Kampf gegen Fälschungen Amazon zieht mehr als drei Millionen Produkte aus dem Verkehr

Der Onlinehändler Amazon zieht Bilanz im Wettlauf gegen gefälschte Produkte. Demnach wurden 2021 millionenfach betrügerische Artikel ausgesiebt. Zugleich wehrt sich der Konzern gegen strengere Vorgaben in den USA.
Amazon-Logistikcenter in Kalifornien: Betrüger sollen es schwer haben

Amazon-Logistikcenter in Kalifornien: Betrüger sollen es schwer haben

Foto: Kevork Djansezian / AFP

Amazon bescheinigt sich selbst erhebliche Fortschritte im Kampf gegen den Verkauf gefälschter Waren auf der Plattform. So seien im vergangenen Jahr mit Beteiligung des Konzerns mehr als drei Millionen Produktfälschungen ausgehoben worden, wie aus einem Bericht des Unternehmens hervorgeht.

Dabei gehe es sowohl um Artikel, die in den Logistikkreislauf des weltgrößten Internethändlers gebracht werden sollten, als auch um Fälle, in denen Amazon Unternehmen und Behörden Hinweise etwa auf Lager von Fälschern geben konnte. Im Jahr 2020 konnte Amazon nach früheren Angaben mehr als zwei Millionen gefälschte Produkte heraussieben, die an Logistikzentren des Konzerns geschickt wurden.

Amazon verkauft Waren nicht nur selbst, sondern tritt auch als Plattform für andere Händler auf. Besonders letzteren Weg versuchen Produktfälscher oft als Einfallstor zu nutzen. Im vergangenen Jahr weitete der Konzern deswegen etwa die Kontrollen beim Einrichten eines Händleraccounts aus.

Amazon will Betrüger schon vorher aussieben

Unter anderem in den USA, Großbritannien und den EU-Ländern würden seit vergangenem Jahr alle Bewerber persönlich verifiziert. Das schrecke ab, sagte Amazon-Managerin Anna Dalla Val. Deshalb sei die Zahl der von Amazon blockierten Versuche, einen neuen Händleraccount anzumelden, binnen einem Jahr von 6 auf 2,6 Millionen gesunken. Auch das Angebot bestehender Händler werde automatisiert nach Anzeichen für Produktfälschungen durchforstet.

Den von Produktpiraterie betroffenen Unternehmen bietet Amazon unter anderem an, sich zu registrieren und Verletzungen ihrer Markenrechte zu melden. An diesem Programm nahmen Amazon zufolge im vergangenen Jahr mehr als 700.000 Marken teil. Im Jahr zuvor waren es noch 500.000. Zugleich hätten sie im Schnitt ein Viertel weniger Verstöße gemeldet. Amazon erklärt den Rückgang mit dem Erfolg der proaktiven Maßnahmen.

Mehr als 900 Millionen Dollar für Betrugsbekämpfung

Juozas Kaziukenas, der Gründer des E-Commerce-Forschungsunternehmens Marketplace Pulse, sagte jedoch der Nachrichtenagentur AP, dass es schwer zu beurteilen sei, ob die Richtlinien von Amazon zu den Rückgängen geführt haben oder ob andere Faktoren eine Rolle spielten.

Gefälschte Produkte sind ein großes Problem für Amazon und andere E-Commerce-Händler wie etwa Ebay. Amazon hat in den vergangenen Jahren seine Bemühungen zur Bekämpfung von Fälschungen verstärkt, da Marken und Gesetzgeber auf eine Anti-Fälschungsgesetzgebung drängen.

2021 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 900 Millionen Dollar für die Betrugsbekämpfung ausgegeben und mehr als 600 Verkäufer in den USA und anderen Ländern wie China verklagt oder eine Untersuchung angestoßen. Amazon legt nicht offen, woher die meisten gefälschten Produkte stammen, aber China gilt als Problem.

Laut Marketplace Pulse ist der Anteil der in China ansässigen Tophändler auf Amazons Drittanbieter-Marktplatz seit Ende 2020 stetig gesunken. Experten sagen, dass sowohl pandemiebedingte Lieferkettenprobleme Ursache sind als auch die jüngsten Bemühungen des Unternehmens, gegen verbotene Aktivitäten vorzugehen. Dazu zählt auch der Kampf gegen gefälschte Bewertungen. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mehrere prominente Verkäufer aus China suspendiert und Berichten zufolge 50.000 Händler wegen Regelverstößen aus dem Verkehr gezogen.

Die Daten von Marketplace Pulse zeigen, dass 55 Prozent der Topverkäufer auf dem US-Marktplatz von Amazon Unternehmen mit Sitz in den USA sind. Im November 2020 lag deren Anteil noch bei 48 Prozent.

Amazon will nicht für Fälschungen haftbar gemacht werden

Amazon unterstützt eine Gesetzesvorlage des US-Repräsentantenhauses, das Onlinemarktplätze dazu verpflichten würde, Kontakt- und Finanzinformationen von Verkäufern mit hohem Verkaufsvolumen zu sammeln und einige dieser Informationen an Verbraucher weiterzugeben.

Andererseits wehren sich Amazon und Ebay als Mitglieder der Lobbygruppe TechNet gegen einen anderen Gesetzentwurf, der die E-Commerce-Plattformen für gefälschte Waren haftbar machen würde, die auf ihren Websites verkauft werden. Ein Amazon-Sprecher teilte mit, das Unternehmen erkenne die Absicht der Gesetzgebung an, Fälschungen zu stoppen und freue sich auf die Zusammenarbeit mit dem Kongress, um dieses Ziel zu erreichen.

mmq/dpa/AP