Konzerne gaben Kostensenkungen teils nicht weiter Gaskunden zahlen fast eine Milliarde Euro drauf

Die Einkaufspreise für Erdgas sind 2020 stark gesunken. Doch die Versorger gaben rund 990 Millionen Euro nicht an ihre Kunden weiter. Das könnte auch an der neuen CO₂-Steuer zum 1. Januar liegen.
Heizung mit Thermostat

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Foto: Sven Hoppe/ dpa

Millionen Gasverbraucher haben 2020 draufgezahlt, weil Versorger ihre sinkenden Einkaufspreise teils nicht an ihre Kunden weitergegeben haben. Das geht aus einer Analyse hervor, die der Branchendienst EnergyComment im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion erstellt hat.

Die Verbraucherpreise für Gas fielen demnach weniger stark als die Einkaufspreise im Großhandel, die im Sommer das tiefste Niveau seit Jahrzehnten erreicht hatten. Die Margen der Gaswirtschaft hätten sich dadurch von 3,05 auf 3,35 Cent pro Kilowattstunde ausgeweitet, heißt es in der Studie, die dem SPIEGEL vorliegt.

Hätten die Versorger ihre Ersparnisse komplett an die Kunden weitergegeben, wären die Verbraucherpreise für Gas um weitere fünf Prozent gesunken. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden hätte zusätzliche 60 Euro gespart. Hochgerechnet auf die gut 330 Terawattstunden Erdgas, die jährlich von Haushaltskunden verbraucht werden, kämen insgesamt 990 Millionen Euro an entgangenen Kostensenkungen zusammen.

Die Preispolitik der Unternehmen dürfte nicht allein der Profitmaximierung dienen. Studienautor Steffen Bukold sieht noch zwei weitere mögliche Gründe:

  • Die Großhandelspreise für Gas haben in den vergangenen Wochen wieder stark zugelegt. Ein Teil der einbehaltenen Kostensenkungen dürfte als Polster gegen solche Schwankungen dienen. Wobei Unternehmen, die sich klug am Terminmarkt absichern, kein besonders großes Polster bräuchten.

  • Ein Teil der einbehaltenen Kostensenkungen könnte zudem dazu verwendet werden, den drohenden Preisschub im kommenden Jahr abzumildern.

Ab 1. Januar werden Unternehmen aus den Bereichen Wärme und Verkehr verpflichtet, Verschmutzungsrechte für die von ihnen in Umlauf gebrachte Energie zu kaufen. Pro Tonne werden zunächst 25 Euro fällig. Die CO2-Steuer wird den Einkauf einer Kilowattstunde Gas um 0,5 Cent verteuern, also um etwa zehn Prozent.

Für einen Durchschnittshaushalt würde das eine Zusatzbelastung von 120 Euro pro Jahr bedeuten – also einen heftigen Preisschub.

Die geplanten Erhöhungen der Gasversorger fallen bislang deutlich milder aus. Laut Bukold steigen die Preise bisher im Bundesdurchschnitt um 2,6 Prozent. Weitere Tarifanpassungen dürften folgen – sodass die Erhöhung letztlich wohl höher ausfalle. Ein Preissprung von gleich zehn Prozent aber ist zumindest momentan nicht absehbar.

In Deutschland heizen rund 23 Millionen Haushalte mit Erdgas. Verbraucher können ihre Kosten deutlich drücken, wenn sie aus der teuren Grundversorgung in einen günstigeren Tarif wechseln. Laut Bukold haben in Deutschland noch immer 70 Prozent der Haushalte einen Vertrag mit dem Grundversorger – obwohl dieser durchschnittlich 15 Prozent teurer ist als andere örtliche Tarife.

Im kommenden Jahr zahlen Kunden in der Grundversorgung besonders kräftig drauf. Laut einer Auswertung des Vergleichsportals Verivox steigen die Gaspreise in diesem Segment um rund sieben Prozent, in manchen Bundesländern gar um fast zehn Prozent.

Die Wechselbereitschaft bei den privaten Haushalten nimmt dennoch seit 2016 ab. Nur etwa neun Prozent der Haushaltskunden haben 2018 laut Bundesnetzagentur ihren Lieferanten gewechselt.

»Gerade den privaten Gaskunden in den Grundversorgungstarifen kann man nur einen Wechsel empfehlen«, sagt Grünenfraktionsvize Oliver Krischer, der die Studie von EnergyComment in Auftrag gegeben hat.

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