Mini-Zinsen Wo der Bankwechsel lohnt

Banken aus Frankreich und den Niederlanden drängen auf den deutschen Markt - und bieten den Kunden deutlich höhere Zinsen als die heimischen Sparkassen und Volksbanken. Für Kunden sollte dies ein Signal zum Wechseln sein.

Bankautomat in Berlin (Archivbild): Kaum Zinsen für das Spargeld
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Bankautomat in Berlin (Archivbild): Kaum Zinsen für das Spargeld

Eine Kolumne von


Wenn Sie Ihre halbwüchsigen Kinder diesen Namen aussprechen lassen, ist Gekicher programmiert: CACF heißt die neue französische Bank auf dem deutschen Markt, gesprochen kackf.

Sie bietet Sparern für ein einjähriges Festgeld 1,6 Prozent Zinsen, für drei Jahre sogar 1,9 Prozent. Das Interessante dabei: Diese Franzosen sind keineswegs Neulinge auf dem europäischen Bankenmarkt, vielmehr handelt es sich um eine Tochter der Genossenschafts-Großbank Crédit Agricole. CACF steht nämlich für Crédit Agricole Consumer Finance.

Mit hohen Zinsen kämpft neben der CACF eine weitere Tochter der Crédit Agricole um neue Kunden, die Creditplus Bank. Außerdem buhlen die niederländische Großbank ABN Amro mit der Tochter Moneyou sowie die riesige niederländische Autoleasing-Gesellschaft Leaseplan mit ihrer Tochter Leaseplan Bank um deutsche Verbraucher sowie die niederländische NIBC direct - ebenfalls mit attraktiven Zinsen. Alle bieten deutlich mehr als ein Prozent für Festgeld bei Laufzeiten bis zu drei Jahren. Eine Übersicht finden Sie hier.

Die Niederländer und die Franzosen springen damit in die Lücke, die sich zwischen deutschen Banken und Sparkassen einerseits sowie russischen und türkischen Banken andererseits aufgetan hat. Den heimischen Instituten vertrauen die Kunden zwar grundsätzlich ihr Spargeld an, bekommen dafür aber kaum mehr Zinsen. Die russischen und türkischen Banken locken mit attraktiven Renditen, deutsche Kunden trauen ihnen aber oft nicht über den Weg.

Außerdem sagen die großen Institute aus unseren westlichen Nachbarländern mit ihren Zinssätzen Sparportalen wie Weltsparen und Savedo den Kampf an. Diese gehen mit Bankangeboten aus Tschechien, Portugal, Polen oder Bulgarien und höheren Zinsen auf den deutschen Markt.

Die französischen und niederländischen Alternativen richten sich vor allem an ältere Kunden mit viel flüssigem Geld. Die schauen derzeit mit einem gewissen Unverständnis auf die Sparangebote, die ihnen ihre Hausbanken machen - seien es deutsche Großbanken oder die in der Fläche dominierenden Sparkassen und Volksbanken. Die Sparkasse Leipzig etwa bietet gerade mal 0,05 Prozent für das einjährige Festgeld, die Franzosen zahlen mit ihren 1,6 Prozent eine Rendite, die 32-mal so hoch ist.

Mit 0,01 Prozent Zinsen nach Hause geschickt

Wer glaubt, Leipzig sei alleiniger Ausreißer nach unten, der irrt. An der niederländischen und französischen Grenze sieht es nicht besser aus. Die Sparkasse Freiburg offeriert auf ihrer Homepage ein "Sparkassen-Rendite Sparen". Es folgt die offenkundig rhetorische Frage: "Wer bietet mehr?"

Beim Rendite-Sparen in Freiburg bekommt man auch nur 0,05 Prozent Zinsen. Und wer sich fürs Tagesgeldkonto der Sparkasse entscheidet, wird sogar mit 0,01 Prozent Zinsen nach Hause geschickt. Zum Vergleich: Der derzeit ziemlich zerzauste VW-Konzern lässt seine Banktöchter Volkswagen Bank und Audi Bank fürs Tagesgeld aktuell 1,25 Prozent Zinsen anbieten - 125-mal so viel wie die Sparkasse Freiburg.

Wäre ich ein Sparer im Breisgau, würde mich das betrüben. Richtig ärgern aber würde ich mich über die Frechheit unter der Überschrift "Sparkassen-Zuwachssparen": "Von Jahr zu Jahr einfach besser", heißt es da. Tatsächlich: Im ersten Jahr zahlt die Sparkasse 0,03 Prozent Zinsen, im zweiten Jahr 0,04 Prozent und im dritten Jahr 0,05 Prozent.

