Kinderquark Ehrmann verliert Rechtsstreit um Monsterbacke-Werbung

Ehrmann hat seinen Kinderquark Monsterbacke mit der Aussage "so wichtig wie das tägliche Glas Milch" möglicherweise unzulässig beworben. Das Unternehmen hätte die Behauptung mit den entsprechenden gesundheitsbezogenen Angaben belegen müssen, urteilte der Europäische Gerichtshof.

Quarkpackung: Werbung verspricht laut Gutachter eine "positive Wirkung"
DPA

Quarkpackung: Werbung verspricht laut Gutachter eine "positive Wirkung"


Luxemburg - Die Firma Ehrmann hat sich bei ihrem Fruchtquark "Monsterbacke" möglicherweise nicht an die EU-Regeln zu gesundheitsbezogenen Angaben gehalten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg am Donnerstag in einem Urteil festgestellt (Rechtssache C-609/12). Der Rechtsstreit dreht sich um die Frage, ob die Aufdruck auf der Packung "So wichtig wie das tägliche Glas Milch!" beim Verbraucher falsche Hoffnungen wecke.

Im Ausgangsverfahren hatte die deutsche Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs geklagt, weil auf der Verpackung des Quarks nicht auf den gegenüber Milch erheblich höheren Zuckergehalt hingewiesen wurde. Der BGH legte den Fall dem EuGH vor und wollte wegen rechtlicher Übergangsfristen wissen, ob Ehrmann die EU-Verordnung zu Hinweispflichten über gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel erfüllen musste.

Dazu war Ehrmann verpflichtet, wie die Luxemburger Richter nun entschieden: Ein Unternehmer, der gesundheitsbezogene Angaben macht, müsse "in eigener Verantwortung die Wirkungen des Lebensmittels auf die Gesundheit kennen", heißt es im Hinblick auf den zuckerhaltigen Quark. Das Gericht folgte damit den Anträgen seines Generalanwalts. Er hatte betont, der gesundheitsbezogene Vergleich mit der Milch könnte beim Durchschnittsverbraucher den Eindruck erwecken, der Quarkkonsum wirke sich positiv auf die Gesundheit aus.

220 gesundheitsbezogene Aussagen sind derzeit erlaubt

Der sogenannten EU-Health-Claim-Verordnung zufolge ist es Lebensmittelherstellern in Europa nicht ohne weiteres erlaubt, mit gesundheitsbezogenen Angaben zu werben. Die Unternehmen dürfen solche Aussagen nur machen, wenn wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass sie stimmen. So darf zum Beispiel ein Hersteller von Trockenpflaumen angeben, dass die Früchte zu einer normalen Darmfunktion beitragen. Von Mai an ist beispielsweise auch der Hinweis "Kohlenhydrate tragen zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei" in der Werbung erlaubt - vorausgesetzt, das Produkt erfüllt bestimmte Kriterien beim Zuckergehalt tatsächlich.

Für die Verordnung hat die EU-Kommission eine Liste mit erlaubten Behauptungen erstellt. Sie umfasst derzeit etwas mehr als 220 Aussagen. Rund 2000 weitere Angaben sollen noch geprüft werden. Im Anhang der Verordnung finden Verbraucher eine Übersicht über erlaubte Aussagen und die Bedingungen für die Verwendung der Angaben.

Verbraucherschützer sehen die Verordnung kritisch. Sie monieren, dass viele Hersteller sich der langen Liste an erlaubten Aussagen anders bedienen als ursprünglich gedacht. Sie reicherten ihre Produkte mit Vitaminen, Mineralstoffen oder sonstigen Substanzen an, um eine positive gesundheitliche Aussage auf die Verpackung drucken zu können. Dass das Produkt nach wie vor zum Beispiel viel Fett und Zucker enthalte, spiele dabei häufig keine Rolle.

(Aktenzeichen/Rechtssache: C-609/12)

nck/AFP/dpa

insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
schmusel 10.04.2014
1. Grundsätzlich zu viel Zucker
Deutsches Fertigfutter ist grundsätzlich überzuckert. Das kann jeder bestätigen der im Ausland lebt oder dort länger gelebt hat. Erst neulich wieder gestaunt, dass in einer 800g Gemüseravioli Dose von Maggi sagenhafte 32g Zucker sind. Und man schmeckts auch. Und das gilt eigentlich für alle Produkte. Sogar Kartoffelsalat ist nahezu ungenießbar. Im Umland wird zwar auch viel gezuckert, aber längst nicht so exzessiv.
humpalumpa 10.04.2014
2. Na und?
Die können doch draufschreiben, was sie wollen! Wer zu faul ist, die Packung umzudrehen und die Zutaten durchzulesen, ist doch selbst schuld! Wer ist denn so dämlich und glaubt den Mist aus der Werbung?!
loeweneule 10.04.2014
3.
Zitat von schmuselDeutsches Fertigfutter ist grundsätzlich überzuckert. Das kann jeder bestätigen der im Ausland lebt oder dort länger gelebt hat. Erst neulich wieder gestaunt, dass in einer 800g Gemüseravioli Dose von Maggi sagenhafte 32g Zucker sind. Und man schmeckts auch. Und das gilt eigentlich für alle Produkte. Sogar Kartoffelsalat ist nahezu ungenießbar. Im Umland wird zwar auch viel gezuckert, aber längst nicht so exzessiv.
Den Eindruck habe ich mittlerweile auch gewonnen. Mein Lieblingsbeispiel: Weißkrautsalat. Esse ich als Witwer schon mal ganz gerne und hoble deswegen nicht einen ganzen Weißkohlkopf in Streifen. Aber das fertige Zeugs kann ich nur genießen, wenn ich es eine Stunde lang wässre und dann mit etwas Essig und Öl neu anmache. Aber Zucker ist halt ein Konservierungsstoff...
Ratzbär 10.04.2014
4. Lesen
Zitat von humpalumpaDie können doch draufschreiben, was sie wollen! Wer zu faul ist, die Packung umzudrehen und die Zutaten durchzulesen, ist doch selbst schuld! Wer ist denn so dämlich und glaubt den Mist aus der Werbung?!
Ich möchte aber irgendwann mit dem Einkauf auch mal fertig sein und nicht einen Großteil meiner Freizeit im Supermarkt verbringen und Inhaltsangaben studieren, weil die Hersteller so einen Mist darunterrühren.
humpalumpa 10.04.2014
5.
Zitat von RatzbärIch möchte aber irgendwann mit dem Einkauf auch mal fertig sein und nicht einen Großteil meiner Freizeit im Supermarkt verbringen und Inhaltsangaben studieren, weil die Hersteller so einen Mist darunterrühren.
Na dass Werbung und Marketing nicht dadurch nutzbringend sind, dass sie dem Verbraucher nur die reinen Infos mitteilen, sondern alles verschönen, ist doch nix Neues! Und mal ehrlich, wen man seinen Kindern schon dieses Astronautenfutter kauft, wird man ja wohl grad noch die 2 Sekunden haben, draufzugucken, was das Kind denn da isst und sich nicht aus Faulheit auf die "Infos der Werbung" verlassen! Wenn Ihnen das ernsthaft zuviel investierte Zeit ist, kaufen Sie halt einfach die Rohstoffe wie Milch, Quark, Obst und machens selber. Dann wissen Sie, was drin ist und müssen nicht langwierig nachlesen...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.