Energiewende Regierung steckt zwei Milliarden in Gebäudesanierung

Die Regierung gibt mehr Geld für den Kampf gegen CO2-Schleudern. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen will sie die Förderung für die Sanierung von Gebäuden auf zwei Milliarden Euro aufstocken. Branchenkenner sind jedoch skeptisch, ob die Effizienzoffensive funktioniert.
Sanierung eines Dachs: "Eine große Hebelwirkung"

Sanierung eines Dachs: "Eine große Hebelwirkung"

Foto: DPA

Berlin - Die Regierung will die Energieeffizienz deutscher Gebäude rasch steigern - und investiert entsprechend viel Geld: "Wir planen, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm auf zwei Milliarden Euro pro Jahr aufzustocken", sagte Jan Mücke, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium (FDP), SPIEGEL ONLINE am Rande der Berliner Energietage.

Über das Programm bezuschusst die staatliche Förderbank KfW Hausbesitzer, die Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Verringerung des CO2-Ausstoßes von Gebäuden ergreifen. Für 2011 hatte die Regierung der KfW bislang eine Fördersumme von 936 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm wurde 2006 eingeführt. Seine Aufstockung ist der zentrale Punkt eines Maßnahmenkatalogs für mehr Energieeffizienz, der am 6. Juni vom Kabinett abgesegnet werden soll. Das Finanzministerium muss die Fördersumme noch freigeben. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) unterstützt eine höhere Förderung. Die Regierung hat im Herbst 2010 in ihrem Energiekonzept versprochen, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm "deutlich besser" ausstatten zu wollen.

Drei Viertel der deutschen Gebäude sind Energieverschwender. Sie wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut. Entsprechend verschwenderisch ist oftmals ihr Verbrauch. Derzeit machen öffentliche und private Gebäude in Deutschland mit Heizung, Warmwasser und Beleuchtung einen Anteil von 40 Prozent des Gesamt-Energieverbrauchs aus und stehen für fast 20 Prozent des gesamten CO2-Ausstoßes.

Ehrgeizige Ziele

Die Regierung will die Klimabilanz von Gebäuden rasch reduzieren. Bis 2020 plant Schwarz-Gelb, den Wärmebedarf um 20 Prozent zu reduzieren, bis 2050 sogar um 80 Prozent. Die halbstaatliche Deutsche Energieagentur (dena) hält das für ambitioniert. Ihren Berechnungen zufolge wäre ein CO2-Gebäudesanierungsprogramm in Höhe von fünf Milliarden Euro pro Jahr nötig, damit die Regierung ihre CO2-Ziele erreicht.

Staatssekretär Mücke widerspricht. "Das Programm hat eine große Hebelwirkung", sagt er. Die dadurch angestoßenen Investitionen seien im Schnitt acht Mal so hoch wie die Förderung selbst. "Derzeit ist die Hebelwirkung sogar noch größer, da die Zinsen für Baukredite sehr niedrig sind", sagt Mücke. Die KfW schätze, dass zwei Milliarden Euro Förderung derzeit Investitionen von rund 24 Milliarden Euro anstoßen.

Weitere Maßnahmen, die die Regierung zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes von Gebäuden ergreifen will, nannte Mücke nicht. In ihrem Energiekonzept hatte die Bundesregierung unter anderem folgendes angeregt:

  • Die Energieeinsparverordnung (EnEV) soll 2012 novelliert werden. Ab 2020 müssen demnach die ersten Gebäude saniert werden, zunächst die älteren.
  • Wer Zielwerte für Gebäudeeffizienz vorzeitig erfüllt, wird belohnt - zum Beispiel mit Steuervergünstigungen. Wer zu lange braucht, soll bestraft werden. Wie genau, sagt die Regierung im Konzept noch nicht.
  • Das Marktanreizprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien soll aufgestockt werden. Dieses Programm können beispielsweise Verbraucher nutzen, die sich eine solarthermische Heizung ins Haus bauen. Das Umweltministerium beziffert den Mindestumfang der Förderung auf eine halbe Milliarde Euro. 2010 umfasste der Topf 380 Millionen Euro.
  • Die Regierung will zudem ein Förderprogramm "Energetische Städtebausanierung" bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) auflegen, das kommunale Energieeffizienzprogramme fördert. Das Umweltministerium beziffert den Mindestbedarf der Förderung auf 250 Millionen Euro.
  • Das Mietrecht soll so angepasst werden, dass sich Gebäudesanierungen für Vermieter überhaupt lohnen. Sie sollen Gebäudesanierungen durch Aufschläge auf die Kaltmiete finanzieren können - ohne fürchten zu müssen, dass gegen Mieterhöhungen geklagt wird, da die Miete nach der Sanierung über den Mietspiegel steigt.
  • Die Energiesteuern im Wärmemarkt werden angepasst. Wer Heizungen mit höherem CO2-Ausstoß nutzt, soll mehr zahlen, wer auf Ökolösungen umsteigt, weniger.

Sorge um sozial schwache Mieter

Branchenverbände sehen die vorgeschlagenen Maßnahmen skeptisch. Sie fürchten einen teuren Sanierzwang. Der Verband Haus & Grund etwa warnt vor einer Kostenexplosion für Hausbesitzer. Er beziffert die Kosten für die energetische Sanierung eines in den siebziger Jahren gebauten Einfamilienhauses mit 120 Quadratmetern Wohnfläche auf mindestens 70.000 Euro.

Auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) warnt vor horrenden Kosten der Gebäudesanierung. "Durch die Sanierung können manche Mieten um 2,50 Euro pro Quadratmeter steigen", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko auf den Berliner Energietagen. "Wir müssen aufpassen, dass sozial schwache Mieter nicht ins Abseits gedrängt werden."

Auch die Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch ist skeptisch, ob die Effizienzoffensive der Regierung funktioniert. Ihr Präsident Andreas Prohl begrüßt die Förderung zwar. Er merkt aber an, dass es im Schnitt mehrere Jahrzehnte dauere, bis die Energieersparnis die Renovierungskosten übersteigt.

Staatssekretär Mücke will deshalb die Beratung von Verbrauchern verbessern. "Investoren müssen besser informiert werden, was sich rechnet und was nicht", sagt er. "Nur dann kann die Energiewende gelingen."

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