Umweltschutz EU-Kommission fordert Maßnahmen gegen dünne Plastiktüten

Wegwerftüten aus Plastik verschmutzen die Meere. Nun will EU-Umweltkommissar Janez Potocnik die Mitgliedstaaten verpflichten, den Verbrauch zu reduzieren. Sogar Verbote sollen möglich werden. Der deutsche Umweltminister hat andere Pläne.
Dünne Plastiktüten: EU-Kommission will Verbrauch eindämmen

Dünne Plastiktüten: EU-Kommission will Verbrauch eindämmen

Foto: Patrick Pleul/ dpa

20.000 pro Sekunde. So viele Plastiktüten werden weltweit produziert, rechnet "Endstation Meer"  vor, eine Ausstellung über Plastikmüll des Museums für Gestaltung Zürich. Oft werden die Tüten nur einmal verwendet - und viele landen im Meer, etwa weil sie von Mülldeponien weggeweht werden. Was von den Tüten übrigbleibt, wird von Fischen und anderen Meerestieren aufgenommen und gelangt in die Nahrungskette.

Ein Großteil dieser Plastiktüten ist nicht dicker als 0,05 Millimeter, es sind fast durchsichtige Tüten für Obst und Gemüse, günstige Tragebehältnisse für den schnellen Einkauf. EU-Umweltkommissar Janez Potočnik will diesen Wegwerfprodukten, die 90 Prozent aller Plastiktüten ausmachen sollen, nun den Kampf ansagen.

Binnen zwei Jahren sollen die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um den Verbrauch zu reduzieren. Diese Formulierung soll, wie die "Welt am Sonntag" berichtet , Eingang in die EU-Müllverordnung finden. Am Montag will die EU-Kommission den Vorschlag präsentieren. Wie die Mitgliedstaaten diese Vorgabe umsetzen, soll zunächst ihre Sache sein. Ein Weg könnten Steuern auf Plastiktüten sein. In Irland hat eine Abgabe in Höhe von 22 Cent den Tütenverbrauch stark reduziert.

Müllreste aus Kunststoff

In Finnland und Dänemark werden schon jetzt besonders wenig Plastiktüten verbraucht: Vier pro Jahr und Person. Der europäische Schnitt liegt bei 198 Stück, in Deutschland sind es laut Umweltbundesamt (PDF-Datei)  71. In Ländern wie Portugal, Polen, Litauen und Ungarn wird der Pro-Kopf-Verbrauch an Plastiktüten von der EU-Kommission sogar auf über 500 geschätzt.

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Kampf gegen Meeresmüll: Politiker wollen Pfandpflicht für Plastiktüten

Foto: SIO/ UC San Diego

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, unterstützte die Vorschläge der EU-Kommission. "Für Küstenländer, etwa im Mittelmeerraum, können Verbote sinnvoll sein, in anderen die Einführung von Gebühren oder Abgaben." In den europäischen Meeren tauchten hauptsächlich Müllreste aus Kunststoff auf, betonte Flasbarth. Darunter seien viele Fetzen von Einkaufstüten.

"Unveröffentlichte Daten zu Abfällen an deutschen Stränden der Ostsee deuten darauf hin, dass sich die kostenlosen Tüten häufiger finden lassen als die kostenpflichtigen Tüten", so Flasbarth. Nach Angaben des Uno-Umweltprogramms treiben 13.000 Plastikpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche - durch Strömungen werden diese weltweit verteilt.

Umweltminister lehnt Tütenverbot ab

Mit einer Reduzierung des Plastiktütenmülls könnte die Europäische Union mit gutem Beispiel vorangehen. Bisher dürfen die EU-Staaten Tüten nicht untersagen. Das legt die "Richtlinie 94/62/EG über Verpackungen und Verpackungsabfälle" fest. Den entsprechenden Artikel 18 will Umweltkommissar Potočnik streichen. Für die geplanten Änderungen braucht der Umweltkommissar als nächstes die Zustimmung der 28 EU-Staaten und des Europaparlaments.

Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte im April eine Plastiktüten-Zwangsabgabe oder sogar ein Verbot von Plastiktüten abgelehnt. Altmaier will stattdessen stärker auf Recycling setzen.

ore/dpa
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