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22. Juli 2017, 16:10 Uhr

Flug, Hotel, Versicherung

Zwölf Tipps für den günstigen Urlaub

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Ist Ihr Urlaub zu teuer? Mit ein paar Tricks können Sie jede Menge Geld sparen.

In Deutschland ist Urlaubszeit. In den meisten Bundesländern haben die Sommerferien schon begonnen, nur Bayern und Baden-Württemberg müssen noch ein paar Tage warten.

In den vergangenen Jahren sind Millionen Touristen in die Türkei gereist, auch weil dieses Reiseland sehr preiswert und die Gastgeber dort sehr freundlich und zuvorkommend sind. Doch in der aktuellen politischen Situation kommt das für viele Deutsche nicht mehr infrage. Wie Sie trotzdem preiswert Urlaub machen, lesen Sie in zwölf Tipps:

1) Wählen Sie ihr Reiseland nach Region und Kosten aus. Zuerst sollten Sie entscheiden, ob Sie eher ans Mittelmeer oder an die Ostsee, eher nach Südasien oder Nordamerika wollen. Dann können Sie mit einer Vergleichsliste auf Basis von OECD-Daten und dem Big-Mac-Index (Vergleich der Hamburgerpreise in den lokalen McDonalds-Restaurants) ermitteln, wo der Urlaub wahrscheinlich preiswerter ist. Am Mittelmeer in der Türkei oder - wenn Sie dort nicht hinmöchten - vielleicht in Kroatien. An der Ostsee eher in Polen. Und in Südostasien wahrscheinlich eher in Vietnam als in Thailand.

2) Mieten Sie Ihr Auto von Deutschland aus, nutzen Sie dafür Preisvergleichsportale und schließen Sie gleich die richtige Versicherung ab, Vollkasko mit möglichst wenig Selbstbeteiligung. Sie werden trotzdem beim Autoverleiher vor Ort mit drängenden Angeboten für mehr Versicherung konfrontiert werden, doch die können Sie dann mit gutem Gewissen ablehnen. Prüfen Sie noch kurz, ob Sie im Rahmen Ihrer Kfz-Versicherung schon eine Mallorca-Police abgeschlossen haben; die kostet, wenn überhaupt, nur wenige Euro zusätzlich. Das ist ein Extraschutz für Mietwagen im Ausland: Damit wird die Versicherungssumme zum Mietwagen von der heimischen Versicherung auf den deutschen Standard gehoben, ganz egal, was im Mietwagenvertrag vor Ort geregelt ist.

3) Buchen Sie Pauschalreisen entweder sehr frühzeitig oder last minute - in beiden Fällen gibt es Rabatte. Gute Reiseportale helfen dabei. Sie sind besonders praktisch, wenn Ihnen das genaue Ziel und der genaue Starttermin nicht so wichtig sind, weil Sie zum Beispiel jetzt eine Alternative zur Türkei suchen. Noch preiswerter ist es oft, Flug, Unterkunft und Mietwagen einzeln zu buchen. Bei den Hotels helfen Suchmaschinen wie Booking.com und HRS.de. Eine echte Alternative ist auch privates Wohnen, zum Beispiel über Airbnb. Bei Airbnb kommen aber leider auch kurzfristige Absagen von Gastgebern vor. Das schon bezahlte Geld bekommen Sie über Airbnb normalerweise problemlos zurück, die kurzfristige Suche nach einer Alternativunterkunft kann allerdings lästig werden.

4) Denken Sie auch an eine Auslandsreisekrankenversicherung, die kostet für Singles 10 Euro im Jahr, für Familien um die 30 Euro - und ist beim Urlaub im Ausland eigentlich unverzichtbar.

5) Telefonieren und Surfen sollte Sie im EU-Ausland nicht mehr kosten als zu Hause. Sie können also jetzt Ihr Smartphone im EU-Ausland ganz einfach auch als Navi einsetzen. Einige wenige Handytarife müssen allerdings extra auf das neue Roaming-System umgestellt werden. Machen Sie sich vorsichtshalber bei Ihrem Anbieter schlau. Passen Sie in den Grenzgebieten der EU auf, dass Sie nicht doch in einen teuren Auslandstarif etwa in der Schweiz, der Türkei oder in Bosnien geraten. Dasselbe gilt für Kreuzfahrten oder Fährschiffe. Wenn Sie länger außerhalb der EU in Urlaub fahren, erwägen Sie eine lokale Telefonkarte. Die können Sie gut auch in Deutschland kaufen.

