Hohe Gebühren EU-Kommission nimmt Visa ins Visier

Millionen Kreditkartenbesitzer könnten von einem Kartellverfahren der EU-Kommission profitieren. Die Behörde will den Anbieter Visa zur Abschaffung bestimmter Gebühren zwingen. Diese werden bisher beim Zahlen im Ausland fällig - und könnten die Preise im Einzelhandel verteuern.

Kreditkarten von Visa: Ärger wegen hoher Gebühren
REUTERS

Kreditkarten von Visa: Ärger wegen hoher Gebühren


Brüssel - Das Kreditkartenunternehmen Visa muss sich wegen bestimmter Gebühren vor der EU-Kommission rechtfertigen. Die Behörde leitete am Dienstag die nächste Stufe ihres Kartellverfahrens gegen das Unternehmen ein und übersandte Visa ihre konkreten Einwände. Die EU-Wettbewerbshüter wollen Visa zur Abschaffung seiner Interbankengebühren zwingen, um das Einkaufen für Millionen Kunden billiger zu machen.

Die sogenannten Interchange-Gebühren muss ein Händler über seine Bank an das Institut des Karteninhabers entrichten, wenn der Kunde im EU-Ausland per Visa bezahlt. Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) kostet das die deutschen Einzelhandelsunternehmen jährlich 250 Millionen Euro. Am Ende könnte das auch den Preis der angebotenen Produkte in die Höhe treiben, fürchtet die Kommission. "Dadurch steigen letztlich die Preise für die Verbraucher", sagte Kommissionssprecher Antoin Colombani.

Aus Sicht der Behörde machen die Gebühren grenzüberschreitende Visa-Geschäfte unzulässig teuer und verhindern den Kostenwettbewerb unter den Banken. Das sei ein Verstoß gegen die EU-Wettbewerbsregeln, erklärte die Kommission. Ihren Angaben zufolge erhebt Visa die Gebühr in Belgien, Ungarn, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, den Niederlanden und Schweden auch bei inländischen Zahlungen.

Gestärkt sieht sich die Behörde durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Mai. Der hatte Visa-Konkurrent Mastercard entsprechende Gebühren untersagt, weil er sie als wettbewerbswidrig betrachtet. Visa hat nun Gelegenheit, auf die Einwände Brüssels einzugehen. Andernfalls kann die Kommission hohe Bußgelder verhängen.

Sie untersucht die Gebührenpraxis des Unternehmens seit März 2008. Ende 2010 senkte das Unternehmen auf Druck aus Brüssel die Entgelte für sogenannte Debitkarten, bei denen Kontoinhaber direkt nach einem Kauf belastet werden.

mmq/dapd

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Montanabear 31.07.2012
1. Visa
Zitat von sysopREUTERSMillionen Kreditkartenbesitzer könnten von einem Kartellverfahren der EU-Kommission profitieren. Die Behörde will den Anbieter Visa zur Abschaffung bestimmter Gebühren zwingen. Diese werden bisher beim Zahlen im Ausland fällig - und könnten die Preise im Einzelhandel verteuern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,847523,00.html
Prima ! Damit wird die Kommission bstimmt durchkommen. Meine vielreisende Tochter und ihr Mann haben fast 2,000 Dollar zurueckbekommen. In einem ganz normalen Brief, der nach Werbung aussah. Die Ban hoffte wohl, dass er als solche ohne zu Oeffnen in den Papierkorb wandern sollte. Viel Glueck !
bold_ 01.08.2012
2. Gebühren können nicht von Privatfirmen eroben werden!
Zitat von sysopREUTERSMillionen Kreditkartenbesitzer könnten von einem Kartellverfahren der EU-Kommission profitieren. Die Behörde will den Anbieter Visa zur Abschaffung bestimmter Gebühren zwingen. Diese werden bisher beim Zahlen im Ausland fällig - und könnten die Preise im Einzelhandel verteuern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,847523,00.html
Ausschließlich staatliche, kommunale oder andere Behörden dürfen Gebühren verlangen! Bei Forderungen von Privatfirmen handelt es sich um "Entgelte" - auch, wenn dieses Wort etwas sperrig ist. Der Volksmund spricht zwar von Handy"gebühren" und sogar von Bank"beamten" - beide Begriffe sind sachlich falsch und sollte nicht (länger) verwendet werden! NB: "Gebühren" klingt amtlich bis unabwendbar - Banken und Telekomfirmen gehören zu den größten Abzockern, und wenn sie diesen Begriff verwenden, zielen sie damit auf den "hörigen" Kunden! Die EU ist eine Behörde, dieses Vorgehen begrüße ich, aber man sollte das Kind beim richtigen Namen nennen!
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