»Keine Kompromisse, um Kunden zu halten« Bafin mahnt Versicherer zu Preiserhöhungen

Verbraucher müssen sich auf steigende Kosten bei der Kfz- und Wohngebäudeversicherung einstellen. Die Finanzaufsicht drängt die Anbieter sogar zu höheren Beiträgen – und warnt vor Rabattaktionen.
Verkehrsunfall in Berlin: Schäden sind mit höheren Kosten verbunden

Verkehrsunfall in Berlin: Schäden sind mit höheren Kosten verbunden

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Finanzaufsicht Bafin erwartet für Versicherungsunternehmen in Deutschland ein schwieriges Jahr 2023 und sagt den Verbraucherinnen und Verbrauchern höhere Beiträge voraus.

»Versicherer müssen ihr Geschäft sturmfest machen«, sagte Deutschlands oberster Versicherungsaufseher Frank Grund laut Redetext bei der Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht. Die Kosten für die Begleichung der Schäden stiegen. »Wir brauchen in den Unternehmen ausreichende Puffer bei Kapital und Liquidität.«

Der Versicherungsbranche gehe es derzeit noch gut. Allerdings müssten Schaden- und Unfallversicherer wegen der steigenden Inflation ihre Rückstellungen schon im laufenden Jahr erhöhen und bei der Berechnung der Prämien für die Zukunft höhere Schäden einpreisen, mahnte der Aufseher.

»Puffer nicht restlos aufbrauchen«

Grund warnte die Branche davor, Kunden mit Rabatten zu ködern. Sie sollten »keine Kompromisse bei den Preisen eingehen, um Kunden zu halten«.

»Aus Sicht der Bafin ist es nicht akzeptabel, lediglich darauf zu wetten, dass sich die hohen Inflationsraten normalisieren, und in der Zwischenzeit bestehende Puffer in den Reserven restlos aufzubrauchen«, sagte Grund. »Das geht nicht.« So erwarte die Deutsche Bundesbank für 2023 eine Inflation von mehr als sieben Prozent. Mit den Preisen stiegen auch die Schadenaufwendungen schon im laufenden Jahr »signifikant«.

Das müsse sich auch auf die Versicherungsprämien auswirken: »Die gestiegene Inflation wird daher im Jahr 2023 zwingend höhere Beiträge in der Schaden- und Unfallversicherung nach sich ziehen«, und zwar nicht nur für Neukunden, sondern auch bei bestehenden Kunden, sagte Grund. »Wir erwarten steigende Prämien vor allem in der Wohngebäude- und in der Kraftfahrtversicherung, aber auch in anderen Zweigen.«

In den vergangenen Wochen hatten bereits die großen Rückversicherer Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück auf eine Erhöhung der Prämien gepocht, die sich über Erstversicherer wie Allianz oder HUK Coburg auch auf die Endkunden auswirken dürften.

Die Hannover Rück hält im deutschen Kfz-Geschäft Prämienerhöhungen um mindestens zehn Prozent für notwendig, um die steigenden Kosten für Teile und Reparaturen auszugleichen. In der Wohngebäudeversicherung dürften es sogar 15 Prozent sein, hatte Deutschlandchef Michael Pickel gesagt.

mmq/dpa/Reuters
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