"Movie Money" Polizei, Handel und Banken konfiszieren deutlich mehr Falschgeld

Behörden haben rund 25 Prozent mehr Falschgeld im ersten Halbjahr in Deutschland aus dem Verkehr gezogen. Dafür verantwortlich: Im Internet verkauftes Filmgeld - obwohl die Täuschung leicht zu erkennen ist.
Einen gefälschten 50-Euro-Schein untersucht Klaus-Dieter Ehling, Falschgeldexperte beim Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild)

Einen gefälschten 50-Euro-Schein untersucht Klaus-Dieter Ehling, Falschgeldexperte beim Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild)

Foto: Z1003 Jens Büttner/ dpa/dpaweb

Auf den Geldscheinen steht "Movie Money" - und trotzdem fallen viele Menschen darauf rein: Vor allem weil mehr Filmgeld im Umlauf ist, steigen in Deutschland die Falschgeldzahlen. Diese Blüten werden im Internet als Requisite für Film und Theater beworben und stammen oft aus Asien.

Insgesamt zogen Polizei, Handel und Banken in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2020 gut 34.100 Blüten aus dem Verkehr. Das waren 24 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2019, wie die Deutsche Bundesbank mitteilte.

Etwa ein Drittel davon war "Movie Money". Dabei sind die Fälschungen eigentlich leicht zu erkennen, wie Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann sagte: "Es steht sogar 'Movie Money' auf der Vorderseite oder 'Prop copy' auf der Rückseite." Es handele sich um einfache Druckfälschungen ohne Sicherheitsmerkmale. So hatte ein Mann im Mai sogar versucht, seine Strafe im Gericht mit Filmgeld zu bezahlen. Er scheiterte jedoch an der aufmerksamen Kassiererin.

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Immer mehr gefälschte Zehner und Zwanziger

Diese veränderten Banknotenabbildungen werden Experten zufolge seit der zweiten Jahreshälfte 2019 zur Täuschung im Zahlungsverkehr eingesetzt. Der Trend beim "Movie Money" habe sich im ersten Halbjahr 2020 verstärkt, "obwohl die Menschen in der Coronakrise weniger Geld ausgeben", sagte Beermann. Der für Bargeld zuständige Bundesbank-Vorstand mahnte, gerade beim Zehner und Zwanziger genau hinzusehen. "Die Fälscher setzen vor allem auf 10- oder 20-Euro-Scheine, weil Menschen bei diesen Banknoten nicht so genau wie bei Fünfzigern oder noch höheren Stückelungen hinschauen."

Der Anteil der gefälschten Zehner und Zwanziger am Gesamtaufkommen der Blüten stieg von 34 Prozent im zweiten Halbjahr 2019 auf inzwischen 46 Prozent.

Das Filmgeld wird auf Internetplattformen unter anderem bei Amazon oder Ebay beworben - auch als Scherzartikel oder Souvenir. Wer die Scheine in Verkehr bringt, macht sich strafbar. So verhaftete das bayerische Landeskriminalamt im Mai einen 24-Jährigen und beschlagnahmte 145.000 Euro Falschgeld. Dabei handelte es sich um "Prop-copy-Banknoten", die der Verdächtige im Internet erworben und deutschlandweit weiterverkauft haben soll.

Die Notenbanken im Euroraum haben seit 2013 eine zweite Serie von Euroscheinen mit neuen Sicherheitsmerkmalen in Umlauf gebracht. Vor allem das durchsichtige Porträtfenster und die Smaragdzahl, die beim Kippen des Scheins die Farbe ändert, sollen Fälschern die Arbeit erschweren. Bei den im vergangenen Jahr ausgegebenen neuen 100- und 200-Euro-Scheinen gibt es zudem ein "Satelliten-Hologramm", in dem sich kleine Eurosymbole bewegen.

Acht Blüten auf 10.000 Einwohner in Deutschland

"Wenn keiner auf die Sicherheitsmerkmale achtet, nützen aber auch die besten Sicherheitsmerkmale nichts", sagte Beermann. Trotz des Anstiegs im ersten Halbjahr ist das Risiko, in Deutschland mit Falschgeld in Berührung zu kommen, nach wie vor sehr gering. "Rechnerisch entfallen pro Jahr rund acht falsche Banknoten auf 10.000 Einwohner", sagte Beermann. Der Schaden durch die Blüten lag im ersten Halbjahr bei 1,6 Millionen Euro und entsprach damit etwa dem Niveau des Vorjahreszeitraumes.

Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Falschgeldentwicklung gibt es Corona-bedingt nicht. Beermann sagte dazu: "Die Bundesbank hat während des Lockdowns ihre Filialen am Laufen gehalten und die Experten im Nationalen Analysezentrum der Bundesbank in Mainz waren weiter im Einsatz. In einigen Ländern des Euroraums war das nicht der Fall."

caw/dpa-AFX

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