EuGH zu Fluggastrechten Entschädigung für verspäteten Anschluss – auch bei verschiedenen Airlines

Der Europäische Gerichtshof hat die Rechte von Passagieren bei verspäteten Anschlüssen gestärkt – auch wenn Teilflüge von verschiedenen Airlines ausgeführt werden. Entscheidend ist, ob es sich um eine Buchung handelt.
Banger Blick auf die Anzeigetafel: Anschluss mit American Airlines verpasst

Banger Blick auf die Anzeigetafel: Anschluss mit American Airlines verpasst

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Matias Delacroix / AP

Wer den Anschlussflug verpasst, hofft zumindest darauf, für die Unannehmlichkeiten entschädigt zu werden. Damit das auch gelingt, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) nun die Rechte von Passagieren bei großer Verspätung des Fliegers gestärkt. Sie können einer Entscheidung des Gerichts zufolge auch dann Entschädigung fordern, wenn eine Reise aus mehreren Flügen besteht – und diese von unterschiedlichen Airlines durchgeführt wurde.

Selbst wenn die Airlines rechtlich nichts miteinander zu tun haben, handle es sich um »direkte Anschlussflüge« im Sinne der Fluggastrechte-Verordnung, entschieden die Luxemburger Richter, sodass eine Entschädigung gefordert werden kann. Andernfalls würde das hohe Schutzniveau für Fluggäste nicht genügend gewürdigt.

Voraussetzung für einen solchen Anspruch ist nur, dass die Flüge Gegenstand einer einzigen Buchung waren. Dazu könne ein Reisebüro die Flüge kombinieren, einen Gesamtpreis in Rechnung stellen und einen einheitlichen Flugschein ausgeben.

Nun muss der BGH entscheiden

Hintergrund ist die Klage einer Frau, die mit drei einzelnen Flügen von Stuttgart nach Kansas City reisen wollte. Bei dem ersten Flug mit Swiss von Stuttgart nach Zürich ging alles glatt, ebenso beim zweiten Flug mit American Airlines nach Philadelphia. Der Flug von Philadelphia nach Kansas City, ebenfalls mit American Airlines, landete allerdings mit vier Stunden Verspätung. Das Reisebüro hatte für die Teilflüge einen Gesamtpreis berechnet und ein einheitliches Ticket ausgegeben.

Es ist nicht die erste Entscheidung des EuGH zugunsten von Fluggästen. Im April beschloss das Gericht, dass Reisenden auch dann eine Entschädigung zusteht, wenn sie mit Verspätung an einem Flughafen außerhalb der EU landen und der Flug von einer Drittstaats-Airline durchgeführt wurde.

Im aktuellen Fall der nun klagenden Passagierin, die 600 Euro Ausgleichszahlung nach der europäischen Fluggastrechteverordnung verlangt, muss nun der deutsche Bundesgerichtshof über den konkreten Fall unter Berücksichtigung der EuGH-Rechtsprechung entscheiden.

Der Ärger vieler Urlauber über die Luftfahrt war zuletzt groß. Nach gestrichenen und verspäteten Flügen in diesem Sommer stieg die Zahl der Anträge bei der Schlichtungsstelle (SÖP). Nach ihren Daten gingen im September 3808 Schlichtungsanträge für den Bereich Flug ein. Gegenüber dem Vor-Corona-September 2019 wurde ein Anstieg um 13 Prozent verzeichnet.

In Deutschland hatte zuletzt die Praxis für Streit gesorgt, dass Reisende ihre Flugtickets bereits bei der Buchung bezahlen müssen . Das Land Niedersachsen stellte einen Antrag im Bundesrat, die Vorkasse bei Flugreisen abzuschaffen. Flugausfälle gingen fast immer zulasten der Passagiere. Diese müssten sich im Falle einer Stornierung mühsam und teils langwierig um eine Rückerstattung bemühen, argumentierte die Landesregierung.

Die Branche lehnt die auch von Verbraucherschützern verlangte Abkehr von der Vorkasse ab. Der Branchenverband BDL argumentiert unter anderem, mit dem vorab eingenommenen Geld erreichten die Fluggesellschaften eine größere Planungssicherheit und könnten die Maschinen optimal auslasten. Die Kunden könnten zudem von Frühbucherrabatten profitieren.

Aktenzeichen: C-436/21

apr/dpa/AFP
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