Aus für Wegwerfprodukte Was das Plastikverbot der EU bedeutet

Die EU sagt Plastik den Kampf an: Wegwerfprodukte wie Plastikteller und Trinkhalme sollen künftig verboten werden. Wie sieht die Regelung aus, was ändert sich für den Verbraucher? Ein Überblick.
Tschüss, Trinkhalm

Tschüss, Trinkhalm

Foto: Ralf Hirschberger/ picture alliance/dpa

Plastikteller, Trinkhalme und andere Wegwerfprodukte aus Kunststoff sollen schon 2021 in der EU verboten sein. Darauf haben sich Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten am Mittwochmorgen in Brüssel final geeinigt. Die EU-Kommission hatte im Mai vorgeschlagen, Einmalgeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel aus Plastik zu verbieten. Man folgt damit einem weltweiten Trend: Indien hat diesen Sommer eines der strengsten Plastikgesetze verabschiedet. Nun die EU.

EU-weit sollen durch die Richtlinie 3,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart und so bis 2030 Umweltschäden von 22 Milliarden Euro vermieden werden, heißt es. Doch wie ist die Situation? Wie sollen die Veränderungen aussehen - und was ändert sich für den Verbraucher? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Wie viel Plastikmüll wird EU-weit produziert und warum ist das so schlimm?

Jedes Jahr produzieren die Europäer etwa 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle, wie Zahlen der Europäischen Kommission  zeigen. Weniger als 30 Prozent davon sind zur Wiederverwertung geeignet. Weltweit machen Kunststoffe laut Kommission einen Anteil von 85 Prozent der Abfälle an Stränden aus. Acht Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Ozeane.

Wenn Plastik, etwa in Formen von Mikropartikeln, erst einmal in der Umwelt ist, ist es nur schwer wieder einzufangen. Wie sich das mitunter unsichtbare Mikroplastik langfristig auf Lebewesen auswirkt, ist kaum erforscht. Was man weiß: An den Kunststoffen lagern sich giftige Stoffe an - zusätzlich zu den Schadstoffen, die bereits während ihrer Produktion entstehen. Wie ein Schwamm saugen sich die Plastikteile im Meer mit Schadstoffen voll - unter anderem mit giftigen, krebserregenden Chlorverbindungen.

Was ändert sich durch die Richtlinie?

Eine ganze Menge an Produkten werden durch die Richtlinie ab 2021 in der EU verboten sein. Dazu zählen Besteck, Teller, Strohhalme, Wattestäbchen und Getränkerührstäbchen aus Plastik. Ebenso sollen aufgeschäumte Lebensmittel- und Getränkeverpackungen aus Polystyrol untersagt werden. Polystyrol wird etwa bei der Herstellung von Joghurtbechern verwendet.

Auch der Verwendung von Oxoplastik soll ein Riegel vorgeschoben werden. Es enthält künstliche Zusatzstoffe, die nicht biologisch abbaubar sind. Sie verbleiben in der Umwelt und machen ein sauberes Recycling unmöglich.

Die Regelung sieht auch vor, dass Plastikflaschen - wenn es denn Einwegflaschen sind - bis 2025 zu 90 Prozent recycelt werden müssen, ebenso sollen alle PET-Plastikflaschen in der EU bis dahin aus recyceltem Plastik bestehen.

Bestandteil der Richtlinie ist auch die Beteiligung von Herstellern an den Kosten für das Aufräumen der Abfälle. So könnte die Tabakindustrie zukünftig für das Einsammeln von Zigarettenstummeln zahlen müssen.

Ein Verbot von Luftballons dagegen, wie es zunächst von der grünen Fraktion im Europäischen Parlament eingebracht worden war, ist nicht Teil des Kompromisses. Auch von der Europäischen Kommission vorgesehene Warnhinweise für Luftballons wird es nicht geben.

"Es gibt insgesamt 140 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer, davon machen die Luftballons aus Europa nach Schätzung etwa fünf Kilogramm aus. Ich hielte es für völlig unverhältnismäßig, den Menschen insbesondere den Kindern diesen Spaß zu verderben", sagt Peter Liese, umweltpolitische Sprecher der EVP-Christdemokraten, der größten Fraktion im EU-Parlament.

Was könnte sich für den Verbraucher ändern?

Die Verbraucher müssen sich vor allem auf umweltfreundliche Verpackungsalternativen im Handel und strengere Gesetze einstellen - auch national. Ab Januar soll ein neues Gesetz in Deutschland die Abfallmenge reduzieren und die Recyclingquoten deutlich erhöhen. Auch Österreich geht deutlich rigider gegen Plastik vor: Ab 2020 sollen hier sämtliche Kunststofftüten verboten werden. Auch die Verwendung von Mikroplastik in Kosmetikprodukten soll enden, wenn die EU das Problem bis 2020 nicht selbstständig löst.

flg
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.