Kundendiskriminierung Onlineshopping in der EU soll billiger werden

Die EU-Kommission will die Grenzen beim Onlinehandel abschaffen: Firmen soll künftig untersagt werden, von Kunden etwa wegen ihres Wohnorts teurere Preise zu verlangen.

Amazon-Lager in Bad Hersfeld
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Amazon-Lager in Bad Hersfeld

Von , Brüssel


Wer gerne online einkauft, kennt das Ärgernis: Manche Shops leiten Kunden automatisch in den (nicht selten teureren) Webshop in deren Heimatland um, andere verlangen unfassbare Preise für den Versand aus dem Ausland, wieder andere beschränken die Nutzung von Online-Diensten wie etwa Video-Streamings auf das Heimatland des Kunden.

Die EU-Kommission ist bereits in der Vergangenheit gegen Formen dieses sogenannten Geoblockings vorgegangen, etwa bei Online-Video-Abos oder beim Mobilfunk-Roaming. Jetzt will das Ressort von Digitalwirtschaftskommissar Günther Oettinger dieses Vorgehen auch auf den Onlinehandel ausdehnen.

Die Verordnung, deren Entwurf SPIEGEL ONLINE vorliegt, verbietet jegliche Diskriminierung von Kunden aufgrund ihrer Nationalität oder ihres Wohnorts. Die "künstliche Marktsegmentierung zum Schaden von Kunden", die von der größeren Auswahl auf dem EU-Binnenmarkt profitieren möchten, soll beendet werden.

So soll es Firmen künftig untersagt sein, den Zugang zu ihrem Angebot aus bestimmten Ländern zu erschweren oder auf andere Versionen ihres Angebots umzuleiten. Auch bei den Preisen wäre eine Ungleichbehandlung allein auf Basis von Wohnort oder Herkunft der Kunden verboten. Sie sollen künftig Musik, E-Books, Software oder Kleidung einkaufen können, wo sie wollen.

Kommission nimmt auch Versandkosten ins Visier

In der Einleitung zu dem Entwurf kündigt die Kommission auch eine Verordnung zu Portokosten an. Grenzüberschreitende Paketlieferungen seien oft zwei- bis fünfmal teurer als im Inland, ohne dass dies mit tatsächlichen Kosten oder größeren Entfernungen zu rechtfertigen sei.

Zwar will die Kommission keinen direkten Einfluss auf Portotarife nehmen, aber eine Meldepflicht einführen und die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Aufsichtsbehörden stärken. Das werde nach Ansicht der Kommission sowohl die Fairness für Verbraucher als auch die Absatzchancen für kleine und mittlere Unternehmen steigern.

Die Verordnungen sollen am 25. Mai im Zuge eines Maßnahmenpakets zum digitalen Binnenmarkt offiziell vorgestellt werden. Sie müssen anschließend von EU-Staaten und vom Europaparlament gebilligt werden und wären dann EU-weit sofort wirksam. Vorgesehen sind lediglich einige Monate Karenzzeit, um Handelsunternehmen technische Umstellungen zu ermöglichen, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission.

Das komplette Verfahren soll nach den Vorstellungen der Behörde noch in diesem Jahr, spätestens aber bis Ende 2017 geschehen - zumal im Sommer 2017 auch die Roaming-Gebühren abgeschafft werden.

Zusammengefasst: Die EU-Kommission geht gegen die Benachteiligung von EU-Bürgern beim Online-Handel vor. Überhöhte Preise, Zugangsblockaden zu Onlineshops in anderen Ländern und andere Formen der Diskriminierung internationaler Kunden sollen verboten werden - damit alle Kunden aus der EU die Vorteile des Binnenmarkts nutzen können.



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