"Finanztest" Alles, was Sie über die Pflegeversicherung wissen müssen

Bereits 2,4 Millionen Deutsche bekommen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Und es werden immer mehr. Aber wer erhält überhaupt Geld? Sind Kinder unterhaltspflichtig? Und wie sorgt man am besten vor? Antworten auf die drängendsten Fragen.
Rollstuhlfahrer: Nicht nur die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt

Rollstuhlfahrer: Nicht nur die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt

Foto: DPA

Hamburg - Es ist für viele Menschen ein Tabuthema. Und dennoch eine der größten Herausforderungen für eine alternde Gesellschaft: die Pflege alter und hilfebedürftiger Menschen.

Deshalb hat die Zeitschrift "Finanztest" ein Themenpaket zusammengestellt. Es informiert unter anderem darüber, wofür es Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt und wie man an die Gelder kommt, wie hoch der Unterhalt an die Eltern sein darf und was private Zusatzversicherungen taugen. Dazu haben die Experten 30 Versicherungsangebote für Pflegetagegeld getestet.

1.) Was die Pflegeversicherung zahlt

Rund 2,4 Millionen pflegebedürftige Menschen bekommen Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Da die meisten Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen versorgt werden, ist dies für sie und ihre Familien eine wichtige Hilfe. Doch erst einmal müssen sie herausfinden, was ihnen zusteht: Neben dem monatlichen Pflegegeld oder der Kostenübernahme für professionelle Pflegedienste gibt es zum Beispiel Zuschüsse für den barrierefreien Umbau der Wohnung oder für die Anschaffung eines Badewannenlifts. Die Pflegeversicherung zahlt auch, wenn die pflegende Person erkrankt ist oder Urlaub braucht.

2.) So bekommen Sie Geld von der Pflegeversicherung

Leistungen der Pflegeversicherung kommen nicht von selbst: Pflegebedürftige Menschen müssen sie bei ihrer Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung beantragen. Ein medizinischer Gutachter prüft, wie viele Stunden am Tag jemand Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen wie Aufstehen, Körperpflege oder Essen braucht. Danach richtet sich die Pflegestufe, von der wiederum die Höhe der Leistungen abhängt. Demenzkranke Menschen, die körperlich noch fit sind, bekommen nach dieser Definition oft keine Pflegestufe. Trotzdem können ihre Angehörigen bis zu 2400 Euro im Jahr für die Betreuung und Beaufsichtigung bekommen.

3.) Wann Kinder für ihre Eltern zahlen müssen

Ein Platz im Pflegeheim kostet leicht 3000 bis 4000 Euro im Monat. Reichen Zahlungen aus der Pflegeversicherung, Einkommen und Vermögen der pflegebedürftigen Eltern nicht, springt zunächst das Sozialamt ein. Anschließend versucht die Behörde, Geld bei den Kindern einzutreiben. Seit Anfang des Jahres ist jedoch der Selbstbehalt erhöht. Das heißt: Kinder dürfen mehr Geld für sich behalten. Der Mindestselbstbehalt für die zum Elternunterhalt verpflichteten Kinder beträgt nun nach der Düsseldorfer Tabelle 1500 Euro (vorher 1400 Euro). Für einen Ehepartner kommt ein Mindestselbstbehalt in Höhe von 1200 Euro (ehemals 1050 Euro) dazu. Im Einzelfall kann die Unterhaltslast dadurch um über 100 Euro pro Monat sinken.

4.) Warum auch Schwiegersöhne und -töchter zahlen müssen

Schwiegersöhne und -töchter sind nicht mit den Eltern des Ehepartners verwandt. Sie sind ihnen deshalb auch nicht zum Unterhalt verpflichtet. Indirekt kommt es aber in Einzelfällen doch zur Haftung des Schwiegerkinds. Etwa dann, wenn der Schwiegersohn mehr als seine Ehefrau verdient und beide zusammen ein Nettogehalt von monatlich mehr als 2700 Euro erhalten. Dann trägt der Ehemann den Hauptteil des Familienunterhalts, und seine Frau hat mehr finanziellen Spielraum für den Unterhalt an ihre Mutter oder ihren Vater. So kann es sogar passieren, dass eine Tochter mit einem Nettoeinkommen unter dem Selbstbehalt von 1500 Euro Elternunterhalt zahlen muss.

5.) Wie Sie für die eigene Zukunft vorsorgen

Und was wird aus mir, wenn ich selbst einmal zum Pflegefall werde? Die Kosten für eine gute Versorgung im Pflegefall werden in Zukunft sicher nicht geringer. Wer im Alter nicht auf die Kinder oder aufs Sozialamt angewiesen sein möchte, kann mit einer privaten Pflegezusatzversicherung vorsorgen. Es gibt sie in verschiedenen Formen. Die bekanntesten sind:

  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegerentenversicherung.

6.) Welche Versicherungen für Pflegetagegeld am besten sind

Finanztest (Stiftung Warentest)

Finanztest  hat 30 Pflegetagegeldtarife untersucht und dabei besonders auf das Preis-Leistungs-Verhältnis geachtet. Die Modellkunden zahlten jeweils den gleichen festgelegten Beitrag - zum Beispiel 55 Euro im Monat für eine Frau, die den Vertrag mit 45 Jahren abschließt. Die Tester ermittelten, in welchem Maße die Leistungen aus dem Vertrag den geschätzten Bedarf im Pflegefall decken. Frauen müssen deutlich höhere Beiträge zahlen als Männer, um auch nur annähernd gleiche Leistungen im Pflegefall zu erhalten. Auch wer beim Abschluss schon älter ist, zahlt mehr als jüngere Neukunden. Insgesamt sind nur zwei Angebote in allen vier Modellfällen gut.

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