Kostenexplosion Fertighausbauer bekommen deutlich weniger Neuaufträge

Hohe Zinsen und steigende Baukosten verderben vielen Menschen den Traum vom Eigenheim. Die Zurückhaltung bekommen auch Fertighausanbieter zu spüren. Mit Rabatten wollen sie dennoch nicht locken.
Rohbau eines Fertighauses: Bauherren halten sich zurück

Rohbau eines Fertighauses: Bauherren halten sich zurück

Foto: Daniel Maurer / dpa

Nach Jahren des Booms sorgen gestiegene Bauzinsen und die hohe Inflation für sinkende Auftragseingänge bei Fertighausanbietern. »Seit ein paar Monaten spüren wir eine große Zurückhaltung«, sagte der Präsident des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF), Mathias Schäfer, der Nachrichtenagentur dpa.

»Da bündeln sich gerade mehrere Effekte«, erläuterte er. Die Bundesförderung für Neubauten sei in diesem Jahr kurzfristig ausgelaufen, die Baupreise seien auch wegen der Inflation und Materialknappheit gestiegen, und durch die hohen Bauzinsen seien die Finanzierungen deutlich teurer. Vielen Fertighausanbietern fehle nun die Planungssicherheit.

In den vergangenen Jahren hatte der Fertigbau einen Boom erlebt. Fast jedes vierte (23,1 Prozent) neu gebaute Ein- und Zweifamilienhaus in Deutschland ist mittlerweile ein Fertighaus. Der Marktanteil wächst seit der Jahrtausendwende stetig.

Kaum Hoffnung auf Nachlässe

Die geringere Nachfrage wird nach Einschätzung des Bundesverbands zumindest kurzfristig nicht zu Preisnachlässen führen. Dafür seien die Materialkosten zu hoch. Einzelne Produkte wie Holz seien zwar günstiger geworden, weil die weltweite Nachfrage abgenommen habe, sagte BDF-Präsident Mathias Schäfer. »Ob das ein langfristiger Effekt ist, können wir jetzt nicht sagen.«

Auch Johannes Schwörer, Geschäftsführer des gleichnamigen Fertighausbauers, sagte mit Verweis auf hohe Materialpreise: Weniger Nachfrage heiße nicht, dass die Preise fallen würden. Etwa 300.000 Euro müssen Bauherren demnach im Schnitt für ein Fertighaus in Holzständerbauweise bezahlen.

Die Verunsicherung durch die Inflation wiege für seine Branche schwer, sagte Schwörer. »Es ist ganz wichtig, dass man den Endverbraucher nicht so verunsichert, dass er sich total ins Schneckenhaus verzieht und gar nichts mehr macht.« Dies würde dann noch viel mehr Wirtschaftszweige betreffen.

Die Fertighausbauer können die Zurückhaltung am Markt an ihrem Auftragseingang ablesen. »Die Vertriebszahlen sind deutlich rückläufig«, sagte Schwörer. »Das macht noch nichts, weil wir einen großen Auftragsbestand haben.« Doch auch der sei irgendwann abgearbeitet.

Im Schnitt verkauft Schwörer 1000 Häuser im Jahr. 2021 verkaufte das Unternehmen sogar 1200. Nun rechnet das Unternehmen nur noch mit 700 Vertragsabschlüssen für 2022. Auch andere Fertighausanbieter berichten von deutlich weniger Aufträgen.

mmq/dpa
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