Instant Payments Echtzeitzahlung soll europaweit Standard werden

Geld binnen Sekunden überweisen – das läuft in Europa meist noch schleppend. Geht es nach der EU-Kommission, soll sich daran schon bald etwas ändern.
Überweisungsträger: Vielerorts noch üblich, dabei ginge es oft bereits schneller

Überweisungsträger: Vielerorts noch üblich, dabei ginge es oft bereits schneller

Foto: Fabian Sommer / dpa

Die EU-Kommission hat einen Gesetzesvorschlag  vorgelegt, der Hürden für sekundenschnelles Bezahlen beseitigen soll. Das Ziel: Verbraucher in der Europäischen Union sollen künftig standardmäßig die Möglichkeit zur Echtzeitüberweisung haben.

Dafür sollen Echtzeitzahlungen in Euro für Bankkunden demnach etwa nicht teurer sein dürfen als Standardüberweisungen, die in der Regel kostenlos sind. Zudem müssten alle Kreditinstitute die schnellen Überweisungen zu jeder Zeit anbieten. Normale Überweisungen dauern in der Regel einen Arbeitstag, Echtzeitzahlungen nur bis zu zehn Sekunden.

Der europäische Verbraucherverband Beuc begrüßte der Vorstoß der EU-Kommission. »Sofortzahlungen sollten kein Premium-Service sein – es ist an der Zeit, sie zur neuen Normalität zu machen«, sagte Generaldirektorin Monique Goyens.

Wechsel wie von der Post zur E-Mail

Die sogenannten Instant Payments sind in Europa technisch schon seit 2017 möglich. Rund ein Drittel der Banken in der EU bietet diese Möglichkeit nach Angaben der EU-Kommission allerdings gar nicht an. Und auch Verbraucher haben Vorbehalte. Anfang 2022 wurden nur elf Prozent der Überweisungen als Echtzeitzahlung durchgeführt. In Ländern wie Indien oder Brasilien sind es dagegen rund 90 Prozent.

EU-Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness verglich den Schritt von Standard- zu Echtzeitüberweisungen am Mittwoch mit dem Übergang von der Post zu E-Mail. Es gebe keinen Grund, warum viele Bürger und Unternehmen nicht in der Lage seien, sofort Geld zu senden und zu empfangen. Die Möglichkeit dazu sei besonders wichtig in Zeiten, in denen Rechnungen für Haushalte und Unternehmen stiegen und es auf jeden Cent ankomme.

Auch Behörden, Wohltätigkeitsorganisationen oder Banken selbst würden nach Angaben der EU-Kommission von schnelleren Geldflüssen und den neuen Innovationsmöglichkeiten profitieren. Zudem werde die internationale Rolle des Euro gestärkt.

Um das Vertrauen in Instant Payments zu stärken, sieht der Vorschlag der EU-Kommission vor, das Risiko einer falschen Überweisung zu reduzieren. So sollen die Kreditinstitute dazu verpflichtet werden, IBAN und Namen des Empfängers abzugleichen. Zudem müssten die Banken ihre Kundenkartei täglich dahingehend überprüfen, ob von der EU sanktionierte Personen darunter sind – anstatt wie bisher jede einzelne Überweisung zu prüfen, was zu einer Vielzahl an falschen Treffern und Verzögerungen geführt habe.

Über den Vorschlag der EU-Kommission müssen nun die EU-Staaten und das Europaparlament verhandeln.

apr/dpa
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