Erstattungstarif Kassen übernehmen nur ein Drittel der Kosten

Er soll bei Patienten für mehr Kostenbewusstsein sorgen, stattdessen verursacht der Erstattungstarif jedoch vor allem Kosten. Die Krankenkassen erstatten nur rund ein Drittel der Rechnungen, erheben Pauschalen für die Bearbeitung - und schieben die Schuld den Ärzten zu. 
Arztbesuch: TK und Barmer erstatten nur rund ein Drittel der Kosten

Arztbesuch: TK und Barmer erstatten nur rund ein Drittel der Kosten

Foto: Oliver Berg/ dpa

Berlin - Kassenpatienten, die sich für einen Kostenerstattungstarif entschieden haben, bleiben einem Großteil ihrer Arztkosten sitzen. Dies bestätigten die Branchenführer Barmer GEK und Techniker Krankenkasse (TK) dem "Tagesspiegel". Von den eingereichten Privatrechnungen erstattet die Barmer GEK demnach im Schnitt nur rund ein Drittel der Kosten, bei der TK sind es etwa 36 Prozent.

Beim Erstattungstarif übernehmen die Patienten wie bei einer privaten Krankenversicherung zunächst selbst die Kosten - und lassen sie sich dann von der Krankenversicherung zurückerstatten. Das klappt offenbar nicht immer.

Ärzte

"Wenn bei Kassenpatienten mit Kostenerstattung den 2,3-fachen Satz abrechnen, können wir das natürlich nicht eins zu eins erstatten", verteidigte ein Sprecher der Barmer GEK das Vorgehen. Außerdem werde für den höheren Aufwand eine Verwaltungskostenpauschale berechnet. Bei der Barmer GEK beträgt diese derzeit 7,5 Prozent, bei der TK zehn Prozent.

Philipp Rösler (FDP)

Versicherung

Gesundheitsminister will die Möglichkeit der Kostenerstattung in der gesetzlichen Krankenversicherung attraktiver machen und dadurch das Kostenbewusstsein der Patienten fördern. Den Versicherten sollen sich vom Arzt eine Rechnung ausstellen zu lassen, die sie zunächst selbst bezahlen und sich dann von der zurückerstatten lassen könne. Die bislang bestehenden Erstattungstarife werden von den Versicherten kaum in Anspruch genommen.

Laut dem Änderungsantrag der Koalition, der dem "Tagesspiegel" vorliegt, soll den Kassen vorgegeben werden, für den bürokratischen Mehraufwand nur noch maximal fünf Prozent des Rechnungsbeitrags zu verlangen. Bisher hieß es lediglich, dass der höhere Aufwand "angemessen" zu berücksichtigen sei. Zudem planen FDP und Union dem Bericht zufolge, die Mindestbindungsfrist für Kostenerstattungstarife auf ein Vierteljahr zu senken. Bisher lag sie bei einem Jahr.

Kassen kritisieren kürzere Laufzeit für Erstattungstarif

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) warnte vor kürzeren Bindungsfristen bei den Kostenerstattungstarifen. Sie könnten zu problematischem Wechselverhalten führen, sagte Verbandssprecherin Ann Marini dem "Tagesspiegel". "Man verschiebt notwendige Behandlungen, um einen finanziellen Vorteil einzustreichen und kehrt zum solidarisch finanzierten Sachleistungsprinzip zurück, wenn kostenintensive Behandlungen anstehen."

Eine derartige Selbstbedienungsmentalität würde dem Solidargedanken der GKV zuwiderlaufen. Außerdem wären die Tarife bei kürzeren Laufzeiten für die Kassen schwerer kalkulierbar.

jok/AFP