AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 22/2017

Die Geldfrage Warum steigt der Euro wieder?

Als Donald Trump US-Präsident wurde, schien das Schicksal des Euro besiegelt: Die europäische Gemeinschaftswährung werde weiter an Wert verlieren, prophezeiten die Experten. Warum kam es dann doch anders?

REUTERS


USA-Urlauber können sich freuen. Wer derzeit Geld für eine Reise umtauscht, kriegt wahrscheinlich mehr Dollar für seine Euro, als bei der Buchung der Reise angenommen. Immerhin knapp 1,12 Dollar ist ein Euro derzeit wert, dabei hatten noch Anfang des Jahres Starökonomen und Devisenhändler düstere Szenarien gemalt.

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Heft 22/2017
Der letzte Wille entzweit Familien - doch es geht auch friedlich. Eine Gebrauchsanweisung

Der "Patient Euro" war damals auf knapp 1,04 Dollar abgestürzt, den tiefsten Stand seit Januar 2003. Experten hielten gar einen Kurs von 1:1 bis Ende 2017 oder noch schlechter für ausgemachte Sache. Grund für die Schwarzmalerei war vor allem der Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und seine tönenden Versprechen an die heimische Wirtschaft: Schutzzölle, Aufkündigung der Nordamerikanischen Freihandelszone (Nafta), gigantische Summen für die Infrastruktur - Profianleger erwarteten goldene Zeiten, scheffelten ihr Geld ins Land, und der Dollarpreis zog derart an, dass Trump selbst erklärte: "Der bringt uns um." Entsprechend schlecht sah es für den Euro aus.

Mittlerweile aber hat sich Trump auch in ökonomischer Hinsicht entzaubert: Die Kündigung der Nafta liegt vorerst auf Eis, seine übrigen Wahlversprechen kann er allenfalls sehr eingeschränkt einlösen. Das wiederum ist schlecht für den Dollar und gut für den Euro. Allerdings kann es mit dem Höhenflug der europäischen Währung auch schnell wieder vorbei sein, wenn etwa die Europäische Zentralbank der Nullzinszeit später ein Ende bereitet, als viele Finanzprofis glauben.

Insofern lohnt es sich womöglich, die Gunst der Stunde zu nutzen und auch schon Geld umzutauschen, wenn der USA-Urlaub erst für den Sommer geplant ist.

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mpigerl 30.05.2017
1. Was sagt uns der Artikel?
Der Dollarkurs kann wieder steigen oder auch weiter fallen, dies hängt ganz vom Weltgeschehen ab.
hefe21 30.05.2017
2. Der Euro, der alte Steiger
Warum bloss? Vielleicht weil sich die Händler derzeit bei diesem Preis zu einem An- und Verkauf treffen können und sich auch beim damaligen Preis von 1,04 eine bestimmte Anzahl darauf einigen konnte? Für alle nichtangebotenen und gehandelten Devisen- und sonstige Finanzwarenbestände gilt: sie haben keinen Preis, er kann in Ermangelung angeführten Aggregatzustandes am Markt einfach nicht ermittelt werden. Und niemals steigt etwas "im Wert" oder, noch blöder, "macht Gewinne", wenn sich Preise nach oben bewegen (was im Falle des Euro eben derzeit der Fall ist) - es erhöht sich volkswirtschaftlich einzig der Finanzierungsbedarf.
geschädigter5 30.05.2017
3.
Soviel zu den sogenannten "Experten". Im Prinzip von nichts ne Ahnung. Wetterfrösche sind da wesentlich genauer. Vielleicht sollten sich ihre Börsengurus mal etwas zurück nehmen.
urbanism 30.05.2017
4.
Die sogenannten Experten zeichnen doch immer ein düsteres Szenario. (Siehe auch Brexit) Letztendlich steigen und sinken doch die Kurse bei jedem falschen Pups. Also locker bleiben, unter dem Strich schadet ein starker EURO eher dem Export, da die Waren für Drittländer teurer werden, wodurch dann andere Börsenkurse wieder beeinflusst werden...
insideman 30.05.2017
5. falsch
wer immer diesen artikel geschrieben hat sollte das ressort wechseln. inflation in der eurozone zieht stärker an als antizipiert, dadurch spielt der markt ein früheres ende von QE durch die EZB. Der markt nimmt diese entwicklung vorweg und löst vermehr euro short-positionen auf, die zu einem anstieg des EURO gegenüber dem USD führen. Mit nafta oder Trump hat das überhaupt nichts zu tun, aber hauptsache wir haben ihn mal wieder irgendwo untergebracht...
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