. Das ist so weit ab von JEDER Realität, dass man nur noch laut lachen kann. Man kann über die Dämmung der oberste Geschossdecke selbst bei einem Reihenhaus höchstens 10% - auch das ist vermutlich erheblich zu hoch gegriffen - an Heizkosten einsparen. Wie sollte das auch anders funktionieren? Man muss nur die Flächen Außenwände, Fenster, Türen, Kellergeschoss zusammen zu rechnen und da ist es schon mathematisch UNMÖGLICH, dass mit einem kleinen Teilbereich derart viel eingespart werden könnte. Ulrich
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