Auch 130 Kilometer rheinabwärts in Karlsruhe werden viele Sparer nicht besonders gut bedient. Die dortige Volksbank Karlsruhe bietet für das Tagesgeld auch die 0,05 Prozent Zinsen an, die in vielen Regionen Deutschlands Standard zu werden drohen. Jenseits von 500.000 Euro Einlage fordert die Volksbank ihre Kunden auf, doch individuelle Vereinbarungen mit ihr zu treffen. Auf dem Sparkonto Plus zahlt die Volksbank Karlsruhe übrigens bei Anlagen bis zu 250.000 Euro 0,1 Prozent Zinsen.

Weiter nach Norden, an den Niederrhein: In Kleve, 15 Kilometer vor der niederländischen Grenze, tut man sich sogar schwer, überhaupt noch Sparkonditionen auf der Homepage der Volksbank Kleverland zu listen. Auch ein Preisaushang für neugierige Kunden fehlt im Internetauftritt der Bank.

Die Sparkassen im südlichen Grenzgebiet nach Holland sind immerhin noch auskunftsfreudig: In Aachen, direkt im Dreiländereck mit den Niederlanden und Belgien, zahlt die Sparkasse ihren Kunden fürs Tagesgeld 0,03 Prozent. Selbst den Kindern werden beim Junior-Sparkonto nur noch 0,03 Prozent Zinsen angeboten - und das ausgerechnet in der Woche vor dem Weltspartag.


Haben Sie vergleichbar gute Sparangebote bei einer Bank oder Sparkasse in Deutschland entdeckt, schreiben Sie mir bitte: hermann.tenhagen@finanztip.de.


Zum Autor
  • Finanztip
    Hermann-Josef Tenhagen (Jahrgang 1963) ist Chefredakteur von "Finanztip". Der Verbraucher-Ratgeber ist gemeinnützig. "Finanztip" refinanziert sich über sogenannte Affiliate-Links. Mehr dazu hier.

    Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.



insgesamt 23 Beiträge
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tommit 26.10.2015
1. Und nochmal Herr Tenhagen
Volksbanken und Sparkassen investieren wie lokale Energieversorger in die lokale Kultur und die lokale Wirtschaft. Also bitte seien sie nicht so ein Erbsenzähler und jonglieren nur Geldwerte und Prozente, sonst misst man sie auch nur noch daran... Danke Jeder der gerne sein Geld nach Übersee verfrachtet darf dies gerne tun, soll sich aber nicht wundern wenn man anschliessend in der Nachbarschaft die Bordsteine hochklappt und der eigene Hauswert sinkt...
Nonvaio01 26.10.2015
2. sparen lohnt generell nicht
am besten man legt es in werte an. Am besten Immobilien. Es macht mehr sind ein Haus zu kaufen und es zu vermieten, wer 30k oder mehr gespart hat sollte das Geld nutzten um ein Haus zu kaufen, lieber kredit raten zahlen, die laesst man dann faktisch vom vermieter zahlen. in 20-30 Jahren gehoert einem das Haus, und die Miete ist reiner gewinn fuers alter, dazu kommt die wertsteigereung des Hauses. Ich bringe mein geld bestimmt nicht zur sparkasse..;-)
Rubyconacer 26.10.2015
3. Französische Bauernbank pleite?
War das nicht die Skandalbank in 2008? Ok, Royal Bank of Scotland und Kaupthing auch. Aber DAS Vertrauen müssen die Banken bei den Kunden erstmal mühsam wieder zurückgewinnen!
tommit 26.10.2015
4. Und noch etwas Herr Tenhagen
rechnerisch hätte Griechenland mit 12 Mio EInwohnern mit dem Betrag der europäischen EInlagensicherung bei gleicher Verteilung des Geldes .. 100000 Euro pro Kunde insgesamt 3 mal gerettet werden können.. So:Druchschnttserparnis pro Grieche 30000 Euro mal 12 Mio = ca. 360 Milliarden Euro (ungefähr auch die Schulden) 100000 / 30000 = 3,33 Und das soll sicher sein? Aber man kann ja auch zu Weltsparen gehen 2,5% in Bulgarien und es hat den Vorteil dass es nicht der Ertragssteuer angerechnet wird bevor es thesauriert hat. Its das etwa ein Versuch die Grenzstaaten der EU mit SParergeld anzufetten?
WwdW 26.10.2015
5. schon wieder
Der Herr hat doch schon isländische Geldhäuser empfohlen. Die gierigen haben es getan und haben sehr viel verloren - zurecht. Herr Tenhagen lassen sie es solche Tipps zu geben.
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