Engpässe RWE-Chef befürwortet staatlich kontrollierte Gasreserve

Ein Großteil der Gasreserven Deutschlands lagert in einem Speicher von Gazprom in Niedersachsen. Der russische Energieriese füllt ihn aber nicht auf. Nicht nur aus Sicht von RWE-Chef Krebber ein unhaltbarer Zustand.
Das RWE-Gaskraftwerk in Hamm: Der Chef des Energieriesen befürwortet ein Modell wie bei Ölreserven

Das RWE-Gaskraftwerk in Hamm: Der Chef des Energieriesen befürwortet ein Modell wie bei Ölreserven

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Rupert Oberhäuser / IMAGO

Weil das Gas in Europa in diesem Winter so knapp wird wie lange nicht, steigt bei Bürgerinnen und Bürgern die Angst vor der Kälte. Nun hängt es allein am Wetter, ob die Kapazitäten reichen, denn die Füllstände der Erdgasspeicher sinken weiter, inzwischen liegt der Wert bei nur noch knapp mehr als 40 Prozent . Angesichts der Engpässe auf dem Erdgasmarkt fordert nun der Chef des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber, staatliche Eingriffe für mehr Versorgungssicherheit.

»Das kann in Richtung einer staatlichen Bevorratung gehen wie beim Erdöl«, sagte Krebber der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Alternativ sei eine schärfere Regulierung denkbar, sodass »Gasversorger ihre Lieferverpflichtungen zu bestimmten Anteilen durch langfristige Kaufverträge oder Einspeicherungen absichern müssen. In Deutschland haben wir da eine Regelungslücke«.

Die Forderung entspricht ganz der Linie der Bundesregierung. »Zum Winter nächsten Jahres muss das Thema gelöst werden«, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch bei einer Regierungsbefragung im Bundestag. »Wir können nicht noch einmal in so eine Situation reinlaufen, wie wir sie jetzt erlebt haben. Das wäre wirklich fahrlässig.«

Unter vorigen Bundesregierungen sei der Gasmarkt komplett liberalisiert worden, beklagte Habeck. Es gebe deswegen nur wenig Möglichkeiten für staatliche Eingriffe. Für die Zukunft sei die Einrichtung einer nationalen Gasreserve denkbar oder auch eine Vorschrift, wie sie Italien kenne, wonach zu einem bestimmten Datum ein gewisser Stand in den Gasspeichern erreicht sein muss. »Beide Wege haben Vor- und Nachteile«, sagte Habeck. In jedem Fall handle es sich um Markteingriffe, die Fragen nach Kompensation oder Garantien aufwerfen.

Die Gas-Lieferanten erfüllten alle Aufträge, betonte Habeck. Allerdings seien die Preise sehr hoch. Geopolitisch stehe zudem die Frage im Raum »Und was ist, wenn mal nicht bedient wird?«. Daher gebe es einen »politischen Handlungsauftrag«. Deutschland bezieht einen Großteil seines Gases aus Russland.

Die geringeren Füllstände sind vor allem das Werk von Gazprom. Zwar erfüllt Russlands Staatsmonopolist nach eigenem Bekunden seine Verträge. Aber kaum mehr als das. Seit Anfang Oktober exportiert Gazprom deutlich weniger als in den vergangenen Jahren nach Europa. Und das, obwohl das Unternehmen Höchstpreise für seinen Brennstoff erzielen könnte. In den ersten drei Wochen 2022 lieferte Gazprom nur noch durchschnittlich 1,74 Milliarden Kubikmeter, so wenig wie fast nie in den vergangenen sieben Jahren.

Speicher in Rehden macht fast zwei Drittel der Gaslücke aus

Und obwohl Kremlchef Wladimir Putin im Herbst angekündigt hatte, Gazprom werde seine Reservoirs in Deutschland und Österreich auffüllen, ist dies nicht geschehen. Im Gegenteil: Der riesige Erdgasspeicher der Gazprom-Tochter Astora im niedersächischen Rehden ist nur noch zu gut vier Prozent gefüllt. In diesem Speicher lagern knapp 15 Terawattstunden weniger Brennstoff als zum selben Zeitpunkt vor einem Jahr. Insgesamt fehlen in Deutschland rund 23 Terawattstunden im Vergleich zum vergangenen Jahr, wenn man die Vorräte in den Speichern aller Betreiber zusammenrechnet.

Die Rechnung macht aber auch deutlich: Der Gazprom-Speicher in Rehden allein macht fast zwei Drittel der gesamten Gaslücke aus.

Ein Komplettausfall der russischen Lieferungen  wäre laut Krebber nur für »sehr kurze Zeit überbrückbar. Vielleicht einige Wochen«. Der RWE-Chef sprach sich deshalb laut dem Bericht für eine stärkere Diversifizierung der Gasversorgung durch den Bau von Importhäfen für Flüssiggas aus. Politische Unterstützung dafür sei schon deshalb gefragt, weil Importhäfen in Zukunft auch für die Einfuhr von grünen Energien wie Wasserstoff oder Ammoniak benötigt würden.

Erdgas spiele eine Schlüsselrolle für das Energiesystem, sagte Krebber. »Nach dem Atom- und Kohleausstieg hängt die Sicherheit unserer Stromversorgung am Gas, und zwar so lange, bis ausreichend grüner Wasserstoff zur Verfügung steht.«

che/hba/dpa
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