EU-Studie Online-Ticketverkäufer schlampen beim Verbraucherschutz

Scharfe Kritik der EU-Kommission: Verbraucher müssen sich bei den meisten Internetshops für Tickets durch undurchsichtige und unfaire Klauseln klicken.
Verbraucher im Internet: Die meisten Seiten zum Ticketkauf sind mangelhaft

Verbraucher im Internet: Die meisten Seiten zum Ticketkauf sind mangelhaft

Foto: Corbis

Brüssel - Versteckte Gebühren, nachteilige Vertragsklauseln, irreführende Angaben zum Verkäufer: Die meisten deutschen Internetseiten zum Kauf von Tickets nehmen es mit dem Verbraucherschutz nicht so genau. 28 von 29 deutschen Online-Verkäufern für Konzert- oder Fußballkarten stuft die EU als problematisch ein.

In allen EU-Staaten sowie in Norwegen und Island hätten nationale Stellen insgesamt 414 Internetseiten überprüft, erklärte die EU-Kommission. 247 Seiten oder 60 Prozent wiesen danach zumindest Unregelmäßigkeiten auf. EU und Verbraucherschützer wollen nun untersuchen, ob die Seiten eindeutig gegen das Verbraucherrecht verstoßen. Dann drohen den Betreibern Bußgelder und sogar die Schließung der Onlineshops.

Die größten Probleme stellten die Verbraucherschützer bei Preisangaben und Kaufbedingungen fest. Mängel wie versteckte Steuern oder Gebühren rügten sie bei 74 Prozent der Seiten. Fast ebenso oft stießen die Tester auf mutmaßlich unfaire Vertragsklauseln: So übernahmen Ticketverkäufer keine Haftung für falsche Angaben auf ihren Seiten oder räumten sich selbst, aber nicht den Kunden ein Rücktrittsrecht ein. Auf vielen Seiten fehlten Angaben zum Verkäufer ganz, oder sie führten in die Irre.

Deutliche Verbesserungen bei Elektronik-Versendern

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der in Deutschland mit der Prüfung von zwölf Seiten betraut war, leitete elf Verfahren ein. Acht Unternehmen hätten sich danach per Unterlassungserklärung verpflichtet, bestimmte Klauseln nicht mehr zu verwenden und etwa die Rückgabe von Tickets nicht weiter grundsätzlich auszuschließen.

In zwei Fällen erhob der vzbv nach eigenen Angaben Klage. Der Anbieter www.ticket-depot.de sei der einzige gewesen, bei dem keine Verstöße gefunden wurden, sagte vzbv-Rechtsexpertin Susanne Einsiedler.

Sechs der 29 geprüften deutschen Seiten werden aus dem Ausland betrieben. In allen sechs Fällen leitete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Verfahren ein, um mithilfe ausländischer Behörden die Betreiber zu Änderungen zu zwingen. Letzten Endes könnten ihnen Strafen bis zu 250.000 Euro drohen, sagte eine BVL-Sprecherin.

Die EU hatte 2009 einen ähnlichen Test für Internetseiten veranstaltet, die Unterhaltungselektronik anbieten. Geprüft wurden 369 Seiten zum Beispiel für Digitalkameras und Mobiltelefone. Damals entsprachen 44 Prozent zweifelsfrei den europäischen Vorschriften. Anschließend rügten die Behörden die anderen Anbieter und forderten Änderungen, verhängten Bußgelder oder schlossen Seiten.

Eine ebenfalls am Donnerstag präsentierte Nachuntersuchung zeigte deutliche Verbesserungen. Heute entsprächen 84 Prozent der Elektronik-Seiten dem Verbraucherrecht, erklärte die EU-Kommission.

swa/afp
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