6) Mit der Bahn oder dem Taxi zum Flughafen - oder doch mit dem eigenen Auto? Falls Sie das Auto nehmen, sollten Sie Suchmaschinen wie www.parken-und-fliegen.de oder www.parkandfly.de benutzen. So können Sie zwei Wochen sogar am Münchner Flughafen in den bayerischen Sommerferien für 80 Euro statt für 200 Euro parken.

7) Auch am Zielort lohnt es sich, die Wege vorher zu planen. Ein Expressbusticket vom Flughafen nach Rom kostet 4 Euro, das Taxi 48 Euro. Wäre doch ärgerlich, wenn das Taxi zum Hotel teurer wäre als der Flug. Sie können Kosten und Wegezeiten für unterschiedliche Verkehrsmittel auch in europäischen Großstädten vergleichen.

8) Der Koffer ist nicht angekommen. Ein Notfallset können Sie auf Kosten der Fluggesellschaft kaufen: Zahnbürste, Zahncreme und Unterwäsche. Falls der Koffer ganz verschollen bleibt, auf zum Frustshoppen - bis zu 1350 Euro muss die Fluggesellschaft ersetzen.

9) Für die Reisekasse gilt: Sie sollten ein bisschen Bargeld mitnehmen, dann aber Girocard und Kreditkarte mitführen, um jederzeit flüssig zu sein. An den Automaten lauert allerdings ein besonders perfider Trick. Viele Automaten fragen Sie beim Abheben routinemäßig, ob Sie Ihre Abhebung in Landeswährung (also britischen Pfund oder tschechischen Kronen) sofort in Euro umgerechnet haben wollen. Tun Sie das nicht! Sie bekommen dann den Wechselkurs des Automatenbetreibers und der ist deutlich schlechter als der Ihrer Bank oder Kreditkartenfirma. Das kann Sie pro Abhebung schnell mal 10 Euro extra kosten - oder sogar mehr.

10) Endlich am Hotel angekommen. Sie haben alles richtig gemacht, aber das Hotel ist Mist. Baulärm, nicht der versprochene Meerblick, kilometerweit vom Strand entfernt, Kakerlaken im Bad. Dokumentieren Sie die Mängel und verlangen Sie sofort Abhilfe, vom Hotel und als Pauschaltourist von der Reiseleitung. Werden die Mängel nicht abgestellt, können Sie hinterher mindestens Geld zurückverlangen, manchmal bis zur Hälfte des Preises. Bei groben Mängeln können Sie auf Kosten des Reiseveranstalters den Urlaub sogar abbrechen. Eine Orientierung, wieviel Geld es zurückgeben kann, bietet die Frankfurter Tabelle.

11) Fast schon standardmäßig sollten Fluggäste prüfen, ob sie nicht eine Entschädigung bekommen können, wenn der Flug zu spät ankommt oder ganz ausfällt. Mehr als 20.000 Flüge von und nach Deutschland sind allein 2016 ausgefallen, mehr als 5000 waren mindestens drei Stunden verspätet. Bis zu 600 Euro Entschädigung pro Person für und Hin- oder Rückreise sind drin, falls der Flug ausfällt oder sich mehr als drei Stunden verspätet. Sie können das Geld selbst bei den Fluggesellschaften einfordern, die Schlichtungsstelle SOEP bemühen oder einen Dienstleister bitten, das Geld für Sie zu holen. Diese Firmen behalten für Mühe und Ärger allerdings bis zu 30 Prozent der Entschädigung.

12) Auch für den schlimmsten Fall können Sie vorsorgen: Mitten im Urlaub erreicht Sie die Nachricht vom Einbruch in Ihr Haus, die Zimmer sind verwüstet. Wenn Sie eine gute Reiserücktrittversicherung abgeschlossen haben, enthält die heute auch eine Reiseabbruchklausel, die Ihnen den Resturlaub ersetzt und den Rückflug ohne Extrakosten ermöglicht. Schließen Sie die Reiserücktrittversicherung immer separat von der Reise ab. Sie können so besseren Schutz für weniger Geld ergattern. Auch sind die auf Buchungsportalen angebotenen Policen oft sehr schlecht und enthalten manchmal versteckte Zusatzkosten.

So ausgerüstet, kann eigentlich nichts schiefgehen. Sie haben sich maximalen Urlaub für wenig Geld gesichert. Jetzt fehlt nur noch das richtige Wetter. Schönen Urlaub!

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