Befragung von Finanzminister Scholz Finanzausschuss setzt Sondersitzung zu Wirecard an

Es ist ein Betrugsfall mit Verbindungen zu Geheimdiensten und in die Politik: der Wirecard-Skandal. Der Finanzausschuss des Bundestages will Finanzminister Olaf Scholz zu der Affäre befragen - und zwar noch im Juli.
Wirecard-Logo auf der Videospielmesse Gamescom in Köln (Archiv)

Wirecard-Logo auf der Videospielmesse Gamescom in Köln (Archiv)

Foto: Wolfgang Rattay/ REUTERS

Der Finanzausschuss des Bundestages will in einer Sondersitzung am Mittwoch nächster Woche über den milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandal beraten. Darauf verständigten sich die Obleute der Bundestagsfraktionen in einer Telefonkonferenz, wie die Nachrichtenagentur Reuters von Teilnehmern erfuhr. Zu der Sitzung werde auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erwartet.

Die SPD-Finanzpolitikerin Cansel Kiziltepe forderte, auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) solle in der Sondersitzung zum Wirecard-Skandal Stellung nehmen.

"Die parlamentarische Aufklärung des Wirecard-Skandals kann nicht warten", sagte Grünenfinanzpolitikerin Lisa Paus. Darum hätten die Grünen auf eine weitere Sitzung des Finanzausschusses "noch in der Sommerpause" gedrängt.

Scholz gerät in der Affäre inzwischen ebenfalls verstärkt in die Kritik. Einige Abgeordnete werfen dem SPD-Politiker vor, dem Parlament Informationen vorenthalten zu haben. Scholz hat nun die Vorwürfe einer mangelnden Aufklärung zurückgewiesen, die Firma sei von Wirtschaftsprüfern mit tadellosem Ruf überprüft worden.

Wirecard hatte im Juni mutmaßliche Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt, die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen ehemalige und aktive Manager. Scholz wird in dem Skandal unter anderem vorgeworfen, Ermittlungen nicht entschieden genug vorangetrieben zu haben. Der Chef der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, wies Vorwürfe gegen seine Behörde zurück und sieht bei einer besseren Regulierung von Techunternehmen den Gesetzgeber in der Pflicht. Grüne und FDP drohten mit einem Untersuchungsausschuss im Bundestag, falls die geforderte Aufklärung ausbleibe, die Linke hält diesen bereits für "unausweichlich".

Unterdessen hatte sich der flüchtige Wirecard-Manager Jan Marsalek nach SPIEGEL-Informationen offenbar zunächst nach Weißrussland abgesetzt. Von dort aus könnte er sich weiter nach Moskau abgesetzt haben, wo er sich laut "Handelsblatt" möglicherweise in der Obhut des russischen Militärgeheimdienstes GRU befinde .

beb/dpa/Reuters