Corona-Folgen Streit in Frankreich über drohende Champagner-Schwemme

In der Coronakrise fließt weniger Champagner auf Empfängen oder in Bars und Nachtklubs. Die Hersteller wollen deshalb weniger Trauben abnehmen, dadurch sehen die Winzer ihre Lebensgrundlage bedroht.
Eine Kellnerin schenkt in Reims ein Glas Champagner ein: "Außergewöhnlich" gute Ernte erwartet

Eine Kellnerin schenkt in Reims ein Glas Champagner ein: "Außergewöhnlich" gute Ernte erwartet

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Francois Mori/ AP

Die Corona-Pandemie bedeutet für die französische Champagner-Industrie herbe Absatzeinbrüche. Weil in der Krise weniger gefeiert und Champagner getrunken wird, fehlt den Herstellern nach eigenen Angaben etwa 1,7 Milliarden Euro Umsatz.

Derweil scheint viel die Sonne, und die Trauben dieses Jahr reifen gut. Winzer und Produzenten streiten deshalb trotz des immer näher rückenden Erntebeginns erbittert über die Erntemenge für den legendären Schaumwein aus der ostfranzösischen Region: Gibt es bald eine Champagner-Schwemme?

Die großen Produzenten mit Marken wie Veuve Clicquot oder Pommery versuchen das noch abzuwenden - und pochen auf eine deutliche Reduzierung der Menge der geernteten Trauben, die aus dem speziell ausgewiesenen Champagner-Anbaugebiet rund um die Stadt Reims stammen müssen. Der Winzerverband SGV warnt hingegen davor, dass die Lebensgrundlage der Winzer auf dem Spiel stehen könnte.

Preis ist mit 6,50 Euro pro Kilo stabil

Traditionell loten beide Seiten regelmäßig in Verhandlungen die Erntemengen aus. Das soll einerseits das Risiko schlechter Ernten ausgleichen und andererseits die Gefahr von Preisschwankungen eindämmen, die den Produzenten gefährlich werden könnten.

Doch dieses Jahr ist eine Einigung noch weit entfernt: "Die Winzer wollen 8500 Kilo pro Hektar, aber die Häuser wollen nur 6000 bis 7000 Kilo", sagt Winzer Bernard Beaulieu aus Mutig, einem von Weinbergen umringten Dorf südlich von Reims. Da der Preis pro Kilo mit 6,50 Euro voraussichtlich relativ stabil bleibt, steht dabei viel auf dem Spiel.

"Nur einen Monat vor Beginn der Ernte keine Einigung zu haben, das gab es noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg", sagt Beaulieu. Zugleich lässt die seinen Angaben zufolge "außergewöhnlich" gute Ernteerwartung für dieses Jahr die Wut der Winzer schäumen. Sogar 16.000 Kilo pro Hektar sind demnach möglich.

Eine Milliarde Flaschen bereits in den Kellern

Der Produzentenverband UMC klagt unterdessen über volle Lager und erwartet einen beispiellosen Rückgang bei den Verkaufszahlen um 100 Millionen Flaschen - ein Minus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig liegen dem Verband zufolge derzeit bereits mehr als eine Milliarde Flaschen in den Kellern, theoretisch genug für mehrere Jahre.

Trauben an einem Rebstock bei Avize: Ausgangsstoff für hochwertigen Champagner

Trauben an einem Rebstock bei Avize: Ausgangsstoff für hochwertigen Champagner

Foto: Francois Mori/ AP

UMC-Generaldirektor David Chatillon will den Streit vor einem für den 18. August angesetzten Treffen des mit Winzern und Produzenten besetzten Champagner-Komitees nicht kommentieren. Sollte auch dann keine Annäherung gelingen, würde wohl letztlich die nationale Aufsichtsbehörde INAO eine Entscheidung fällen - "ein Würfelspiel" für beide Parteien, warnt Beaulieu.

Während es also bald einen Überschuss an Champagner geben könnte, könnte das für andere Alkoholika nicht gelten: Schließlich konsumiert zumindest in Deutschland mehr als ein Drittel der Erwachsenen in der Coronakrise mehr alkoholische Getränke.

apr/AFP

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