Höherer Ertrag, frühere Saison Erdbeeren wachsen zunehmend unter Folie

Landwirte bauen Erdbeeren vermehrt in Gewächshäusern und unter Folie an. Die Fläche hat sich in den vergangenen Jahren fast verfünffacht. Umweltschützer sehen jetzt die Verbraucher in der Pflicht.

Erntehelfer pflücken in einem Gewächshaus in Niedersachsen Erdbeeren
Christophe Gateau / DPA

Erntehelfer pflücken in einem Gewächshaus in Niedersachsen Erdbeeren


Erdbeeren werden in Deutschland zunehmend in Folientunneln und Gewächshäusern angebaut. Von 2011 bis 2018 hat sich die Fläche im geschützten Anbau beinahe verfünffacht. Mehr als zwölf Prozent der Anbaufläche für Erdbeeren waren im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt durch Gewächshäuser und Folientunnel geschützt. Der klassische Anbau auf dem Feld geht hingegen zurück.

Für Landwirte ist der Anbau unter der Folie zwar teurer, bietet ihnen aber eine Reihe von Vorteilen: "Er bewahrt die Pflanzen vor extremen Wetterbedingungen, liefert höhere Erträge, bessere Qualität und sogar bessere Arbeitsbedingungen für die Erntehelfer", sagte Simon Schumacher, Sprecher des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE), über den Folieneinsatz.

"Starke Niederschläge können die Früchte beschädigen, die dadurch schneller faulen. Das passiert uns beim geschützten Anbau nicht", sagte Schumacher. Bei einer Trockenheit wie im Sommer 2018 könnten die Pflanzen außerdem effizienter bewässert werden, da das Wasser nicht einfach verdunste.

In Deutschland liegt die Erntemenge unter Folie im Durchschnitt etwa 60 Prozent über dem Freilandanbau. 2018 wurden 15,24 Tonnen Erdbeeren pro Hektar geerntet. Im Freiland waren es nur 9,51 Tonnen.

Ernte im Gewächshaus ist bequemer

Erdbeerbauern rechnen damit, dass sich der Anbau unter Folie weiter ausdehnt. Sie verweisen darauf, dass in Großbritannien Erdbeeren bereits ausschließlich in Folientunneln angebaut würden, und auch in Holland kämen bereits 60 Prozent der Früchte aus Gewächshäusern.

Dort sei auch die Ernte bequemer: Unter der Schutzabdeckung seien Arbeiter nicht mehr den Wetterbedingungen ausgesetzt und könnten die Erdbeeren deutlich ergonomischer pflücken, da viele der Beete auf Hüfthöhe und somit deutlich höher als auf den Freilandflächen liegen.

Befürworter argumentieren auch, der geschützte Anbau der Erdbeere sei deutlich ökologischer als auf Freilandflächen. Denn damit gehe der Einsatz von Pestiziden zurück. Stattdessen könnten gezielt Nützlinge eingesetzt werden, also Insekten, die Schädlinge oder deren Brut abtöten.

Umweltschützer fordern überlegteres Kaufverhalten

Umweltschützer sehen die Folien-Felder dennoch kritisch. "Die Fläche unter den Tunneln geht für die Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum verloren", sagte Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) in Hessen. Er sieht auch Verbraucher in der Pflicht. Sie müssten sich bewusst machen, dass Erdbeeren vom freien Feld nur im Hochsommer in Deutschland geerntet werden können und ihr Kaufverhalten entsprechend anpassen.

Ansprüche von Kunden, bereits im Frühling deutsche Erdbeeren kaufen zu können, trieben die Nutzung von Folientunneln voran. Zur Not müsse die Politik eingreifen und den Anbau unter Folie oder Glas begrenzen, forderte Petri. Es sei dringend nötig, über einen Ausgleich für die verlorenen Flächen für Flora und Fauna nachzudenken.

Die Früchte aus dem Tunnel sind deutlich früher reif als die klassischen Freiland-Erdbeeren. Kunden können so mitunter schon Mitte April einheimische Früchte essen - und sind laut den Landwirten bereit, für heimische Produkte mehr zu zahlen als für Importware.

mmq/dpa



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so-long 21.05.2019
1. Keine Chance
Nachdem auch Lidl keine fair-trade Bananen mehr verkauft mangels Nachfrage (Preis!), werden die Leute auch die Erdbeeren an der günstigsten Quelle kaufen. Zwischen "sagen" und "tun" liegen -wie immer- Welten. Auch an die Weihnachtserdebeeren haben wir uns erfolgreich gewöhnt. CO2? Wen interessiert es?
bernhardlang 21.05.2019
2. Erdbeeren gehen den Weg der Tomate
Sie riechen und schmecken nach nix, gut das sie noch rot sind.Beim Spargel ist man auch auf dem gleichen Weg. Aber es gibt noch Bauernläden wo das noch funktioniert mit der Qualität
lollopa1 21.05.2019
3. Manno, ich fühle mich schuldig jetzt
seit Jahren verzichte ich auf die importierten Erdbeeren aus Spanien und Italien, ich will doch nicht dass da so viele LKW's wegen mir durch Europa fahren müssen, und ich habe mich wirklich gefreut dass mein Landwirt auch schon im Mai heimische Erdbeeren anbietet, und seine Erntehelfer nicht mehr auf den Knien und mit krummen Rücken malochen müssen. Aber das ist vorbei jetzt. Ich bin dafür dass diese jetzt meckernden Umweltschützer die fehlenden Ausgleichsflächen in ihrem Garten oder Wohnzimmer zur Verfügung stellen müssen, alternativ gibt es ja noch den Hambacher Forst, der bleibt ja stehen. Kleiner Tipp am Rand für dise Umweltschützer, schmeisst einen toten Feldhamster auf so ein Erdbeerfeld und dann wird da die nächsten 10 Jahre nichts mehr angebaut, hat beim Gewerbegebiet Aachen-Heerlen ( Avantis) auch geklappt
jupp78 21.05.2019
4.
Für mich führt der Umweltschützer hier nur ein schwaches Argument an. Landwirtschaftliche Flächen sind leider für die Tier und Pflanzenwelt immer verlorener Lebensraum. Darum sollte diese so weit wie möglich minimiert werden und genau das geschieht hier indem die Erträge signifikant gesteigert werden. Gezielterer Wassereinsatz und weniger Pestizide hingegen sind klare Argumente pro Gewächshaus. Genauso wie eine Verdrängung von Früchten die von weit her importiert werden. Insgesamt stellt das für mich eine klare positive Gesamtbilanz für das Gewächshaus dar.
Sibylle1969 21.05.2019
5.
In meiner Kindheit und bis in die 90er gab es deutsche Erdbeeren von Anfang Juni bis Ende Juli. Heute gibt es teilweise schon im März deutsche Erdbeeren, und auch im Oktober gibt es welche. Ich liebe Erdbeeren und gebe zu, dass ich auch schon im April welche gekauft habe. Importerdbeeren aus Spanien kommen mir aber nicht in die Tüte, die schmecken nämlich nach nichts.
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