Fleischskandal Angeklagte legen Geständnis zu Ekeldöner ab

Tonnenweise sollen Fleischproduzenten minderwertiges Fleisch verkauft haben - vor allem an Berliner Dönerbuden. Nun gestanden zwei Männer einen Teil der Vorwürfe. Der Hauptangeklagte soll noch Geschäfte gemacht haben, als ihm das längst verboten war.

Dönerspieß: Selbst Fleisch von kranken Tieren verkauft
REUTERS

Dönerspieß: Selbst Fleisch von kranken Tieren verkauft


Augsburg - Die Vorwürfe sind unappetitlich, die ersten Beichten kamen schnell: Zum Auftakt eines Prozess um den Ekelfleischskandal im bayerischen Wertingen haben zwei Angeklagte Geständnisse abgelegt. Sie sollen zusammen mit dem Hauptangeklagten rund 150 Tonnen nicht für den menschlichen Verzehr geeignetes Fleisch umetikettiert und weiterverkauft haben. Der Großteil ging offenbar an Dönerproduzenten in Berlin.

Die Männer können nach ihrem Geständnis mit Bewährungsstrafen rechnen. Der Hauptangeklagte, ein Fleischfabrikant aus Wertingen, soll sich erst am kommenden Mittwoch äußern. Er hat laut Anklage zwischen 2006 und 2007 in 22 Fällen tiefgefrorenes Fleisch der Kategorie 3, das nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet war, umetikettiert und weiterverkauft. Außerdem habe er in 13 Fällen Fleisch von kranken Tieren erworben und ebenfalls als genießbare Ware verkauft.

Laut Anklage entfernte der 60-Jährige stets direkt nach dem Eintreffen der Lieferungen die sogenannten Warenbegleitpapiere und ersetzte sie durch eigene Dokumente. Ein Lastwagenfahrer hatte den Skandal im Sommer 2007 aufgedeckt, als er rund elf Tonnen Fleisch in die Fabrik brachte und beobachtete, wie es heimlich umetikettiert wurde.

Ein 54 Jahre alter Mitangeklagter, der bei einem norddeutschen Betrieb arbeitete, soll dem Wertinger das Kategorie-3-Fleisch verkauft haben. "Das Fleisch war aber absolut genießbar", betonte der Verteidiger des Produktmanagers nach dem Deal. "Der einzige Makel war die Lagerung in einem Kühlhaus, das nicht die richtige Zulassung hatte." Die Kühlkette sei nicht unterbrochen worden.

Der dritte Angeklagte vermittelte laut Anklage mehrfach zwischen den beiden Männern. Sein Anwalt hob hervor, dass der 70-Jährige sich als Helfer und nicht als Mittäter sehe.

Der Hauptangeklagte soll Medienberichten zufolge weiter Geschäfte gemacht haben, obwohl im das verboten war. Ein erneutes Vergehen des Mannes könnte unmittelbare Auswirkungen auf das Strafmaß im Ekelfleischprozess haben. Vor diesem Hintergrund will die Verteidigung die neue Ausgangslage zunächst prüfen. Anwalt Florian Ufer sagte: "Grundsätzlich bleibt die Bereitschaft zum Geständnis bestehen."

dab/dpa/dapd



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