Kältewelle und stockende Lieferungen aus Russland Deutschlands Gasspeicher leeren sich

Die deutschen Gasspeicher sind nur noch zu rund 40 Prozent gefüllt – ein für Anfang Februar auffällig niedriger Wert. Hauptgrund sind gedrosselte Lieferungen des Gazprom-Konzerns über die Ukraine.
Gasverteilstation im tschechischen Velke

Gasverteilstation im tschechischen Velke

Foto: RADOVAN STOKLASA/ REUTERS

Der Füllstand von Deutschlands Gasspeichern ist beträchtlich gesunken. Nach Zahlen  des Branchendienstes AGSI sind die Salzkavernen, Aquifer und Porenspeicher der Bundesrepublik derzeit noch zu rund 41 Prozent gefüllt. Für Anfang Februar sei das ein ziemlich niedriger Wert, sagt Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Heizperiode dauere schließlich bis Ende März, bis dahin werde noch deutlich mehr Gas aus den Speichern abfließen.

Laut einem Marktinsider nehmen die Vorräte aktuell besonders rasch ab. Denn bei Minusgraden reichen die Pipelinekapazitäten zur Versorgung teils nicht aus. Entsprechend mehr werde aus Speichern entnommen.

Zuletzt war der Speicherstand 2017 so früh im Jahr auf ähnlich niedrigem Niveau. Kritisch sei die aktuelle Lage nicht, sagt Weinberg. Die Versorgung sei gesichert. Angesichts der momentanen Kältewelle könnten allerdings die Einkaufspreise an der Gasbörse steigen.

Hauptgrund für den vergleichsweise niedrigen Speicherstand sind sinkende Exporte aus Russland. Seit Anfang Januar hat der Staatskonzern Gazprom seine Gaslieferungen über die Ukraine nach Europa gedrosselt. Vor allem am Transitpunkt im tschechischen Velke sind die Gasflüsse zurückgegangen.

Die Füllmenge deutscher Gasspeicher, an denen Gazprom beteiligt ist, liegen ebenfalls deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Speicher der Firma Astora sind derzeit noch zu rund 30 Prozent  gefüllt, die der VNG Gasspeicher GmbH zu rund 35 Prozent . Die Speicher dieser beiden Firmen machen rund ein Viertel der gesamten deutschen Kapazität aus.

»Es kann sein, dass Gazprom das Angebot verknappen und damit den Preis hochtreiben will«, sagt der Grünenfraktionsvize Oliver Krischer. »Es kann aber auch sein, dass zusätzlicher Druck für die Fertigstellung der Nord Stream 2 aufgebaut werden soll.«

Das Bundeswirtschaftsministerium teilt mit, man habe »keine Anhaltspunkte dafür«, dass Liefervereinbarungen zwischen dem ukrainischen Gasnetzbetreiber und dem Lieferanten Gazprom nicht eingehalten würden. Vereinbart sind demnach insgesamt 40 Milliarden Kubikmeter im laufenden Jahr.

Laut dem Gasmarktexperten Simon Schulte vom Energiewirtschaftlichen Institut in Köln (EWI) fällt die Leistung mancher Gasspeicher ab, wenn sie sich zu stark leeren. Vor allem bei Porenspeichern sinke dann das Volumen an Gas, das in einem gewissen Zeitraum abgegeben werden könne.

Gleichzeitig sei Deutschland gut in den europäischen Gasbinnenmarkt eingebettet, sagt Schulte. Die Bundesrepublik könnte notfalls also einfach mehr aus dem Ausland importieren. Commerzbank-Analyst Weinberg gibt zu bedenken, dass auch der Füllstand der europäischen Speicher mit derzeit 48 Prozent für Anfang Februar »recht niedrig« sei. Allerdings könnte bei Bedarf zusätzliches Gas per Schiff importiert werden, zum Beispiel aus den USA.

Krischer plädiert dafür, neben der privaten auch eine staatliche Gasreserve aufzubauen. Drohende Engpässe und ungewollte Preisspitzen könnten so verhindert werden, sagt der Abgeordnete. Das Wirtschaftsministerium indes teilt mit, die Befüllung der Gasspeicher erfolge »zu Recht nach Marktpreissignalen«.

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