Internetportal Justizminister Maas will Tricks von Finanzberatern enttarnen

Viele Bürger misstrauen Finanzberatern, ganz allein sind sie aber mit der Geldanlage überfordert. Mit einem Portal will Justizminister Maas Abhilfe schaffen. Es zeigt, welche Arten von Beratern es gibt - und mit welchen Mitteln sie ihr Geld verdienen.
Paar beim Beratungsgespräch: "Nicht vom Auftreten der Berater beeinflussen lassen"

Paar beim Beratungsgespräch: "Nicht vom Auftreten der Berater beeinflussen lassen"

Foto: Corbis

Hamburg - "Wie und von wem werden Sie bezahlt?" Eine Frage, die man anderen im Alltag nur selten stellt. Dabei kann es die allerwichtigste Frage sein - etwa, wenn auf der anderen Seite ein Finanzberater sitzt.

Der Ruf der Branche hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Finanzberater drehten deutschen Kleinanlegern wie den sogenannten "Lehman-Omas" riskante Papiere an, die sich im Laufe der Krise dann als wertlos erwiesen. Angekurbelt wurden die Geschäfte durch Provisionen für die Verkäufer, von denen viele Kunden nichts ahnten.

Mittlerweile sollen gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokolle das Geschäft mit Finanzprodukten zwar transparenter machen. Doch bislang pfuschen Berater häufig bei den Protokollen, viele Deutsche fühlen sich immer noch schlecht beraten: Allein im ersten Halbjahr 2014 gingen 4234 Beschwerden bei der Finanzaufsicht BaFin ein.

Nun soll ein Internetportal helfen, windige Berater zu enttarnen. Unter www.wegweiser-finanzberatung.de können sich Bürger seit Freitag über die Branche informieren. Dabei werden sie auch zu unbequemen Fragen wie der nach der Bezahlung ermutigt. Entwickelt wurde die Seite vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen, gefördert wird sie durch das Justiz- und Verbraucherschutzministerium von Heiko Maas (SPD). Die Seite sei "eine tolle Möglichkeit, sich über die unterschiedlichen Beratungsmöglichkeiten zu informieren", sagte der zuständige Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) SPIEGEL ONLINE.

Wirklich kostenlose Finanzberatung, so die Kernbotschaft des Portals, gibt es nicht. Wer keinen Berater gegen Honorar beschäftigen will, zahle letztlich über versteckte Kosten oder schlechtere Konditionen für die Vermittlung. "Lassen Sie sich nicht vom persönlichen Auftreten der Berater beeinflussen", mahnen die Autoren des Portals. Diese seien rhetorisch geschult und könnten Gesprächsabläufe deshalb besser kontrollieren. Zugleich warnt die Seite aber auch davor, Anlageentscheidungen im Alleingang zu treffen: "Es besteht auch die Gefahr, dass Sie ihre Fähigkeiten überschätzen."

Doch was tun, wenn man weder den Beratern noch dem eigenen Urteilsvermögen völlig vertraut? Die Seite empfiehlt eine möglichst ausführliche Vorbereitung, zu der besonders die bewusste Auswahl des Beraters gehört. Dazu werden sechs verschiedene Beratertypen vorgestellt - vom sogenannten Ausschließlichkeitsvertreter, der allein für einen Anbieter arbeitet, bis zum Honorarberater, der von einzelnen Unternehmen unabhängig ist.

Der Nutzer kann für jede Vertriebsform Vor- und Nachteile vergleichen. Bei den umstrittenen Strukturvertrieben wird etwa die technische Ausstattung als "vielfach von ganz ausgezeichneter Qualität" gelobt. Dass die Vertreter für ihre Einnahmen komplett auf den Verkauf von Produkten angewiesen sind, wirke sich jedoch "nicht so qualitätsfördernd aus".

Beratung ohne Sachkunde

Interessant ist auch der Blick auf die notwendigen Qualifikationen. So lernt der Portalnutzer, dass Kreditmakler keinerlei Sachkunde nachweisen müssen. Bankberatern hingegen wird eine vergleichsweise gute Ausbildung attestiert. Dennoch gebe es auch bei ihnen viele versteckte Kosten - etwa in Form zu niedriger Zinsen.

Auch wie gut die unterschiedlichen Beratertypen erreichbar sind oder wer ihre Arbeit überwacht, zeigt das Portal. Zudem finden sich zu allen Gruppen Einschätzungen von Verbraucherschützern und Stellungnahmen der jeweiligen Branchenverbände. Wer sich durch all das durchgearbeitet hat, dürfte um einiges sicherer zur Finanzberatung gehen. Die Frage nach der Bezahlung muss er dann aber immer noch allein stellen.

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